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Schweiz an der Heim-WM: Der «goldene Druck» ist kein Problem

Swiss fans cheer, during the ice hockey women's bronze medal game between Switzerland and Sweden at the 2026 Olympic Winter Games in Milan Santagiulia Ice Hockey Arena, Italy, on Thursday, Februa ...
Dieses Mal sind die Schweizer Fans ein Vorteil – nicht wie vor 17 Jahren.Bild: keystone
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Warum der «goldene Druck» kein Problem ist

Bei der letzten Heim-WM (2009) erreichten die Schweizer nicht einmal das Minimalziel Viertelfinal. Nationaltrainer Ralph Krueger prägte den Begriff «Heimnachteil». 17 Jahre später ist alles anders und beim Maximalziel Weltmeister hat die Schweiz Heimvorteil.
14.05.2026, 17:0014.05.2026, 17:00

«Druck» gehört zu den meistbemühten Begriffen im Sport. Und wenn ein Favorit scheitert, dann war der «Druck» zu gross. So wahr und klar. Da mag küchentischpsychologisch was dran sein. Aber meistens ist «Druck» eine wohlfeile Ausrede und Scheitern hat ganz andere Ursachen. Bei der nun anstehenden WM in der Schweiz gilt die Ausrede «Druck» nicht.

Aber sind denn die Schweizer bei der letzten WM 2009 nicht an den hohen Erwartungen gescheitert? Ja, das sind sie. Und Nationaltrainer Ralph Krueger hatte mit seiner Analyse «Heimnachteil» nicht ganz unrecht.

Aber das Versagen hatte damals eben tiefere Gründe. Erstens war der Modus mit Vor- und Zwischenrunde ein ganz anderer als heute mit sieben Gruppenspielen. Bereits in der vierten Partie ging es 2009 gegen Lettland um alles – und die Schweizer verloren nach Penaltys 1:2.

Swiss fans cheer during the Group E Qualifying Round game between Switzerland and Latvia at the IIHF 2009 World Championship at the Postfinance-Arena in Berne, Switzerland, Thursday, April 30, 2009. ( ...
An der Heim-WM 2009 hielt die Nati dem Druck nicht stand.Bild: KEYSTONE

2009 waren wir einfach nicht gut genug. Defensiv stand die Schweiz an einem guten Abend auf Augenhöhe mit den Titanen. Aber offensiv war sie zweitklassig und nicht dazu in der Lage, einen Sieg gegen mittelmässige Gegner (damals Lettland, Deutschland oder Frankreich) herauszuspielen. Dazu fehlte das Talent und ein Sieg musste «erzwungen» werden. 2009 stürmte noch kein Schweizer in der NHL. Die beiden Verteidiger Mark Streit und Yannick Weber waren die einzigen Feldspieler in der wichtigsten Liga der Welt und Weber brachte die Erfahrung aus gerade mal drei NHL-Partien mit nach Bern.

Nun ist alles anders. Komplett anders. Zwei Schweizer sind als Captain Leitwölfe in der NHL (Nico Hischier, Roman Josi) und Hischier, Timo Meier, Pius Suter und Nino Niederreiter sind offensive NHL-Millionäre. Sven Andrighetto und Denis Malgin stürmen inzwischen für die ZSC Lions und nicht mehr in der NHL. Aber sie haben bei Weitem nach wie vor pures NHL-Talent.

Eishockey-Welten trennen das WM-Team, das am Freitag gegen die USA zur Final-Revanche antritt, vom WM-Team, das 2009 versagte. Im Quadrat mehr Talent, im Quadrat mehr internationale Erfahrung, im Quadrat gelassener und selbstsicherer. 2009 zweifelten noch alle zu Recht – Nationaltrainer Ralph Krueger inklusive – ob man gut genug sei, um den Viertelfinal zu erreichen. Wer zweifelt, gerät unter Druck und scheitert.

Nun wissen nach zwei knapp verlorenen WM-Finals (2024, 2025) alle, dass sie gut genug sind, um erstmals Weltmeister zu werden. Und «Druck» sind sie alle gewöhnt. Aus der NHL, aber auch aus unserer heimischen National League, die – anders als 2009 – zu den besten Ligen Europas gehört. 2024 und 2025 haben die ZSC Lions bzw. Servette die Champions League gewonnen.

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Zum Auftakt kommt es in Zürich gleich zur Finalrevanche vom letzten Jahr gegen die USA.Bild: keystone

Die «goldene» Generation steht im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit und bekommt nun die Chance, Weltmeister zu werden. Vor eigenem Publikum. Mit der Energie, die sich in einer ausverkauften Arena aufs Team übertragen wird. In Zürich tritt das beste WM-Team unserer Geschichte an. Alles andere als das höchste Ziel – Gold, WM-Titel – wäre angesichts dieser Ausgangslage nachgerade absurd. Und auch nicht im Sinne der Spieler, die sich dieses Ziel setzen und mit dieser Zielsetzung umgehen können. Auch der ganze «Fall Fischer» spielt keine Rolle mehr. Ja, das Team ist bei den Turbulenzen der letzten Wochen noch enger zusammengerückt.

Natürlich ist Scheitern bei einem so unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage möglich – aber die Ursache wären im Falle eines Falles ganz sicher nicht der «goldene Druck» oder der «Heimnachteil».

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quelle: keystone / salvatore di nolfi
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