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Gespenstische Atmosphäre beim Derby d'Italia zwischen Juventus und Inter in Turin.
Gespenstische Atmosphäre beim Derby d'Italia zwischen Juventus und Inter in Turin.Bild: AP

Der Fussball in den Fängen von Corona – wie lange darf der Ball noch rollen?

Volle Häuser in München und Manchester, triste Leere in Italiens Stadien und ein Österreicher unter Quarantäne. Aber wie geht es für König Fussball in den nächsten Tagen weiter?
09.03.2020, 10:0309.03.2020, 13:26
markus brütsch / ch media

Spielt der FCB in der Europa League vor Publikum?

Können die Anhänger des FC Basel am kommenden Donnerstag in der Europa League ihr Team in Frankfurt unterstützen? Oder wird die Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen? Solche Fragen werden seit gestern heiss diskutiert. Auf den Websites der Eintracht und der UEFA sind noch keine Infos dazu aufgeschaltet.

Schon 2014 musste der FC Basel in der K.o.-Runde der Europa League ein Geisterspiel austragen.
Schon 2014 musste der FC Basel in der K.o.-Runde der Europa League ein Geisterspiel austragen.Bild: KEYSTONE

BVB mit Geisterspiel in Paris

In der Champions League wird wegen der Ausbreitung des Coronavirus das Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals zwischen Valencia und Atalanta Bergamo unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Zu einem Duell ohne Zuschauer kommt es auch für Borussia Dortmund beim Gastspiel bei Paris St-Germain. Frankreich hat wegen der Coronavirus-Epidemie sämtliche Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verboten.

Nicht hinsehen, es ist eh keiner da!
Nicht hinsehen, es ist eh keiner da!Bild: EPA

Gesundheitsminister Olivier Véran liess allerdings durchblicken, dass es Ausnahmen geben werde. Er sagte, dass die Behörden nun eine Liste mit Veranstaltungen zusammenstellen, die «nützlich für das Leben der Nation» seien, dazu gehören beispielsweise Demonstrationen. Das Champions-League-Spiel des BVB bei PSG allerdings nicht.

Dabei hatten die Pariser noch alles unternommen, um das Spiel mit Zuschauern durchführen zu können. Wie die französische «L’Équipe» berichtet, wurde der gesamten Prinzenpark desinfiziert. Die Spielerkabinen, Rolltreppen sowie die Tribünen seien gründlich gereinigt worden.

Wie geht es in Deutschland weiter?

In Deutschland, wo bisher Fussball gespielt wurde, als gäbe es das Coronavirus nicht, scheint sich der Wind zu drehen. Ist bald fertig mit lustig? Gut möglich, dass am nächsten Samstag das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke statt mit 80'000 Zuschauern unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne geht. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Sonntag empfohlen, Anlässe mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen.

Die Angst vor einer Ansteckung scheint in unserem nördlichen Nachbarland aber noch immer gering. 75'000 Zuschauer schauten sich in der Allianz Arena den 2:0-Sieg der Bayern gegen Augsburg an. Nach dem Eklat von Hoffenheim hissten die Münchner Fans auch dieses Mal Banner. Allerdings nicht mit Menschen im Fadenkreuz, sondern mit berechtigtem Protest gegen die Doppelmoral der Klubführung: «Für Diskriminierung steht ihr ein, wie kann dann der Katar-Deal sein?»

Altachs Zwischenbrugger unter Quarantäne

Vom Ausland ziemlich unbemerkt, hat das Coronavirus in Österreichs Fussball eine erste Spur hinterlassen. Altach reiste ohne seinen Innenverteidiger Jan Zwischenbrugger zum Auswärtsspiel bei Admira Wacker (0:2-Niederlage), weil der 29-Jährige mit einer am Coronavirus erkrankten Person in Kontakt gewesen war und von der Gesundheitsbehörde in Vorarlberg für 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt wurde. Auf weitere Spieler oder Betreuer habe die Massnahme keine Auswirkungen, teilte der Klub mit.

Sondersitzung in Italien

In Italien wurden am Sonntag sämtliche Partien als Geisterspiele durchgeführt. Dass ausgelassenes Jubeln auch ohne Publikum geht, bewies der Argentinier Paulo Dybala von Juventus nach seinem Tor zum 2:0 gegen Inter. Es bedeutete in einem unterhaltsamen Spiel die Vorentscheidung und die Rückeroberung der Tabellenführung von Lazio.

Die Highlights bei Juve vs. Inter.Video: YouTube/Teleclub Zoom

Zehn Stunden zuvor hatte der Fussballsonntag mit einer Aufregung begonnen. Um 12.30 Uhr waren die Profis von Parma und SPAL Ferrara bereit gewesen für das Geisterspiel. Weil aber Italiens Sportminister Vincenzo Spadafore am Morgen nach den neusten Entwicklungen in Norditalien die Verschiebung sämtlicher Serie-A-Spiele gefordert hatte, wartete der Schiedsrichter mit dem Anpfiff zu. Um 13.45 Uhr rollte die Kugel dann doch und SPAL gewann 1:0. Gleichzeitig war bekannt geworden, dass der italienische Fussball-Verband am Dienstag in einer Sondersitzung über die Fortführung der Serie A entscheiden wird.

Erst Handshake-Verbot auf der Insel

Nachdem Liverpool am Samstag auf die Siegesstrasse zurückgekehrt war, stand am Sonntag das Manchester-Derby im Fokus der Premier League. Tore von Anthony Martial und Scott McTominay entschieden das packende Spiel mit 2:0 zugunsten der United.

United besiegt City im Manchester Derby.Video: YouTube/Manchester United

Auf der Insel war bislang keine Rede von Spielabsagen oder Geisterspielen. Erst auf das sonst obligatorische Fair-Play-Handshake wurde in der englischen Liga verzichtet. Mittlerweile wird aber auch diskutiert, ob Spiele künftig vor leeren Rängen ausgetragen werden müssen.

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