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Frustrierte Fans mit Tickets warten auf ihren Einlass.
Frustrierte Fans mit Tickets warten auf ihren Einlass.Bild: keystone

Harte Kritik für ZDF und DAZN nach Fan-Chaos beim Champions-League-Final

29.05.2022, 13:27

So schnell werden Fans das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool am Samstagabend in Paris nicht vergessen: nicht nur wegen des 1:0-Siegs der Spanier und dem Interview-Ausraster von Toni Kroos – sondern auch wegen des signifikant verspäteten Anpfiffs des Spiels.

Das Match wurde zunächst um 15 Minuten und dann noch zwei weitere Male nach hinten verschoben. Letztendlich begann es erst um 21.37 Uhr – also 37 Minuten nach dem geplantem Anpfiff.

Grund für die Verspätung war, dass viele der insgesamt 75'000 Zuschauer nicht schnell genug die Sicherheitskontrolle passieren und auf die Tribüne gelangen konnten. Die Veranstalter hatten auf den Anzeigetafeln als Ursache zunächst «Sicherheitsgründe» und dann «verspätetes Eintreffen von Fans» angegeben.

Chaos und Tränengas vor Champions-League-Anpfiff

In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Bilder und Videos von chaotischen Zuständen und langen Warteschlangen rund um die Arena. Im Netz berichteten Beteiligte über Desorganisation und stundenlange Wartezeiten. Ein weiteres Problem: Fans ohne Tickets kletterten über die Absperrzäune und versuchten so, Zugang zum Stadion zu bekommen.

In einigen Videos ist zu sehen, wie die Polizei Tränengas gegen wartende Zuschauer einsetzte, um sie vom Stadion wegzudrängen – darunter anscheinend auch Kinder und Familien. Laut Polizeiangaben gab es insgesamt 68 Festnahmen und 238 Verletzte.

UEFA sieht Schuld für Eskalation bei den Zuschauern

Die UEFA teilte in einem Statement mit, dass der Auslöser für die Eskalation tausende Anhänger gewesen seien, die gefälschte Tickets gekauft hatten und die Drehkreuze nicht passieren konnten. «Dadurch ist es zu einem Stau an Fans gekommen, die alle reinwollten», hiess es weiter. Der Anpfiff sei dann verschoben worden, um möglichst vielen Fans mit Tickets den Einlass zu gewähren.

Polizisten der englischen Merseyside Police, die ebenfalls vor Ort waren, verteidigten die Fans, wie die BBC berichtete. In den sozialen Medien tauchten Fotos und Videos auf, die einen mindestens unverhältnismässigen Einsatz der Ordnungskräfte am Stadion zeigten. Die französische Polizei setzte dabei Tränengas ein. Die Sportzeitung «L'Equipe» schrieb von einem «absoluten Fiasko». Es sei eine «Inkompetenz der französischen Organisatoren» gewesen, die «dramatische Folgen hätte haben können, wenn die Liverpool-Fans nicht unendlich geduldig gewesen wären».

Bereits während des Spiels beantragte der FC Liverpool eine offizielle Untersuchung der «inakzeptablen» Vorgänge. «Wir sind sehr enttäuscht von den Problemen beim Stadion-Einlass und dem Zusammenbruch des Sicherheitsbereichs, dem Liverpool-Fans heute Abend im Stade de France ausgesetzt waren», schrieb der britische Klub in einem Statement.

Nach Europa-League-Desaster: Erneute Kritik an UEFA-Organisation

Im Netz wird die UEFA für die Unorganisiertheit der Veranstaltung und die Schuldzuweisung an die Fans heftig kritisiert. «Ich bin nicht sicher, dass es möglich wäre, ein Event schlechter zu organisieren, sogar falls man es versuchen würde», twitterte die englische Fussball-Legende Gary Lineker. «Absolut chaotisch und gefährlich.»

Auch der Sportjournalist Andy Kelly schaltete sich ein: «Kaum zu glauben, dass die UEFA im Stadion verkündet hat, dass der verschobene Anpfiff wegen ‹spät ankommender Fans› gewesen sei. Das ist eine absolute Lüge. Die Fans um mich herum waren alle zweieinhalb Stunden vor Anpfiff da», berichtete er. «Es kam zur Verzögerung wegen ungeschicktem Polizeieinsatz und der unverzeihlichen Schliessung von Toren für Fans mit Tickets.»

«Extrem fragwürdige» Medienberichte

Doch nicht nur die UEFA steht in der Kritik, auch die in Deutschland übertragenden Sender ZDF und DAZN wurden angeprangert. Das ZDF soll während der Live-Übertragung des Spieles ebenfalls die Fans für den verspäteten Anpfiff verantwortlich gemacht habe.

«Extrem fragwürdig, Jochen Breyer, live im ZDF jetzt ohne jeden Beleg Liverpool-Fans, die laut diversen Tweets seit über drei Stunden vor dem Stadion stehen, verantwortlich zu machen, weil einige über Zäune klettern», schrieb der Journalist Andrej Reisin auf Twitter.

Der ZDF-Reporter hatte aufgrund der Intervention im Netz seine Aussage während der Pause anschliessend korrigiert und auch die andere Seite des Geschehens ausführlich beleuchtet.

Auch Dazn steht in der Kritik

Das Bündnis Aktiver Fussball-Fans tadelte ausserdem die Berichterstattung des Sport-Streamingdienstes DAZN. «Unfassbares Framing», schrieb ein BAFF-Sprecher.

«Jetzt sind Fans ohne Ticket schuld. Keine Ahnung, was vor Ort passiert, Bilder zeigen, die überhaupt nicht passen und dann das obligatorische ‹Bilder, die wir als Sportfans nicht sehen wollen› und ‹hoffen, dass es friedlich bleibt›. Erbärmlich.»

DAZN-Experte Sami Khedira wollte über die Zuschauer-Situation auch kein Wort verlieren, «weil nur wichtig ist, was auf'm Platz passiert.»

(fw)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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samy4me
29.05.2022 13:49registriert Februar 2014
Täglich grüsst das Murmeltier. Solche Unverhältnismässigkeiten sind für Sport Fans überall an der Tagesordnung, schon das Europapokal Finale in Sevilla war eine organisatorische Katastrophe. Die Medien sind dann jeweils nicht schnell genug um den Fans die Schuld in die Schuhe zu schieben und jede Polizeimeldung unkritisch und ohne zu hinterfragen zu verbreiten (Looking at you too, Watson).
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James McNew
29.05.2022 14:33registriert Februar 2014
Wie sich der kommerzielle Sport immer und immer wieder der Realität in seinem Umfeld verschliesst, weil „zählt, was auf dem Platz passiert“ ist in so vielen Bereichen beschämend und unerträglich.

Es gibt einfach viel zu viele Funktionäre und Journalisten, die ein Leben lang mit demselben Blick auf das Geschehen schauen, den sie schon als kleine Jungs hatten, die gerade Fans wurden.

Werdet tamminomal endlich erwachsen und übernehmt Verantwortung!
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Denkenderprolet
29.05.2022 13:46registriert August 2021
Bestes Beispiel: schweizer Fussball.

Seit die drakonischen "Massnahmen" der Polizei zurückgeschraubt wurden, ist es enorm ruhig geworden an Superleague Spielen. Schuld daran war vor allen Karin Keller Sutter.
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