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Der Ex-Coach der Schweizer Fussball Nationalmannschaft, Paul Wolfisberg als Zuschauer beim Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem BSC Young Boys vom Sonntag, 1. September 2019 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Paul Wolfisberg war immer wieder bei den Spielen des FC Luzern anzutreffen. Bild: KEYSTONE

Ex-Nati-Trainer Paul Wolfisberg ist gestorben – der populärste «Wolf» ist nicht mehr

Der Luzerner Paul Wolfisberg ist tot. Der frühere Fussball-Nationaltrainer starb im Alter von 87 Jahren in seiner Wohngemeinde Horw. Wolfisberg war neben Köbi Kuhn der vielleicht populärste Nationalcoach der Schweiz.



Paul Wolfisberg ist tot. Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, ist der frühere Fussball-Nationaltrainer heute Montag in einem Café in seinem Wohnort Horw im Alter von 87 Jahren verstorben. Die Todesursache ist von seiner Familie nicht bekanntgegeben worden.

Zuletzt lebte Wolfisberg in seinem Elternhaus und damit ganz in der Nähe seiner fussballerischen Wurzeln. Auf der Luzerner Allmend stieg Paul Wolfisberg als Fussballer und Jung-Trainer zum Innerschweizer Lokal-Helden auf – und legte die Basis zur Berufung zum Nationalcoach und damit zum Aufstieg zu einer nationalen Sport-Ikone in den Achtzigerjahren. Mit Wolfisberg als Spieler holte der FC Luzern 1960 mit dem Cupsieg seine erste von bislang drei Trophäen. Als Trainer führte Wolfisberg den FCL 1979 in die Nationalliga A und etablierte das Flaggschiff des Innerschweizer Fussballs darauf mit Spielern wie Ottmar Hitzfeld, Peter Risi oder Rolf Fringer in der höchsten Spielklasse.

Der spätere Welt-Trainer, Champions-League-Sieger und Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld erinnert sich an die gemeinsame Zeit in Luzern. «Pauls Teamführung war fachlich jederzeit kompetent, gleichzeitig war er stets äusserst korrekt. Ob vor der Mannschaft sprechend oder im Gespräch unter vier Augen: Paul Wolfisberg war immer Paul Wolfisberg. Immer authentisch, immer glaubwürdig, immer ein Vorbild. Ich persönlich bin Paul für vieles dankbar», schrieb Hitzfeld im Vorwort der 2012 erschienenen Biografie von Paul Wolfisberg «Der Wolf».

Die gute Arbeit und der gute Ruf in Luzern sorgten im Frühjahr 1981 zur Beförderung von Wolfisberg zum Nationalcoach. Wieder einmal hatte das Nationalteam den Start in eine Ausscheidung verbockt. Nach den Niederlagen gegen Norwegen und England war die Qualifikation für die WM 1982 in Spanien schon nach zwei Spielen nicht mehr realistisch. Doch Wolfisberg schaffte es, die Schweiz nochmals ins Rennen um die WM-Plätze zu führen. Die SFV-Auswahl holte gegen den späteren Gruppensieger Ungarn ein Unentschieden, schlug England in Basel und gewann auswärts gegen Rumänien. Die Hoffnung auf die WM-Teilnahme lebte bis zur letzten Minute der Qualifikation.

Paul Wolfisberg, Coach der Schweizer Fussballnationalmannschaft, umarmt Gianpietro Zappa nach dem 2:1 Sieg in der WM-Qualifikation gegen England am 30. Mai 1981 in Basel. (KEYSTONE/Str)

Wolfisberg 1981 nach dem 2:1-Sieg in der WM-Quali gegen England. Bild: KEYSTONE

An das Turnier konnte Wolfisberg die Schweiz dennoch nicht führen. Gleich wie darauf nicht an die EM 1984 in Frankreich und an die WM 1986 in Mexiko. Dennoch erlebte das Nationalteam während der mehr als vierjährigen Amtszeit von Wolfisberg einen Aufschwung. Da ist zum einen die Statistik: Von 52 Spielen gewann die Schweiz 17, weshalb Wolfisberg deutlich erfolgreicher war als seine Vorgänger Bruno Michaud, René Hüssy, Miroslav Blazevic, Roger Vonlanthen und Leon Walker, welche die SFV-Auswahl in den tristen Siebzigerjahren trainierten.

