Das Sommer-Märchen bleibt aus: Yann Sommer kehrt nicht zum FCB zurück
Natürlich war er die Traumlösung. Er ist nicht nur der wohl beste Goalie, den die Fussball-Schweiz je hatte. Nein, Yann Sommer agiert auch noch immer auf Weltklasse-Niveau, ist mit seinen 37 Jahren als Torhüter ausserdem noch ein paar Jahre vom Ende seiner Karriere entfernt. Zudem ist er in der Region aufgewachsen, trug 170 Mal das Trikot des FC Basel und hat seine Verbundenheit mit seinem Jugendklub immer wieder betont.
Es lag also auf der Hand, dass die Verantwortlichen des FCB sich darum bemühten, den Keeper in diesem Sommer zurückzuholen. Der scheidende FCB-Sportchef Daniel Stucki erkor Sommer zum «perfekten Mann im Tor für uns», während FCB-Boss David Degen ihn als «Wunschkandidaten» betitelte, auf dessen Anrufe er wartete. Hinzu kam die vertragliche Konstellation Sommers, die dem FC Basel in die Karten zu spielen schien: Sommers Vertrag in Mailand, wo er seit 2023 bei Inter spielt, läuft per 30. Juni aus. Entsprechend wäre keine Ablöse angefallen. Derweil ist in Basel die Position der Nummer 1 vakant, beendet Marwin Hitz doch seine Karriere.
Aus dem Sommer-Märchen wird aber nichts. Zumindest nicht in diesem Jahr. Wie diese Zeitung aus gut unterrichteten Quellen weiss, hat sich Yann Sommer dagegen entschieden, bereits jetzt in die Heimat zurückzukehren. Zwar weilte eine Basler Delegation jüngst in Mailand, um die Traumlösung doch noch Realität werden zu lassen. Sommer aber ist den Lockrufen aus der alten Liebe nicht erlegen. Das Thema ist vorerst vom Tisch.
Dem Vernehmen nach ist es für Sommer noch zu früh, wünscht er sich noch ein, zwei Saisons auf höchstem internationalem Niveau. Dass er dazu in der Lage ist, hat er mit seinen Leistungen bei Inter bewiesen. In der laufenden Spielzeit kommt er auf wettbewerbsübergreifend 42 Einsätze. Dies dürfte wohl auch den einen oder andere Interessenten hervorgebracht haben.
Die Option, bei Inter Mailand ab Sommer als Nummer 2 zu agieren – eine These, welche von den italienischen Gazetten kolportiert wurde – dürfte für Sommer wenig reizvoll sein. Viel eher könnte er ein letztes, grosses und finanziell ansprechendes Abenteuer anstreben, bevor er allenfalls in ein paar Jahren doch noch seine grosse Karriere in Basel beenden möchte.
Sommer hat keine Eile, dem FCB läuft die Zeit davon
Sommer selbst hat sich noch nicht dazu geäussert. Der Spieler habe aber auch keine Eile, wie aus seinem Umfeld zu hören ist. Er war bislang vollends auf den Gewinn des Scudetto fokussiert, welchen Inter nach dem 2:0 gegen Parma vor zehn Tagen eintüten konnte. Es war Sommers insgesamt siebter Meistertitel: Vier Mal triumphierte er mit dem FCB, einmal mit Bayern München und nun das zweite Mal mit Inter.
Möglich auch, dass Spieler und Management erst auf die Sommerpause warten und darauf, welche Angebote ins Haus flattern. Wirklich Fahrt nimmt das internationale Transferkarussell traditionell erst im Juli und August auf – starten die grossen Ligen doch allesamt erst im August wieder in die neuen Spielzeiten. Ausserdem dürfte die Mega-WM diesen Prozess weiter verschleppen.
Für den FC Basel seinerseits besteht eine gewisse zeitliche Dringlichkeit. In der Schweiz beginnt die Super League bereits Ende Juli wieder. Die Basler versprachen nach der Verkündung des Hitz-Abgangs eine Nachfolgelösung in «nützlicher Frist». Vier Monate sind seither verstrichen, präsentieren konnte der FCB noch nichts. Bereits in einem Monat beginnt in Basel jedoch die Vorbereitung auf die neue Saison. Spätestens dann sollte diese Personalie geklärt sein.
In der Pole-Position dürfte nun Jonas Omlin sein. Der 32-Jährige, der aktuell von Gladbach an Leverkusen ausgeliehen ist, sei «ein super Spieler und ein super Typ, der sicher ein Kandidat bei uns ist», wie Degen im März sagte. Der Innerschweizer stand bereits zwischen 2018 und 2020 im Tor der Basler und gewann den Cup. In den letzten Jahren geriet seine Karriere jedoch ins Stocken. Weder bei Gladbach noch bei Leverkusen kommt er in dieser Saison auf Minuten.
Entsprechend gross ist, so ist zu hören, sein Wunsch, wieder auf dem Platz zu stehen. Beim FC Basel hätte er diesbezüglich freie Fahrt. (riz/aargauerzeitung.ch)

