DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Basler Kevin Bua im Fussball Testspiel der  zwischen dem Super League Club FC Basel 1893 (FCB) und dem Challenge League Club Neuchatel Xamax FCS, im Nachwuchs-Campus Basel in Basel, am Samstag, 8. Juli 2017. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kevin Bua kann diese Saison endlich sein Potenzial ausschöpfen. Bild: KEYSTONE

Das Gegenteil des Fussballer-Prototyps – Kevin Bua startet beim FC Basel endlich durch

Mit Verspätung hat Kevin Bua beim FC Basel eingeschlagen. Letzte Saison hatte der Mittelfeldspieler aufgrund mehrerer Verletzungen kaum Einsatzzeit. Nun ist er die grosse Entdeckung – und anders als seine Berufskollegen.

Céline Feller / Nordwestschweiz



Kevin Bua ist ein Glückskind. Eigentlich. Er ist Fussballer beim FC Basel. Seine Karriere war stets ein logischer Prozess. Immer kam der nächste Schritt. Immer ging es voran. Mit 19 debütierte der Schweizer mit spanischen Wurzeln in der Challenge League, absolvierte in seiner ersten Saison 21 Spiele für seinen Stammverein Servette, im zweiten Jahr gar 30. Fünf Tore, neun Assists sowie enorme Qualitäten brachten ihn nach nur einem Jahr zum FC Zürich. Es folgte eine weitere Traum-Saison. Erneut 30 Spiele und neun Assists und gar noch ein Tor mehr.

2016 – Cupsieger und Absteiger

Bua war einer der wenigen Lichtblicke in einer Saison zum Vergessen beim FC Zürich. Doch Bua wäre nicht Bua, hätte er nicht den gegenteiligen Weg seiner Mannschaft gemacht. Der FCZ stieg ab, Bua stieg auf. Zum FC Basel. «Im Fussball geht es immer um Fortschritt», sagte er an seinem ersten Tag beim FCB. Und tatsächlich schien seine Karriere linear zu verlaufen. Er kannte nur den Fortschritt. Das Glück.

Das Gegenteil des Prototyps

Doch just in diesem Moment, in dem er mit dem Wechsel zum besten Verein der Schweiz das grösste Glück seiner noch jungen Karriere hätte erleben sollen, verliess es ihn. Plötzlich. Und vor allem ungewohnt. Sein erstes Jahr in Basel war nicht hart. Sondern «durísimo». Bua wählt die höchstmögliche Steigerungsform dieses Wortes, um seiner Situation Ausdruck zu verleihen. «Es war die schwerste Phase in meiner Karriere. Ein Jahr, in dem du kaum spielst, ist ein verlorenes Jahr.»

abspielen

Das zweite Saisontor: Bua schliesst gegen Thun einen Basler Konter mustergültig ab. Video: streamable

Dass der Start beim FCB im Sommer 2016 nicht einfach werden würde, war ihm bewusst. Er kam angeschlagen, weil er sich in der Endphase beim FCZ verletzt hatte und ein operativer Eingriff am Knie unumgänglich war. Dennoch fühle er sich in Basel gut aufgenommen von der Mannschaft. «Die Kollegen machten mir Mut. Sie sagten mir immer, dass ich stärker zurückkommen werde.»

Der Basler Kevin Bua muss verletzt vom Platz, beim Fussball 1/8-Final Cup Spiel zwischen dem FC Tuggen und dem FC Basel, am Mittwoch, 26. Oktober 2016, im Stadion Linthstrasse in Tuggen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

26. Oktober 2016: Kevin Bua wird im Cupspiel gegen Tuggen verletzt ausgewechselt. Bild: KEYSTONE

Unter Beweis stellen konnte er das im letzten Jahr nie. Kaum war er wieder fit, wurde er zurückgeworfen. Ende Oktober war es ein Muskelfaserriss. Im März dann der Riss des Aussenbandes im linken Knie. «Diese Verletzung war noch schlimmer. Es war hart, das zu akzeptieren.» Weil er sich zurückgekämpft hatte, die ganze Vorbereitung mit dem Team hatte machen können. Und endlich bereit war, anzugreifen.

