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Bernhard Burgener, Praesident FC Basel, links, Roland Heri, rechts, CEO FC Basel nach dem Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

FCB-Präsident Bernhard Burgener und CEO Roland Heri geben im Lohnverzichtsstreit mit den Spielern aktuell kein gutes Bild ab Bild: KEYSTONE

Lohnverzichts-Chaos beim FC Basel – das Protokoll der Versäumnisse

Knausrige Spieler gegen undurchsichtige Bosse: Der FC Basel gibt in der Coronakrise ein schauriges Bild ab. Es herrscht Eigenbrötlerei statt Solidarität, was vor allem für die Zukunft des Klubs auf mehreren Ebenen bedrohlich ist.

Jakob Weber / ch media



Die Kommunikation war beim FCB schon ohne Social Distancing schwierig. Regelmässig drangen Interna an die Öffentlichkeit. So war es bei der Spielerrevolte im Winter 2018, so war es beim Trainerchaos im Sommer 2019, und so ist es auch jetzt wieder. Eine gemeinsame Linie fehlt. Beim Lohnverzichtsstreit kommunizieren mittlerweile sowohl die Bosse als auch die Spieler ohne Absprache über ihre eigenen Kanäle. Und der FCB stolpert dadurch in einer Phase, in der Solidarität eigentlich grossgeschrieben werden sollte, von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Das Protokoll der Versäumnisse beginnt dieses Mal mit einer eigentlich positiven Nachricht. Am 3. April – zwar erst drei Wochen nach Beginn der Lockdowns, aber immerhin – vermeldet der FCB, dass die 1. Mannschaft Geld an das Basler Kinderspital und die Glückskette spendet. Auf die Frage «Wie viel?» antwortet der FCB nur kryptisch: «Mit einem substanziellen Beitrag.» Das schürt Misstrauen bei den Fans, denn wenn positive Nachrichten von der Kommunikationsabteilung nicht ausgeschlachtet werden, muss da doch irgendwo ein Haken sein.

Mittlerweile ist bekannt, dass die Spieler 20 Prozent ihres Monatslohns gespendet haben, was rund 200'000 Franken entspricht. Doch was ist mit Präsident Bernhard Burgener, CEO Roland Heri und dem Rest des Verwaltungsrates, die ja allesamt ebenfalls nicht schlecht verdienen? Auch hier liefert der FCB keine Antworten. Das Misstrauen nimmt zu.

Am 8. April folgt eine Kurzschlusshandlung, die das sowieso schon angerissene Band zwischen Mannschaft und Chefetage weiter strapaziert. Um der drohenden Enthüllung durch die Medien vorzubeugen, veröffentlicht der FCB um 22.09 Uhr eine Mitteilung mit einer Wasserstandsmeldung zu den laufenden Lohnverzichtsverhandlungen. Die Spieler hätten die vorgeschlagene Lohnkürzung von 70 Prozent in den Monaten April, Mai und Juni abgelehnt, und es werde weiter verhandelt. Statt gemeinsam eine Lösung zu finden und diese dann zu kommunizieren, werden die Spieler öffentlich als knausrige Säcke dargestellt.

epa08228572 Basel's player Valentin Stocker attends a press conference at the GSP Stadium in Nicosia, Cyprus, 19 February 2020. Basel FC will face APOEL Nicosia in the UEFA Europa League round of 32 1st leg soccer match on 20 February 2020.  EPA/KATIA CHRISTODOULOU

Captain Valentin Stocker ist eigentlich nie um eine Aussage verlegen. Bild: EPA

Obwohl der FCB in der Mitteilung schreibt, dass er bis zum Abschluss der Verhandlungen keine Fragen zum Thema mehr beantwortet, gibt CEO Heri am nächsten Tag im Regionalfernsehen ein Interview, mit dem er versucht, die entstanden Schäden zu beheben. Auch das erinnert an den Sommer 2019, als Schweigen proklamiert wurde, aber Burgener dem Boulevard ein spontanes Erklärinterview gab, in dem die wichtigsten Fragen nicht gestellt und demzufolge auch nicht beantwortet wurden. Dabei wäre es durchaus möglich, aus dem Homeoffice eine digitale Pressekonferenz abzuhalten, bei der am besten Burgener Stellung bezieht. Doch der Präsident schweigt beharrlich und lehnt jegliche Anfragen ab.

