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Wieder an der Linie: Yverdon-Trainer Uli Forte.
Wieder an der Linie: Yverdon-Trainer Uli Forte.Bild: keystone

Uli Forte ist zurück im Geschäft – nach der Sorge, plötzlich weg vom Fenster zu sein

Nach anderthalb Jahren Pause ist Uli Forte bei Yverdon gelandet. Mit dem Challenge-League-Aufsteiger strebt der 47-jährige Trainer heute gegen den FC Zürich eine Cup-Überraschung an.
26.10.2021, 11:5126.10.2021, 12:30
Peter Birrer / CH Media

Ob er Angst gehabt habe? Angst, in Vergessenheit zu geraten? Der Begriff ist ihm zu drastisch, weil er jemand sei, der sich nicht fürchte. Und sowieso: Angst hält er in jeder Lebenslage für einen schlechten Wegbegleiter.

Aber Respekt hat Uli Forte, das spürt er, und je länger diese Phase dauert, in der er keine Mannschaft betreut, desto stärker beschäftigt ihn die Situation. «Wenn man lange draussen ist, erreicht man irgendwann den ‹Point of no return›. Und das wollte ich auf keinen Fall.»

Vaterfreuden als willkommene Ablenkung

Anfang Februar 2020 ist Forte noch Trainer bei GC in der Challenge League, dann wird er abgesetzt. Die Entlassung ist nicht die erste in seiner Karriere, er hat dasselbe schon in St.Gallen, bei YB und beim FCZ erlebt. Aber dieser Entscheid trifft ihn. Er grübelt, hadert, bringt kein Verständnis dafür auf.

Bei Rekordmeister GC zeigte der Daumen der Bosse irgendwann nach unten.
Bei Rekordmeister GC zeigte der Daumen der Bosse irgendwann nach unten.Bild: KEYSTONE

Wenigstens findet er Ablenkung die ihm hilft, die Enttäuschung besser zu verarbeiten. Ende März wird er Vater, «Glück und Luxus» sei es für ihn gewesen, dem Sohn viel Zeit widmen zu können. Aber eben: Der Gedanke mit dem Abstellgleis – er schiesst ihm immer wieder durch den Kopf.

Sportmanagement-Kurs und «Dampf ablassen»

Forte schaut viel Fussball, sieht Partien, die in Zeiten von Corona ohne Publikum stattfinden, und manchmal ist er nicht unglücklich darüber, nur Beobachter zu sein, «bei diesem tristen Rahmen, der rund um den Spielbetrieb herrscht». Er kann nicht durch Europa reisen und anderen Trainern bei der Arbeit zuschauen, wie er das früher getan hat, wenn er gerade nirgendwo eine Anstellung hatte. Dafür absolviert er in St.Gallen einen Sportmanagement-Kurs, es kann nicht schaden, den Rucksack zu füllen. Und er treibt viel Sport. «Dampf ablassen» nennt er das.

Der 47-Jährige legt sich den Plan zurecht, im Sommer 2021 wieder einzusteigen, wo auch immer. Aber es ergibt sich keine Option, also wartet er weiter. Und als auf einmal ein neuer Nationaltrainer gesucht wird, schickt er sein Dossier ein. Ja, er traut sich das zu. Und nein, er ist nicht einverstanden damit, wenn ihm medial vorgehalten wird, sich zu überschätzen. Dabei will er nur eines: wieder Verantwortung übernehmen.

Im August meldet sich Marco Degennaro, der bei Challenge-League-Aufsteiger Yverdon die Geschäfte führt und nach der Trennung von Jean-Michel Aeby einen neuen Trainer sucht. Für Forte ist es eine Frage des Anstandes, von Zürich in die Romandie zu fahren. Auch wenn er das ohne grosse Erwartungen tut.

Forte fühlt sich privilegiert

Als er in Yverdon eintrifft und das Stadion sieht, denkt er: «Wow, da ist aber einiges gegangen!» Im Kopf hat er immer noch das Bild des alten Stade Municipal, in dem er als Aktiver noch mit Kriens kickte. Am ersten Tag bekommt er zu hören, was Degennaro und Präsident Mario Di Pietrantonio vorhaben. Am zweiten Tag unterschreibt er aus Überzeugung einen Zweijahresvertrag. Die anderthalbjährige Pause ist zu Ende.

Der vielsprachige Forte erteilt Anweisungen.
Der vielsprachige Forte erteilt Anweisungen.Bild: keystone

«Ich bin mir nicht zu schade, in der Challenge League anzupacken. Mir fällt deswegen kein Zacken aus der Krone», sagt er. «Mein Thema ist Fussball, und das habe ich hier.» Hauptsache, er steht wieder Tag für Tag auf dem Platz.

Zürich bleibt der Hauptwohnsitz der Familie, zwischen Yverdon und Bern hat Uli Forte eine Wohnung bezogen. Forte fühlt sich wieder privilegiert, weil er einen Job im bezahlten Fussball hat – von denen gibt es in der Schweiz nicht Dutzende. Bevor er das erste Mal vor die Mannschaft tritt, spürt er eine gewisse Nervosität, schliesslich liegt die letzte Ansprache doch eine Weile zurück. Aber mit den ersten Worten verfliegt die Anspannung, und reden, das kann Forte – in mehreren Sprachen. Was für ihn deshalb so wichtig ist, weil Botschaften oft auch von Nuancen leben. «Der Adressat soll auch die Zwischentöne verstehen», sagt er. Nun ist er daran, Serbokroatisch zu lernen.

Sieben Spiele, elf Punkte

Der Aufgabe verschreibt sich Forte mit voller Hingabe, er hat Lust, auf sich und Yverdon aufmerksam zu machen. Und auch Kritikern zu zeigen: «Seht her, mich gibt es noch.» An seinem neuen Arbeitsort herrsche, so empfindet es der gebürtige Italiener, ein angenehmes Klima, er spürt, wie ihm hier wohlwollend begegnet wird.

In Yverdon soll er zunächst dafür sorgen, dass sich der Aufsteiger in der Liga hält. Vom Fehlstart unter Aeby mit drei Niederlagen in Serie haben sich die Waadtländer erholt, unter Forte holten sie in bislang sieben Partien elf Punkte. Und nun streben sie im Cup einen Coup an. Der FC Zürich kommt nach Yverdon, einer von Fortes ehemaligen Clubs. «Wir müssen unangenehm sein, wenn wir eine Chance haben wollen», sagt der Trainer, der eine schöne Kulisse erwartet und sich auf alte Weggefährten freut. Die Freistellung dort im Februar 2018 ist für ihn kein Thema mehr: «Ich möchte die Zeit beim FCZ nicht missen.»

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Zum Auftakt der Cup-Achtelfinals kommt es heute zum Duell zwischen Aarau und Lausanne-Sport. Der aktuell Viertklassierte der Challenge League und letztjährige Cup-Halbfinalist wird sich gegen das Schlusslicht der Super League durchaus Chancen ausrechnen. In der dritten Partie des Tages fordert Biel (Promotion League) Stade Lausanne-Ouchy.

Die weiteren Achtelfinals sind am Mittwoch: Lugano – YB, Etoile Carouge (PL) – Basel, Chiasso (PL) – St.Gallen, Thun – Servette und Schaffhausen – Luzern. (ram/sda)
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