Vor allem aber löste Wolfisberg in der Bevölkerung eine Euphorie um die Nationalmannschaft aus. Mit freundlicher Unterstützung des «Blick», der das Team zu einem Brand machte («Die Wölfe») und der überaus wohlwollend über Trainer und Spieler berichtete, füllte die Schweiz unter Wolfisberg die Stadien. Zu einem Testspiel gegen Brasilien kamen 1983 in Basel 60'000 Zuschauer ins St.-Jakobstadion - noch heute Rekord für ein Länderspiel auf Schweizer Boden. Zwei Jahre zuvor sahen 40'000 Fans den Heimsieg in Basel gegen England, in der Qualifikation zur WM 1986 in Mexiko füllten 38'000 beziehungsweise 51'000 Zuschauer das Berner Wankdorfstadion bei den Spielen gegen Dänemark und die Sowjetunion.

Wolfisberg war der Liebling auf dem Boulevard und bei den Fans. Doch mit seinen Chefs beim SFV hatte er es nicht nur gut. Die von ihm durchgeboxten (Länderspiel-)Reisen mit dem Nationalteam nach Afrika (Dezember 1983) sowie Nord- und Lateinamerika (Februar 1985) stiessen im Verband nicht auf Gegenliebe. Wolfisberg wollte mit diesen Reisen im Hinblick auf eine mögliche WM-Teilnahme 1986 seine Gruppe testen: Wie verhält sich sein Wolfsrudel, wenn es über längere Zeit unter ungewohnten Bedingungen zusammenleben muss?

Paul Wolfisberg, Interims-Coach der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, raucht waehrend des Spiels der Schweiz gegen die Tschechoslowakei eine Zigarette, aufgenommen am 24. Maerz 1981 in Bratislava. Die Schweiz gewinnt das Spiel mit 0 zu 1. (KEYSTONE/Str)

Früher durfte man auf der Trainerbank noch rauchen. Bild: KEYSTONE

Der Versuch scheiterte in doppelter Hinsicht: In acht Spielen gegen Algerien, Elfenbeinküste, Simbabwe, Kenia, Kolumbien, Bulgarien, Mexiko und die USA gab es bloss zwei Siege. Und zur Organisation der Reisen wird Wolfisberg in seiner Biografie wie folgt zitiert: «Nach den Querelen mit den Verbandsfunktionären und den Erkenntnissen aus der Südamerika-Reise musste ich beinahe froh sein, dass wir uns nicht für die WM qualifizierten. Aus meiner Sicht wäre der Verband nicht in der Lage gewesen, die Reise und den Aufenthalt in Mexiko zu organisieren.»

Nach dem letzten WM-Ausscheidungsspiel, einem 1:1 gegen Norwegen im Luzerner Schneetreiben am 10. November 1985, hörte Wolfisberg als Nationalcoach auf. 1989, etwas mehr als zwei Jahre, nachdem er seinen Sohn Eric durch einen mutmasslichen Bootsunfall auf den Philippinen verloren hatte, gab Wolfisberg ein kurzes Comeback auf der SFV-Bank. Nach der Entlassung seines Nachfolgers Daniel Jeandupeux betreute er zusammen mit Uli Stielike die Schweizer Auswahl in einem Spiel gegen die Tschechoslowakei. Es blieb ein Intermezzo von 90 Minuten – dann verliess der «Wolf» die nationale Szene endgültig. (pre/sda)

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