Grosse Diskrepanzen zwischen Spielern und Verein

Nachdem der «Blick» am 14. April enthüllte, dass die Spieler der Mannschaft im Lohnverzichtsstreit angeblich nur auf 5 Prozent ihres Gehalts verzichten wollen, melden sich – wieder zu später Stunde – die Spieler mit einer Mitteilung zu Wort. Auch diese wird über den eigenen Kanal verbreitet: Instagram. «Der Vorwurf, die Mannschaft sei nicht bereit, Teile ihres Lohnes abzugeben, entspricht nicht der Wahrheit!», heisst es in dem Post, den alle Spieler um 21 Uhr gleichzeitig freischalten.

Bild

Die Mitteilung der FCB-Spieler (hier auf dem Instagram-Profil von Keeper Jonas Omlin) im Wortlaut. bild: instagram

Auch dieser Post kommt nicht ohne Retourkutsche gegen die Klubführung aus. «Alle Spieler haben mit der Absicht gespendet, dass das Geld dort eingesetzt wird, wo es aufgrund der Corona-Problematik am dringendsten benötigt wird», heisst es. Weiter sei die Mannschaft auch in den nächsten Monaten, in welchen keine Spiele stattfinden, bereit, auf Teile ihres Lohnes zu verzichten. Vorausgesetzt, die Spieler wissen, wohin das Geld fliesst und wofür es verwendet wird.

Das Misstrauen der Mannschaft ist in diesen Zeilen deutlich spürbar. Und sie werfen vor allem eine Frage auf: Wissen die Spieler nicht, dass der FCB schon in den Geschäftsjahren 2018 und 2019 deutlich mehr ausgegeben als eingenommen hat und sich die finanzielle Situation durch die Coronakrise weiter verschärft? Offenbar haben die Spieler den Ernst der Lage nicht erkannt, was wiederum ebenfalls ein Versäumnis der Klubführung ist. Denn warum der Verein den Lohnverzicht der Spieler dringend braucht, wurde ihnen anscheinend nicht transparent genug aufgezeigt. Deren Antwort: ohne Vertrauen kein Verzicht. Und nach all den Versäumnissen ist es keine einfache Aufgabe, dieses Vertrauen wieder herzustellen.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • McStem 15.04.2020 19:35
    Highlight Highlight Basel erinnert mich immer mehr an GC, als es von der Institution zur Lachnummer wurde.

