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Gigg Lane ist die Heimat des Klubs, der vor dem Untergang steht. bild: bury fc

Das Drama um den FC Bury, der nach 134 Jahren seinen letzten Atemzug nimmt

Fussball in England ist viel mehr als nur die Premier League. Abseits der Glitzerwelt mit ihrem milliardenschweren TV-Vertrag gibt es auf der Insel zahlreiche traditionsreiche Klubs, die um ihr Überleben kämpfen. Morgen könnte der FC Bury nach 134 Jahren Geschichte sein.



Es ist ein fieser Zufall, dass Bury nicht nur der Name einer Stadt vor den Toren Manchesters ist. Sondern dass «to bury» bedeutet, jemanden zu begraben. Gut möglich, dass morgen Freitag die Anhänger des FC Bury ihren Klub zu Grabe tragen müssen. Einen Sarg haben sie schon mal vors Stadion gestellt.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass die Fans an der Gigg Lane feiern durften. Noch in diesem Mai kamen 6719 Zuschauer ins Stadion, um beim 1:1 gegen Port Vale den Aufstieg in die League One, die dritthöchste Liga, zu bejubeln.

Es war eine Aufstiegsfeier mit angezogener Handbremse. «Wir ahnten, was kommt», erinnert sich mit Tom ein Fan, der seit 44 Jahren zu den Spielen geht. Denn schon damals hingen dunkle Wolken über dem Klub. Sportlich lief's wohl rund, doch die Kassen waren leer.

Im Dezember 2018 kaufte Steve Dale den Bury Football Club für die symbolische Summe von einem Pfund. Nur um herauszufinden, dass die finanzielle Situation noch desaströser war, als sie ihm geschildert worden war.

Ruhmreich ist nur die Vergangenheit

Bury wurde schon vor dem Start in die neue Saison eine Strafe von zwölf Minuspunkten aufgebrummt, weil der Klub seinen Verpflichtungen nicht nachkam. Spieler und andere Angestellte erhielten ihre Löhne nicht, Rechnungen wurden nicht bezahlt.

In dieser Saison hätten bis jetzt vier Ligaspiele stattfinden sollen – sie wurden alle verschoben. Es wäre auch schwierig geworden, genügend Spieler aufzutreiben: Auf seiner Website führt der Klub nur noch acht Akteure auf.

Die Liga drückte Bury die Pistole auf die Brust. Bis am Freitag muss eine Lösung her. Gibt es die nicht, wird es ausgeschlossen. «Der Klub ist nur noch die Hülle dessen, was er im Mai war», bilanzierte die «Bury Times».

Für die Anhänger des 1885 gegründeten Vereins wäre der Ausschluss ein Desaster. Zwar war ihr Klub – 1900 und 1903 noch stolzer FA-Cup-Sieger – seit dem Zweiten Weltkrieg nie mehr in der höchsten Liga und er pendelte in den letzten zwei Jahrzehnten bloss noch zwischen dritter und vierter Liga. Aber trotz dem ausbleibenden Erfolg: Es ist ihr Klub. Und dass man ihnen den einfach wegnehmen will, geht nahe.

Mit Sarg und Handschellen vor dem Stadion

Im Kreuzfeuer der Kritik: Klubboss Steve Dale. Der hatte dieser Tage ein Angebot zur Übernahme des Klubs erhalten – und es abgelehnt. Es hiess, er glaube, dass er noch eine bessere Offerte erhalte. Seitens der Liga zeigte man sich «frustriert über fehlende Fortschritte» bei der Rettung des Klubs. Seine Frau erwarte im Februar ein Kind, erzählte Flügelspieler Harry Bunn: «Mental ist die Situation schwierig, finanziell ist sie für mich schrecklich.»

Gestern brachten Fans nicht nur einen Sarg mit. Eine Frau kettete sich aus Protest mit Handschellen ans Stadion. Die 66-jährige Joy Hart arbeitete einst in führender Position für den Klub und ist besonders durch ihren Vater mit dem FC Bury verbunden. Les Hart gilt als «Mr. Bury», er war als Spieler, Trainer, Betreuer und Physio 44 Jahre lang beim Klub, von 1936 bis 1980. Die Südtribüne der Gigg Lane trägt seinen Namen (die Haupttribüne übrigens jenen von Neville Neville, dem Vater der Manchester-United-Legenden Phil und Gary Neville).

«Wir brauchen jede Unterstützung oder wir werden unseren Klub nie mehr wiedersehen», sagte Hart mit Tränen in den Augen zur BBC. «Ich rufe alle Klubs im Nordwesten auf: Bitte helft uns! Wenn niemand kommt, sind wir am Freitag tot.» Sie könne sich gar nicht ausmalen, was das für sie und tausende andere bedeuten würde.

«The Shakers» lautet der Spitzname des Klubs, er geht zurück auf seine Anfangstage. Vor einem Cupfinal 1892 gegen Everton hatte der Geschäftsführer die Spieler aufgefordert, den Gegner zum Zittern zu bringen: «We shall shake 'em! In fact, we are the Shakers», soll er gesagt haben.

Fans halten eine Art Mahnwache vor dem Stadion. Ihre Galionsfigur: Joy Hart (mit Schal unter dem Schirm).

«Ich komme seit 70 Jahren und ich habe Angst»

Everton zittert längst nicht mehr vor dem kleinen Bury. Dafür schüttelt es den Betrachter so richtig durch, wenn er das Video unten sieht. Unterlegt mit dramatischer Musik schildern Fans, was ihnen der Klub bedeutet. Wer den 78-jährigen Kenny Hindus, den Anhänger zu Beginn des Videos, nicht in den Arm nehmen möchte, hat kein Herz.

Der Bury Football Club ist ein kleiner Klub, für die grosse Fussballwelt ein vernachlässigbarer. Kaum jemand ausserhalb der Stadt würde behaupten, dass ohne ihn etwas fehle. Aber den Menschen dort bedeutet er alles. Drücken wir ihnen die Daumen, dass irgendwo noch ein Portemonnaie aufgeht und ihr Klub weiterleben kann.

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