Eine Legende und ein Hinterbänkler werden dem HCD zum Verhängnis
Nun also Spiel 7 am Donnerstag in Davos. Einer dieser seltenen Momente ohne «wenn» und «aber». Das Finale eines Dramas, das sich über sechs Akte aufgebaut hat.
Zum ersten Mal in seiner Geschichte steht Fribourg-Gottéron in diesem alles entscheidenden siebten Finalspiel. Ein Meilenstein, der nicht einfach erreicht, sondern mit einem 2:1 in der Verlängerung erkämpft, erlitten und erduldet worden ist.
Wie es sich für ein Drama gehört, das seinen Namen verdient, hat einer die Tür zu diesem historischen Augenblick aufgestossen, der längst zur Legende geworden ist: Julien Sprunger. Vierzig Jahre alt, Captain, Leitwolf. Es ist sein Tor, das den Auftakt zu diesem Drama markiert. Er fängt die Scheibe ab, die Rasmus Asplund aus der eigenen Zone zu schiessen versucht und trifft unhaltbar zum 1:0 (7:58 Min.).
Dieses frühe Tor reicht zwar noch nicht zum Sieg, rettet aber Gottéron in die Verlängerung. Auch Simon Knaks kurioser später Ausgleich von hinter der Grundlinie aus (56:51 Minuten) via Reto Berras Bein bringt Gottéron nicht mehr vom Kurs ab: Jeremi Gerber, der «Hinterbänkler», der ehemalige SCB-Junior, der bei Gottéron seine letzte Chance gepackt hat, erzielt in der Verlängerung (63:51 Minute) das 2:1. Sein 4. Treffer in den Playoffs. Nachdem er zuvor in 43 Qualifikationspartien nur zweimal getroffen hatte. Trainer Roger Rönnberg hat seine Einsatzzeit im Final gegenüber der Qualifikation auf knapp 12 Minuten verdoppelt.
Doch wer nun in Spiel sieben nach Logik sucht, wird enttäuscht werden. Eine Prognose ist nicht nur schwierig, sie ist unseriös. Nach sechs Spielen gibt es keine belastbaren Argumente für eine klare Favoritenrolle. Weder Davos noch Gottéron haben in einem Bereich einen Vorteil erarbeitet, den man in Gewissheit übersetzen könnte.
Ja, Davos hatte im 6. Spiel eine Spur mehr Energie und Torschüsse (34:29) und dominierte das letzte Drittel klar (9:3) – und verlor trotzdem. Reto Berra machte die Differenz. Aber im 5. Final war er am Sonntag bei der 4:5-Verlängerungsniederlage in Davos oben nicht dazu in der Lage, den Sieg zu stehlen.
Dieser Final hat sich jeder Berechenbarkeit entzogen. Es ist ein Pendel, das unaufhörlich zwischen den Polen schwingt, ohne je zur Ruhe zu kommen.
Davos hat mehr Erfahrung mit dieser Extremsituation und schon zweimal im 7. Finalspiel den Titel geholt: 2007 auf eigenem Eis gegen den SC Bern (1:0) und 2009 in Kloten (2:1). Aber was zählen schon Vergangenheit, Taktik, Form, Statistiken? Es geht um Details, um Zufälle, um Momente, die nicht planbar sind. Ein Abpraller, ein Pfostenschuss, ein Fehlpass. Oder eben ein «Hinterbänkler» zur richtigen Zeit am richtigen Ort wie Jeremi Gerber.
Der Donnerstag ist ein Tag, an dem einer Geschichte schreiben kann. Julien Sprunger wird seine letzte Partie für Gottéron spielen. Gelingt ihm der Siegestreffer zum ersten Titel, ein Tor für die Ewigkeit? Im 6. Spiel hat er mit dem 1:0 bereits den Treffer erzielt, der dieses Tor zur Ewigkeit einen Spalt breit geöffnet hat.
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Für Davos geht es um den ersten Titel seit 2015. Damals noch mit Trainer Arno Del Curto und Leitwolf Reto von Arx. Es wäre die 32. Meisterschaft. Zum 32. Mal Meister ist keine Sensation. Meisterlicher Ruhm ist Teil der Identität dieses Klubs, der vor exakt hundert Jahren, im Frühjahr 1926, seinen ersten Titel gewonnen hat. Und doch: Selbst für den Rekordmeister verliert Spiel 7 nichts von seiner Unberechenbarkeit und Faszination.
Auf der anderen Seite steht Gottéron. Ein Klub, der bisher seine Geschichte nicht mit Titeln, sondern mit Sehnsucht geschrieben hat. Viermal im Final (1992, 1993, 1994, 2013), viermal gescheitert. Diese Vergangenheit ist kein Ballast, aber auch nicht bedeutungslos. Sie schwingt mit, vielleicht im Unterbewusstsein. Wer hält dem Druck stand? Wer bleibt ruhig? Wer trifft, wenn es zählt?
Vielleicht wird es wieder ein Veteran sein wie Julien Sprunger, der den Unterschied macht. Vielleicht gelingt Sandro Aeschlimann mit einer Parade, an die man sich noch Jahre später erinnern wird, endlich die Meisterprüfung. Wenn wieder, wie im 6. Spiel, eine Legende wie Julien Sprunger und ein «Hinterbänkler» Jeremi Gerber zusammenspannen, dann wird Gottéron zum ersten Mal Meister.
Aber vielleicht entscheidet schlicht ein Zufall. Das ist die Magie von Spiel sieben. Es gibt keine Logik, keine Gerechtigkeit. Denn irgendwo über dem Eis, unsichtbar und doch spürbar, sitzen die Hockeygötter. Sie werden am Donnerstag würfeln.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
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