    Zwar noch am beginn des Prozesses aber mit unguten Tendenzen.
    • Rellik 16.04.2020 01:26
      Highlight Highlight Steile These, bin gespannt!
    • Helios 16.04.2020 10:02
      Highlight Highlight Mich erinnert es an die sog. "Dritte Phase" beim BSCYB, als Niedermeier gehen musste und Leute mit wenig Fussballverstand und wenig Herz für den Klub die Führung übernahmen.
    • McStem 16.04.2020 11:50
      Highlight Highlight @Rellik: Werden wir sehen. Eigentlich hoffe ich auch als St.Galler, dass ich falsch liege. Durch das Einbüssen des Vorsprungs ist es bereits wieder spannend. Stürtzt Basel noch weiter ab, haben wir eine YB-Dominanz (Was niemand will). SG wird nicht langfristig mithalten können (ausser etwas unvorhergesehenes passiert).
    Weitere Antworten anzeigen
  • nicken 15.04.2020 17:19
    Highlight Highlight Stimmt nicht so ganz betreffend Gehalt der beiden. Heri hat auf Telebasel verkündet, dass er komplett auf seinen Lohn verzichtet. Burgener erhält sowieso keinen Lohn beim FC Basel. Wie es mit den anderen VR-Mitgliedern ist, weiss man aktuell nicht.
  • Black Cat in a Sink 15.04.2020 17:06
    Highlight Highlight Es ist für den Sport eine sehr schwierige Situation. Aber zu Zeiten das „anderen“ Bernards wäre so etwas beim FCB sicher nicht passiert! Aber eben, der Fisch stinkt vom Kopfe her!
  • Eifach öpis 15.04.2020 16:56
    Highlight Highlight Falls die GL tatsächlich selber nicht auf Lohn verzichtet, dies aber von den Spielern fordert und so indirekt das Geld der Spieler in den eigenen Sack wandern lässt, kann ich die Reaktion der Spieler verstehen.
    Jeder im Verein, der ein überdurchschnittlich hohes Salär bezieht, sollte einen Teil davon abgeben um dem Club und den "normalverdienenden" Mitarbeitern unter die Arme zu greifen.
  • Bert der Geologe 15.04.2020 16:52
    Highlight Highlight Wieso schaffen es der jetzige Vorstand und jetzige Mannschaft NICHT als solidarisch-verschworene Gemeinschaft aufzutreten? Das ging doch mal ganz gut und wäre jetzt sehr angebracht. Ich schäme mich fremd.
  • Bulwark 15.04.2020 16:28
    Highlight Highlight Nun, der Fc Basel kommuniziert mehr schlecht als recht, das ist wohl so. Andere Vereine kommunizieren gar nichts. Nichts positives aber auch nichts negatives. Bleibt die Frage, was besser ist.
    • Imfall 15.04.2020 20:27
      Highlight Highlight nichts negatives ist definitiv besser 😅
  • Atavar 15.04.2020 16:03
    Highlight Highlight Verzicht wird doch immer von Anderen gefordert. Warum sollte das in einer Fussball-Firma anders sein? Nix Anderes ist der FC Basel...
  • loremipsum 15.04.2020 15:21
    Highlight Highlight Die 1. Mannschaft besteht aus 27 Spielern. Würde heissen, dass jeder Spieler im Durchschnitt CHF 7400 gespendet hat, was einen Monatslohn von CHF 37000 ergibt. Der durchschnittliche Jahreslohn wäre bei also etwa bei einer halben Million pro Spieler (inkl. 13. Monatslohn).
  • der_senf_istda 15.04.2020 15:12
    Highlight Highlight Burgener ist überfordert und einfach der falsche Mann für den Job. Man kann einen Fussball-Klub nicht so wie seine anderen Unternehmen führen, es braucht einfach mehr öffentliches Engagement. Seine Distanziertheit schürt das Misstrauen in ihn, er ist eben keiner mit Fussballherz sondern ein "Business-Man".
    Wenn er den FCB liebt, dann lässt er ihn gehen und übergibt ihn Leuten, die den Fussball lieben und das auch zeigen können.
    • Der_Andere 15.04.2020 16:53
      Highlight Highlight Für mich fraglich, ob nicht genau das für den FCB noch schlimmer wäre. Und das sage ich als Berner.

      Fussball zu lieben ist kein Qualitätsmerkmal um ein Geschäft seriös zu führen. Idealisten können den Verein auch ganz schnell talwärts führen. Dass die Basler Finanzlage nicht unbedingt rosig ist, ist ein offenes Geheimnis. Man hat Geld. Aber wahrscheinlich auch die grössten Ausgaben in der Schweiz.

      Burgener mag ein verschrobener Businessman sein. Aber vielleicht tut dem FCB in der momentanen Lage ein Businessman besser als ein "Man next Kurvenstehplatz", der den Sport abgöttisch liebt.

    • Pümpernüssler 15.04.2020 18:33
      Highlight Highlight @derAndere Stimme dir zu. Sieht man bei Canepa ganz gut. Er ist zu sehr Fan von seinem Verein. Wo das hingeführt hat, sah man ja.
    • Staedy 15.04.2020 20:15
      Highlight Highlight Er soll die Aktien also verscherbeln. Logisch. Man hat ihn sich ins Boot geholt, jetzt schaut welchen Pfeiler der Brücke er rammt.
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