Besondere Beziehung zur Familie

Bua, der sich als ungeduldig bezeichnet, musste lernen, ruhig zu bleiben. «Wenn du das nicht schaffst, dann erholst du dich im Kopf nie ganz.» Wenn er darüber spricht, wirkt er reflektiert und geerdet. Er ist einer, der nicht ins typische Schema passt. Im Fall eines Scheiterns im Profi-Fussball hat er eine Matura als Absicherung. Er ist nicht einer, der sich extravagant kleidet oder extrovertiert auftritt. Er sagt von sich, bescheiden, schüchtern und normal zu sein. Und liefert im Gespräch auf positive Art und Weise den Beweis dafür.

Er ist kein Lautsprecher, und auch die im Fussball so oft gesehenen Tattoos und Piercings findet man bei ihm nicht. «Ich sehe keine Notwendigkeit dafür», sagt er, ohne es wertend gegenüber seinen Kollegen zu meinen. Er war immer schon ein bisschen anders. Seine grossen Vorbilder waren nie Zidane oder Ronaldo, sondern seine Eltern und Grosseltern. Sie waren es auch, die ihm Halt gegeben haben in diesen Zeiten, in denen sich das Glück von ihm abgewandt hatte. «Meine Eltern besuchen mich fast jedes Wochenende», sagt der alleinlebende Bua, der morgen seinen 24. Geburtstag feiert.

Der Basler Kevin Bua bei der Schussabgabe im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Luzern im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 30. Juli 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Kevin Buas Traum ist, in Zukunft einmal in der Primera Division zu spielen. Bild: KEYSTONE

Mit seiner jüngeren Schwester und seinem jüngeren Bruder hat er ebenfalls «eine ganz besondere Beziehung». Genauso wie zu seinen Grosseltern, die er so oft wie möglich in seiner zweiten Heimat Spanien besucht. Bua ist Doppelbürger, die Mutter stammt aus Zamora, der Vater aus Galicien. Von Letzterem hat er die Liebe zum Fussball geerbt. Der in Genf geborene Bua sagt, dass es als Junge mit spanischen Wurzeln natürlich ein Traum wäre, dereinst mal in der Primera División zu spielen. «Aber befragen Sie mich noch nicht zu Dingen, die noch so weit weg sind.»

Wie ein Neuzugang

Zuerst will er in Basel den nächsten Schritt machen. Stammspieler werden. Wichtig sein. Dass er seinen neuen Trainer schon aus Servette-Zeiten kennt, helfe ihm wohl kaum, aber die Art und Weise, wie Raphael Wicky spielen lasse, «könnte gut für mich sein». Bis jetzt war sie das tatsächlich. Zweimal stand er zuletzt in der Startformation und traf ebenso oft. Für Wicky ist er «wie ein Neuzugang, der eingeschlagen hat». Mit einem Jahr Verspätung. Oder wie Bua es nach dem Spiel in Thun sagte: «Ich bin endlich angekommen.»

Macht er so weiter, dürften auch wieder die nächsten, logischen Schritte folgen, wie er sie sich so lange gewohnt war. Der nächste wäre es, in der Champions League dabei zu sein. Sein grosser Traum. «Dieses Jahr dürfte ich ja hoffentlich das Glück haben, dort zu spielen.» Vor kurzem noch unrealistisch, darf es heute gar erwartet werden. Denn nach einem Jahr Pause haben Kevin Bua und das Glück endlich wieder zusammengefunden.

GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister

1 / 17
GC, Basel und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Meister
quelle: keystone / paolo foschini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Arsenals «Invincibles» starten eine Serie von 49 Spielen ohne Pleite

7. Mai 2003: Niemand ahnt, welche Serie mit dem 6:1-Sieg von Arsenal über Southampton gestartet wurde. Die «Gunners» bleiben in 48 weiteren Premier-League-Spielen ungeschlagen und holen 2004 als «The Invincibles» ihren bislang letzten Meistertitel.

Die Arsenal-Fans verlassen das Highbury gut gelaunt. Robert Pires und Jermaine Pennant ist gegen Southampton jeweils ein Hattrick gelungen, das Heimteam feiert einen 6:1-Sieg. Doch niemand weiss, dass dieser Erfolg am Ursprung einer legendären Serie steht. 49 Meisterschaftsspiele in Folge wird Arsenal ungeschlagen überstehen und 2004 als ungeschlagenes Team Meister werden. Etwas, das zuvor nur Preston North End gelungen ist: als der Fussball laufen lernte, 1888/89.

Arsenals Serie beginnt in der …

Artikel lesen
Link zum Artikel