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epa07931373 Ineos chairman and OGC Nice owner Jim Ratcliffe attends the French Ligue 1 soccer match, OGC Nice vs Paris Saint Germain, at the Allianz Riviera stadium, in Nice, France, 18 October 2019.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Unter Milliardär Jim Ratcliffe hat Lausanne wieder Kurs auf die Super League genommen. Bild: EPA

Lausanne-Besitzer Ineos auf den Spuren von Red Bull

Gut möglich, dass sich die Waadtländer ziemlich rasant zu einer neuen starken Kraft im Schweizer Fussball entwickeln. Der Aufstieg in die Super League unter Trainer Giorgio Contini ist angesichts von 15 Punkten Vorsprung nur noch Formsache.

markus brütsch / ch media



Bevor Giorgio Contini am Mittwochmorgen mit seiner Mannschaft nach Luzern fährt, um dort in einem Testspiel den Super-League-Klub 5:0 abzufertigen, nimmt er sich Zeit für ein Gespräch über den FC Lausanne-Sport und dessen aufregende Entwicklung.

Seit der vielfache englische Milliardär Jim Ratcliffe vor zweieinhalb Jahren über seinen Petrochemiekonzern Ineos den Verein gekauft hat, nimmt dieser zusehends Fahrt in Richtung eines neuen Hotspots im Schweizer Fussball auf. Zwar spielen die Waadtländer noch in der Challenge League, doch bei 15 Punkten Vorsprung ist der Aufstieg in die Super League Formsache.

Die Spieler von Lausanne mit Stjepan Kukuruzovic, 2. von links, feiern das 0:3 beim Testspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lausanne-Sport vom Mittwoch, 10. Juni 2020 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Gleich mit 5:0 besiegte Lausanne im letzten Testspiel Luzern. Bild: keystone

Trainer Contini sitzt in der alten Pontaise auf einem Sofa und sagt: «Weil wir wegen Corona befürchten mussten, die Saison werde abgebrochen und der Aufstiegstraum platzen, sind wir nun umso mehr auf unser Ziel fokussiert.» Den Re-Start am Sonntag mit dem Cup-Viertelfinal gegen den FC Basel bezeichnet er als «Goodie». Viel wichtiger sei die Meisterschaft. Steigt Lausanne auf, kassiert er eine schöne Prämie und darf Trainer bleiben, ansonsten ist nach zwei Jahren Schluss.

Entlassungen von Iglesias und Thurre aus dem Nichts

Nachdem der 46-jährige Winterthurer wegen des Coronavirus acht Wochen zu Hause in der Ostschweiz bei seiner Familie verbracht hat, ist in Lausanne seit seiner Rückkehr einiges los. Aus dem Nichts hat Präsident Bob Ratcliffe, der Bruder von Besitzer Jim, den von Contini geschätzten Sportchef Pablo Iglesias sowie Scout Léonard Thurre entlassen. «Da wurde mir richtig bewusst, dass ich Teil eines Grosskonzerns bin, der gerade dabei ist, sich neue Strukturen zu geben», sagt Contini.

L'entraineur du FC Lausanne-Sport Giorgio Contini, lors de la rencontre de football de Challenge League entre le FC Lausanne-Sport et le FC Aarau le samedi 24 aout 2019 au stade olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Seit bald zwei Jahren ist Giorgio Contini Trainer bei Lausanne-Sport. Bild: KEYSTONE

Dass seine Arbeit als Trainer derzeit alles andere als «Business as usual» ist, wird klar, wenn er vom regelmässigen Austausch mit Nizzas Trainer Patrick Vieira berichtet und davon, gestern am Genfer Flughafen den Sportchef der Südfranzosen getroffen zu haben. Und vor Corona sei er zusammen mit Iglesias zu einem Meeting an die Côte d’Azur gereist, wo im Beisein der Brüder Ratcliffe diskutiert worden sei, wie Synergien mit anderen Ineos gehörenden Teams aus dem Rad- und Segelsport genützt werden könnten. Bevor er sich verabschiedet, sagt Contini: «Hier dabei zu sein und bald ins neue Stadion einzuziehen, ist schon speziell.»

Dort, nur 1,5 Kilometer von der Pontaise entfernt, stellt Vincent Steinmann mit glänzenden Augen den neuen Lausanner Stolz vor. Er ist der Kommerz- und Marketingchef des Klubs und sagt: «Wäre Corona nicht gewesen, würde hier auf dem Kunstrasen schon bald der Ball rollen.» Weil in der Westschweiz aber alle Baustellen geschlossen wurden, kann nun erst Mitte Oktober gespielt werden. 12'000 Zuschauer werden Platz finden in diesem 85 Millionen Franken teuren Bijou namens Stade de la Tuilière. Finanziert durch die Stadt Lausanne und Ineos.

