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Kevin Mbabu, Djibril Sow und Ruben Vargas wollen sich in der Bundesliga behaupten. bild: keystone

Drei Nati-Küken wollen in der Bundesliga durchstarten – aber aller Anfang ist schwer

Kevin Mbabu, Djibril Sow und Ruben Vargas haben den Sprung aus der Super League in die Bundesliga gewagt. Noch gilt für sie das Motto: «Aller Anfang ist schwer.»

markus brütsch / ch media



Kevin Mbabu (24)

VfL Wolfsburg

Nein, mit Pauken und Trompeten ist Kevin Mbabu nicht in den deutschen Fussball eingezogen. Der Schweizer Nationalspieler musste sich bei seinem Debüt für den VfL Wolfsburg mit einem Sechsminuteneinsatz begnügen. Er durfte erst in der Verlängerung auf den Platz, als der mühsame 5:3-Sieg im Cup gegen den Hallescher FC feststand.

Natürlich sagt das noch nicht viel aus über Mbabus Standing beim neuen Wolfsburger Trainer Oliver Glasner. Vielleicht rutscht er sogar schon beim Bundesliga-Start am Samstag zu Hause gegen den 1. FC Köln in die Startelf. Aber klar geworden ist: Der bis anhin auf der rechten Aussenbahn konkurrenzlose Brasilianer William gibt seinen Platz nicht kampflos her, Mbabu besitzt keinen Freifahrtschein

Schon voll integriert:

Aber gewiss sind seine Aussichten, in einer der fünf grossen Ligen Fuss zu fassen, ungleich besser als vor sechseinhalb Jahren. Als er als 17-Jähriger mit gerade mal 24 SuperLeague-Minuten in den Beinen zu Newcastle wechselte. «Damals verliess ich die Schweiz als kleiner Junge, dieses Mal als Mann», sagt Mbabu.

In England hatte er noch nicht gewusst, was ein Profi ist. Er hatte das Leben eines Teenagers genossen, nicht auf die Ernährung geachtet und auch nicht genügend Schlaf gehabt. Zwar reichte es ihm unter Trainer Steve McLaren dennoch zu drei Einsätzen in der Premier League und nach dem Debüt beim 2:2 gegen Chelsea gar ins BBC-Team des Wochennendes; mehr aber lag nicht drin.

Bei YB nahm der Verteidiger einen neuen Anlauf – und schlug voll ein. Mit dem Gewinn von zwei Meistertiteln und der Erfahrung in der Champions League will er jetzt im Ausland durchstarten. «Glasners Philosophie passt zu meiner Art, Fussball zu spielen», sagt Mbabu. «Auch andere Bundesligisten hatten Interesse bekundet, wollten aber abwarten, ob sie in den Europacup kommen. Das zeigte, dass sie mich nicht so bedingungslos wollten wie Wolfsburg.» Jörg Schmadtke sagt: «Mbabu überzeugt durch Robustheit und Tempo.» Deshalb hat der VfL-Manager zehn Millionen Euro aufgeworfen und ihm einen Vierjahresvertrag gegeben.

YBs Kevin Mbabu bei seiner Verabschiedung, vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Luzern, am Samstag, 25. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kevin Mbabu hat sich bei YB einen Namen gemacht. Bild: KEYSTONE

Punkte hat Mbabu in Deutschland schon einmal ausserhalb des Terrains gesammelt. «Meine Mutter kommt aus dem Kongo, hat vier Kinder grossgezogen und alles für uns gegeben», erzählt Mbabu in einem Interview. «Jetzt spiele ich Fussball, um mich bei ihr zu bedanken. Bevor ich mir selber etwas kaufe, möchte ich ihr ein Haus bauen.»

Djibril Sow (22)

Eintracht Frankfurt

Die einzige Hilfe, die Djibril Sow für Eintracht Frankfurt bisher sein konnte, war die des Vaduz-Experten. Weil er aus der Berner Ferne das Wirken der Liechtensteiner in der Challenge League marginal mitverfolgt hatte, wurde er in der hessischen Metropole vor dem Auftritt der Frankfurter in der Europa League gegen Vaduz mit Fragen gelöchert.

Selber auflaufen konnte die Neuerwerbung nicht, denn nach einem im Training erlittenen Sehneneinriss im Oberschenkel verpasste er die ganze Vorbereitungsphase und damit auch das mit 5:3 gewonnene Cupspiel in Mannheim. «Viele Dinge kann ich jetzt aber bereits wieder machen. Doch ich brauche ich noch ein wenig Geduld.» Der Bundesligaauftakt am Sonntag gegen Hoffenheim kommt fürihn noch zu früh.

Die Schweizer Djibril Sow, stehend, von Eintracht Frankfurt trainiert mit seinen Kollegen, am Sonntag, 7. Juli 2019, im Lachenstadion in Thun. Der deutsche Bundesligist weilt im Berner Oberland im Trainingslager und nimmt am interrnationalen Uhrencup teil. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Noch zwickt es Sow im Oberschenkel. Bild: KEYSTONE

Sows Karriereverlauf hat durchaus Parallelen zu Kevin Mbabus Werdegang. Wie der Genfer ist auch der Zürcher ins Ausland gegangen, bevor er sich in der Schweiz durchgesetzt hatte. Weil ihm der FC Zürich keinen Profivertrag gab, nahm er als 18-Jähriger die Offerte von Borussia Mönchengladbach an. Sein Pech war, dass der als Mentor vorgesehene Trainer Lucien Favre nach zweieinhalb Monaten zurücktrat. So spielte Sow vorwiegend im Regionalligateam, kam in der Bundesliga zu einer einzigen Einsatzminute und verschoss im Cup-Halbfinal gegen Frankfurt den entscheidenden Penalty.

