«Sie müssen sich die Hand vor den Mund halten»: Vinicius äussert sich zum Rassismus-Eklat
In der 50. Minute erzielte Vinicius Junior am Dienstagabend im Hinspiel der Champions-League-Playoffs das 1:0 für Real Madrid und zeigte daraufhin einen ausgiebigen Tanz an der Eckfahne. Dies gefiel den Benfica-Fans überhaupt nicht und auch für Schiedsrichter François Letexier war es zu viel, weshalb er dem Brasilianer die Gelbe Karte zeigte.
Als das Spiel weitergehen sollte, stürmte Vinicius plötzlich auf den Unparteiischen los und erklärte ihm, dass er von Gianluca Prestianni rassistisch beleidigt worden sei. Letexier unterbrach die Partie sofort. Auf Videobildern ist zu sehen, wie sich Prestianni das Trikot über den Mund zieht und etwas zu Vinicius sagt. Aus Protest setzte sich der 25-jährige Brasilianer auf die Ersatzbank und wollte nicht weiterspielen, bis die Sache geklärt ist. Nach zehn Minuten konnte die Partie dann doch fortgesetzt werden. Als das Spiel zu Ende war, blieb es natürlich trotzdem das ganz grosse Thema.
Vinicius selbst äusserte sich um Mitternacht mit einem Statement auf Instagram und schrieb dazu: «Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich die Hand vor den Mund halten, um ihre Schwäche zu zeigen. Nichts von dem, was heute geschehen ist, ist neu in meinem Leben oder im Leben meiner Familie.» Der Flügelspieler wurde in seiner Karriere schon oft mit Rassismus konfrontiert.
Der Real-Star kritisierte auch die UEFA und das schlecht umgesetzte Antirassismus-Protokoll des Unparteiischen auf dem Platz. Aus seiner Sicht war dies völlig sinnlos. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie Vinicius zu Prestianni sagt: «Du bist ein verdammter Rassist! Du bist ein verdammter Rassist!» Die UEFA gab am heutigen Mittwoch bekannt, einen Ethik- und Disziplinarinspektor beauftragt zu haben, um die Vorwürfe über diskriminierendes Verhalten zu untersuchen.
Unterstützung erhielt Vinicius nach der Partie von Mitspieler Kylian Mbappé. «Der Spieler mit der Nummer 25 hat Vini fünfmal als Affen bezeichnet. Das habe ich selbst gesehen», hat der Franzose gemäss spanischen Medienberichten im Kabinengang wütend gesagt. Mbappé sprach die Szene auch im Interview mit «Movistar» an: «Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält. Wir müssen ein Vorbild für all die Kinder sein, die zu uns aufschauen. Es gibt Dinge, die wir nicht akzeptieren können.»
Mbappé erklärte, dass sich der Argentinier nicht bei Vinicius entschuldigt habe und auch ein Spielabbruch im Raum stand: «Ich habe Vini gefragt, was er tun möchte. Was auch immer er tun möchte, wir werden es als Team tun. Wir werden Vini niemals im Stich lassen.» Der französische Superstar hofft, dass die UEFA nun durchgreift und Prestianni so schnell nicht wieder in der Königsklasse zu sehen sein wird. «Dieser Junge hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen.»
Auch Real-Trainer Álvaro Arbeloa unterstützte seinen Spieler. «Wir stehen immer hinter ihm. So etwas ist inakzeptabel. Der Schiedsrichter sagte mir, er habe nichts gehört», sagte Arbeloa gemäss der Marca.
Tief in der Nacht äusserte sich dann auch noch Prestianni selbst zu den Vorwürfen und schrieb in seiner Instagram-Story: «Ich habe zu keinem Zeitpunkt rassistische Beleidigungen gegen den Spieler Vinicius Junior gerichtet, der das Gehörte leider falsch interpretiert hat.» Der 20-Jährige bedauere die Bedrohungen, welche er von den Real-Spielern erhielt.
Als Benfica-Trainer José Mourinho auf die Situation angesprochen wurde, sagte dieser: «Prestianni streitet es ab. Beide sagen etwas anderes. Ich war nicht dabei, also werde ich keine Seite wählen.» Trotzdem kritisierte «The Special One» Vinicus für seinen Torjubel: «Er hat die Fans provoziert. Wenn es in so vielen Stadien immer wieder mit demselben Spieler passiert, dann stimmt etwas nicht.» Der Portugiese findet Vinicius einen fantastischen Spieler, versteht aber nicht, warum er das Tor nicht einfach mit seinen Teamkollegen feierte.
In den sozialen Medien teilte der offizielle Kanal von Benfica Lissabon ein Video des Vorfalls und schrieb dazu: «Wie die Bilder zeigen, konnten die Spieler von Real Madrid angesichts der Entfernung unmöglich gehört haben, was sie angeblich gehört haben.»
Como demonstram as imagens, dada a distância, os jogadores do Real Madrid não podem ter ouvido o que andam a dizer que ouviram. pic.twitter.com/7JF9AVuhEM
— SL Benfica (@SLBenfica) February 18, 2026
Das Rückspiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon findet am Mittwoch in einer Woche im Stadion Bernabéu statt. (riz)