L'entraineur du FC Lausanne-Sport Giorgio Contini, centre, parle a ses joeuurs lors du premier entrainement ouvert aux medias du club de football de Challenge League du FC Lausanne-Sport pendant la pandemie de Coronavirus (Covid-19) ce jeudi 21 mai 2020 au stade olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Auch dank Ineos wird Lausanne bald nicht mehr auf der Pontaise spielen müssen. Bild: KEYSTONE

Ginge es nach Stefan Nellen, würde es erst Ende Jahr eingeweiht. Vielleicht mit einem Spiel am 26. Dezember. Die Swiss Football League hat angesichts der Terminknappheit angedacht, zwischen Weihnachten und Neujahr zwei Runden auszutragen. «Ich möchte, dass das Stadion wirklich bereit ist, wenn wir einziehen», sagt Nellen.

Der gebürtige Briger ist seit 2018 Vizepräsident von Lausanne-Sport und zum Interview in ein Restaurant in der Nähe des Bahnhofs gekommen. Er zeigt hinauf zur Metallverschalung an der Decke: «Unsere Arbeit!» Nellen ist Inhaber und Chef der Firma Plafonmetal mit 28 Angestellten. Weil sein Sohn ihn mittlerweile entlastet, hat Nellen mehr Zeit, sich um Lausanne-Sport zu kümmern. Ohne Vertrag und unentgeltlich. Dabei beträgt das Budget des Clubs gegen 20 Millionen Franken.

Bekannt geworden in der Deutschschweiz ist Nellen erst in den letzten Monaten, als er sich vehement für eine Zwölferliga einsetzte - und damit abblitzte. Das Thema sei vom Tisch und das Abstimmungsresultat akzeptiert, sagt Nellen. Selber sei er nie ein guter Fussballer gewesen und nicht über die 2. Liga hinausgekommen.

Den Deal zwischen Joseph und Ineos eingefädelt

Als Präsident des Teams Vaud, dem Aushängeschild des regionalen Nachwuchses, war er in Kontakt mit Ineos gekommen und hatte danach den Deal zwischen den Engländern und Alain Joseph, dem verkaufswilligen Lausanne-Sport-Besitzer, eingefädelt. Und er übernahm beim Club die Rolle des lokal verankerten Statthalters von Präsident Ratcliffe, der nur alle zwei Wochen vorbeischaut. «Ich kenne nicht alle Pläne», sagt Nellen, «ich weiss aber, dass Ineos ein Projekt vorantreibt, das jenem von Red Bull ähnelt.»

epa07767044 Malang Sarr of OGC Nice in action during the French Ligue 1 soccer match, OGC Nice vs Amiens SC, at the Allianz Riviera stadium, in Nice, France, 10 August 2019.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Auch Ligue-1-Verein Nizza gehört bereits Ineos. Bild: EPA

1,2 Milliarden Euro habe Jim Ratcliffe dem FC Chelsea für einen Kauf geboten, aber Besitzer Roman Abramowitsch hat abgelehnt. Mit 110 Millionen Franken war Nizza dann etwas günstiger zu haben. «Es werden noch zwei Klubs dazukommen», sagt Nellen. «Aber ich befürchte nicht, dass Lausanne dann nur noch das dritte oder vierte Rad am Wagen sein wird. Ineos investiert nicht in den Club und in ein neues Stadion, um sportlich keine Ziele zu haben.»

Ineos habe grosse Pläne und werde diese bald präsentieren, sagt Nellen. Es sei gut möglich, dass wie Red Bull mit Ralf Rangnick auch Ineos einen Generaldirektor für alle Klubs installiere. Einer vom Kaliber eines Arsène Wenger.

FILe - In this file photo dated Thursday, Nov. 2, 2017, Arsenal's manager Arsene Wenger arrives for the Group H Europa League soccer match between Arsenal and Red Star Belgrade at the Emirates stadium in London, Britain. The English Football Association on Friday Jan. 5, 2018, has banned Arsene Wenger from the touchline for three games after the Arsenal manager accepted he was abusive when questioning the integrity of a referee, after the 1:1 game against West Bromwich Albion on Sunday. (AP Photo/Tim Ireland, FILE)

Wird der langjährige Arsenal-Trainer Arsène Wenger bald in Lausanne anzutreffen sein? Bild: AP/AP

Kein Zweifel: Der 7-fache Meister Lausanne hat das Potenzial, an frühere Glanzzeiten anzuknüpfen und eine neue Kraft im Schweizer Fussball zu werden. Nellen hat den Auftrag erhalten, Land für einen viele Millionen Franken teuren Trainingscampus zu suchen.

