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Playoff-Halbfinal: So coachte Josh Holden den HCD zum Sieg gegen den ZSC

Brendan Lemieux (HCD), rechts, gegen Nicolas Baechler (ZSC), beim dritten Eishockey Playoff Halbfinalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und ZSC Lions (ZSC), am Mittwoch, 8. April 2026,  ...
Brendan Lemieux im Einsatz gegen Nicolas Baechler.Bild: keystone
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Die HCD-Kraft des «Bösen» und Sven Leuenbergers Erinnerungen an 2007

Die ZSC Lions haben es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft, in Davos oben zu gewinnen. Ein Schachzug von HCD-Trainer Josh Holden war entscheidend.
09.04.2026, 09:5809.04.2026, 09:58

Die ZSC Lions halten zwar den Weltrekord an Playoff-Heimsiegen (inzwischen 19 in Serie). Aber in den Final kommen sie nur, wenn sie mindestens einmal in Davos oben gewinnen. Nach dem 2:4 im ersten Halbfinal haben die Zürcher nun auch das zweite Auswärtsspiel in Davos verloren (0:1). Das Heimspiel hatten die Zürcher am Montag noch mit einem famosen letzten Drittel (19:6 Torschüsse) mit 3:1 gewonnen und den Halbfinal ausgeglichen (1:1). Nun waren sie im letzten Drittel chancenlos (5:10 Torschüsse). Wie kann das sein?

Die Highlights des Spiels.Video: YouTube/HC Davos

Nun, eine Umstellung von HCD-Cheftrainer Josh Holden hat eine entscheidende Rolle gespielt. Er hat den Kanadier Adam Tambellini durch Brendan Lemieux ersetzt. Auf den ersten Blick hat dieser Tausch auf den offensiven Ausländerpositionen keinerlei Wirkung erzielt. Brendan Lemieux hat weder ein Tor noch einen Assist erzielt. Aber Brendan Lemieux ist ein «Böser». Was durchaus positiv gemeint ist. Wie im Schwingen sind auch im Eishockey – zwar nicht immer, aber oft in den Playoffs – die «Bösen» die «Guten».

In den ersten zwei Halbfinalpartien sass Brendan Lemieux auf der Tribüne. Also auch im zweiten Spiel in Zürich. Jeder, der ihm begegnet ist, hat sich die Frage gestellt: Ist das wirklich der bissige, böse, gefürchtete Brendan Lemieux, der noch vor einem Jahr im Halbfinal gegen die ZSC Lions während einer Prügelei versehentlich den Linienrichter mit der Faust getroffen und in nur zwei Partien 26 Strafminuten gesammelt hatte? Und dessen Vater Claude Lemieux einer der bissigsten, bösesten und erfolgreichsten Playoff-Spieler der NHL-Historie war.

Tatsächlich ist Brendan Lemieux ein überaus freundlicher, zuvorkommender junger Mann, der nicht einmal eine scheue Hauskatze erschrecken könnte. Inzwischen hat er sich auf dem Eis an die etwas weniger rauen Umgangsformen in unserer National League gewöhnt. Aber immer noch ist er ein zäher, unermüdlicher, rauer und mutiger Kerl, der in der gegnerischen Zone und vor dem gegnerischen Tor ständig für Unruhe sorgt. Einer, der dafür sorgt, dass bei der gegnerischen Mannschaft jeder viel aufmerksamer ist, um ja nicht mit ihm in den Clinch zu geraten.

Nein, er hat in diesem dritten Halbfinal keine Strafe kassiert und er hat sich weder mit einem Tor noch einem Assist in der Skorerliste eingetragen. Aber er hat die erste Sturmlinie mit Topskorer Matej Stransky und Simon Ryfors belebt. Dieses Trio hat den entscheidenden Treffer zwar nicht erzielt, aber die ZSC Lions mindestens 30 Minuten lang durcheinandergebracht und irritiert. Dass die Zürcher bei weitem nicht mehr die Energie wie beim zweiten Spiel auf eigenem Eis entwickelten und ihr Spiel nicht richtig finden konnten, hat auch etwas mit der Wirkung von Brendan Lemieux zu tun. Dem «Bösen», der ein «Guter» war.

Der HCD hatte im zweiten Spiel im Unterland verloren, weil die Zürcher eine höhere Spielintensität entwickelten. Also hat Josh Holden mit Brendan Lemieux für den dritten Halbfinal einen ausländischen Stürmer gebracht, der wie kein anderer das Spiel seiner Mannschaft mit Intensität aufpeppt.

Noch etwas ist aufgefallen: Das Powerplay der Zürcher war miserabel. Während 5:36 Minuten in Überzahl vermochten sie keine wirklich gute Torchance zu erarbeiten bzw. herauszuspielen. Das ZSC-Powerplay ist dann brandgefährlich, wenn Sven Andrighetto einen Querpass mit einem Direktschuss verwertet. Er fehlt verletzungshalber. Nun hat Willy Riedi in seiner Position im Überzahlspiel Direktschüsse probiert. Erfolglos.

Bei ZSC-Sportchef Sven Leuenberger dürften Erinnerungen an den Playoff-Final von 2007 wach werden. Er war damals SCB-Sportchef. Der SCB gewann beim Final seine drei Heimspiele gegen den HCD, verlor aber alle vier Auswärtspartien. Das siebte und letzte in Davos oben 0:1. Mit Christian Dubé hatte auch der SCB einen Schillerfalter wie Denis Malgin und der HCD mit Josef Marha einen tschechischen Topskorer. Und was auch passt: HCD-Trainer Josh Holden hat mindestens so viel Temperament wie der damalige Meistertrainer Arno Del Curto.

Zur Erinnerung die Resultate des Finals von 2007:

  • Davos – SCB 3:2.
  • SCB – Davos 4:0.
  • Davos – SCB 3:1.
  • SCB – Davos 3:2.
  • Davos – SCB 3:1.
  • SCB – Davos 2:1.
  • Davos – SCB 1:0.

Ja, klar: Unser aller Karl Marx hat einmal sinngemäss gesagt, die Geschichte wiederhole sich nicht und wenn, dann als Tragödie oder als Farce. Nun, dieser Halbfinal bringt – unabhängig, wer den Finaleinzug schafft – weder eine Farce noch eine Tragödie. Sondern ganz einfach grandioses, intensives Hockey.

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quelle: keystone / ennio leanza
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