Wie Mbabu entwickelte sich auch Sow in den zwei Jahren bei YB unter den Trainern Adi Hütter und Gerardo Seoane blendend. Kein Wunder, holte ihn der Österreicher nun an den Main. Ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag und mit einer Ablösesumme von neun Millionen Euro in derselben Preiskategorie wie Mbabu. Als Sow den Vertrag unterschrieb, war er noch der Rekordtransfer der Eintracht. Inzwischen hat ihm aber Martin Hinteregger mit 12 Millionen Euro den Rang abgelaufen.

Sow ist überzeugt, mit Frankfurt die richtige Wahl getroffen zu haben. «Die Eintracht ist der perfekte Verein, um den nächsten Schritt zu machen», sagt Sow. «Die englische Premier League aber bleibt meine Traumliga.» Doch will er dort hin und zuerst einmal mit der Schweiz die EM 2020 bestreiten, muss er sich in der Bundesliga durchsetzen. Mit Gelson Fernandes, Torro, de Guzman, Rode und Kohr ist der Kampf um die Plätze hart. «Der Konkurrenzkampf tut allen gut», gibt sich Sow cool und vertraut seinen Stärken: «Adi Hütter hat mir beigebracht, wie ich sie am besten nutzen kann.»

Ruben Vargas (21)

FC Augsburg

Einen anderen Weg als Mbabu und Sow ist Ruben Vargas gegangen. Der Adligenswiler hat die Nachwuchsstufen des FC Luzern durchlaufen und als 19-Jähriger unter Trainer Markus Babbel in der Super League debütiert. Danach absolvierte der Flügelstürmer in der höchsten Spielklasse 50 Partien, erzielte neun Tore und gab zwölf Assists. Inzwischen ist er auch dreifacher U21-Internationaler und wurde im Juni von Nationalcoach Vladimir Petkovic gar eingeladen, ins A-Team hineinzuschnuppern.

Damit war die Basis gelegt, um mit gutem Gewissen über ein Engagement im Ausland nachzudenken. Als dann der FC Augsburg anklopfte, fühlte sich Vargas reif genug, die Herausforderung anzunehmen. «Ich habe mir die Sache reiflich überlegt. Sicher gibt es jetzt Leute, die sagen, ich hätte in Luzern bleiben sollen. Andere finden den Moment richtig, um zu wechseln. Ich muss auf mich selber hören, für mich kommt der Wechsel zum genau richtigen Zeitpunkt», sagte der 21- Jährige der «Luzerner Zeitung.» Und unterschrieb beim FC Augsburg einen Fünfjahresvertrag. Die Ablösesumme: 2,5 Millionen Euro.

Jetzt, zwei Monate später, darf sich Vargas zumindest fürs Erste bestätigt fühlen. Die Vorbereitung war hart. Erstmals trainierte er in dieser Intensität. Doch er hat sich problemlos integriert und an der Peripherie der Stadt eine Wohnung bezogen, die ihm gefällt. «Der FCA ist ein sehr familiärer Verein, ich habe mich sofort wohlgefühlt. Die Stadt ist wunderschön. Es war mir wichtig, dass das Umfeld passt», sagt Vargas.

Doch wie Sow hat auch den Innerschweizer die Verletzungshexe gebremst. Zwar längst nicht so wuchtig, sondern mit einer Fussprellung nur für 14 Tage. Aber auch er verpasste dadurch das erste Pflichtspiel, den Cupmatch beim viertklassigen Verl, der mit einer Niederlage und einer herben Enttäuschung endete. Jetzt aber ist Vargas wieder voll im Training und macht sich Hoffnungen, den Sprung ins Bundesligakader vom Samstag zu machen. In Dortmund zu debütieren, und wäre es auch nur ein Zehnminuteneinsatz, hätte schon etwas Magisches.

Dass Vargas in Augsburg gelandet ist, hat viel mit dem Schweizer Martin Schmidt zu tun. «Die Gespräche mit dem Trainer waren sehr gut und haben mich zu einem Wechsel bewegt. Mit ihm habe ich hier nicht nur einen guten Trainer, sondern auch eine Kontaktperson, an die ich mich wenden kann», sagt Vargas. Was er aber auch weiss: Einen Bonus hat er deswegen nicht.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dave1771 15.08.2019 17:28
    Highlight Highlight Vargas hätte weder bei Luzern bleiben sollen (wo er sich wohl nicht mehr weiterentwicklen könnte), noch in BuLi wechseln sollen, da der Schritt wohl zu früh kam. YB oder der FCB wären die besseren Lösungen gewesen. Er wird wohl in 1-2 Jahren bei YB landen
  • Paul_Partisan 15.08.2019 13:56
    Highlight Highlight Fussballerisch haben alle das Potenzial zum Stammspieler in der Bundesliga. Möge ihnen die Verletzungshexe (von jetzt an) fernbleiben und die Trainer ihnen das nötige Vertrauen schenken.

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