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Lausanne-Sports 1967/68

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stambuoch 13.06.2020 11:21
    Highlight Highlight INEOS wäre RedBull, wenn es die namen der Clubs abändert, sowie Clubwappen und Clubfarben mit dem Konzernlogo gleichsetzt, sprich die kulturelle und historische Idendität des Vereins zu tilgen, negieren - so wie es RedBull in Salzburg tat.
  • Bieler 12.06.2020 15:47
    Highlight Highlight Hier könnt Ihr das neue Stadion sehen!
    Ich denke, sie werden den Wegzug aus der altehrwürdigen Pontaise verkraften...

    http://www.sollbergerboegli.ch/de/projects.html?category=234
  • bokl 12.06.2020 14:25
    Highlight Highlight Ich freu mich schon auf den spannenden Kampf um den Titel 2022 zwischen Ineos Lausanne und Greater China Zürich ...
  • circumspectat animo 12.06.2020 12:25
    Highlight Highlight Mich stört es nicht, wenn eine Firma mit Geld den schweizer Fussball aufwertet. Zumal der Name beibehalten wird und bei allen anderen Klubs auch Investoren tätig sind.
  • Glenn Quagmire 12.06.2020 11:42
    Highlight Highlight Die Pontaise wird fehlen....ein absolutes Kultstadion! Eine Fussballmacht in der würde dem CH Fussball gut tun.
  • fcbfan100 12.06.2020 11:33
    Highlight Highlight Lausanne söu doch eifach wieder id Brack League abe ga, de wäre einigi Problem glöst :)
    • baBIELon 12.06.2020 12:36
      Highlight Highlight Die Brack League ist die Challenge League...
  • Player13579 12.06.2020 09:51
    Highlight Highlight Naja einen Verein mit Geld zum ansonsten unmöglichen Erfolg zu bringen ist nie wirklich sympatisch.
    Wenn ineos aber die identität der Vereine nicht zerstört wie RedBull und dabei aber ein ähnlich nachhaltiges Ziel verfolgt, dann bringt das guten Fussball mit sich und das wäre dann echt gut. Könnte auch für den schweizer Fussball und unsere Nati positive Auswirkungen haben....
    • maxi #sovielfürdieregiongetan 12.06.2020 10:07
      Highlight Highlight Was ist den an den Brauseteams nachhaltig? die 100mio schuldenerlass? die durchsband höchstens durchschnittliche Jugendarbeit? Die fehlende Identifikation? Das hohe Transferminus?


    • raph124 12.06.2020 10:33
      Highlight Highlight Sportlicher Erfolg ist zwangsläufig gekauft, dass war beim GC, dem FCB und bei YB der Fall. Investoren gab es im Spitzensport schon immer, ob diese nun Red Bull, Ineos oder Oeri heissen ist doch einerlei.
    • Player13579 12.06.2020 11:07
      Highlight Highlight @maxi: Der Unterschied zwischen den von dir erwähnten Brauseteams und den RedBull-Teams ist genau die Nachhaltigkeit.
      Die einen Kaufen schnell ein paar Stars, hoffen auf ein bisschen Erfolg und sobald der aus bleibt lassen sie Chaos zurück.
      Eine Struktur wie RedBull oder ineos fokussiert auf Talente ausbilden und nicht Stars kaufen. Dort wo viel investiert wird ist in infrastruktur und auch wenn der Investor abspringen würde, muss sich der Club danach nicht Konkurs gehen.
      Dass das funktioniert zeigt RB Leipzig sehr gut auf, das muss man trotz Hass anerkennen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Super8 12.06.2020 09:49
    Highlight Highlight Lausanne ist eine Hockey-Stadt, die interessieren sich nicht für Fussball. Dieses Geld würde er gescheiter in Luzern investieren.
    • wasps 12.06.2020 12:16
      Highlight Highlight Luzern ist eine Fussballstadt??
  • N. Y. P. 12.06.2020 09:37
    Highlight Highlight @Jim Ratcliffe

    Jetzt mal unter uns, bleibt Chris Froome bei Ineos oder wechselt er noch vor der nächsten Tour de France (ab. 29. August) in ein neues Team ?

    Jim, du bekommst 2 Mohrenköpfe und 2 Schokoküsse und zusätzlich noch 2 verbotene Gebäcke, die keinen Namen mehr haben, wenn du mir etwas über diese spannende Personalie mitteilen kannst. Froome ist ja auch auf deiner Gehaltsliste.
    • circumspectat animo 12.06.2020 12:27
      Highlight Highlight Ich verstehe deinen Kommentar nicht.
    • N. Y. P. 12.06.2020 13:24
      Highlight Highlight Chris Froome ist Profi im Bereich des Radsports. INEOS sponsert eine Radprofimannschaft. Dort ist Froome Captain. Jetzt fragen sich alle Radsportinteressierte, ob Froome das Team Ineos verlässt.

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