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Gratis-Eintritt mit den richtigen Zigis – als FCZ-Spiele noch ein «Tabak-Festival» waren



Bei Recherchen zum Artikel, wie anders der Fussball früher ausgesehen hat, bin ich kürzlich auf dieses Bild gestossen:

Fans des FC Zuerich betreten im November 1972 das Stadion Letzigrund in Zuerich. Die Zigarettenpackungen gelten dabei als Eintrittskarte. (KEYSTONE/Str)

Bild: KEYSTONE

Die Bildlegende, der Text, welchen die Agentur zum Foto ausliefert, liess mich stutzen. Denn die Legende heisst: «Fans des FC Zürich betreten das Stadion Letzigrund. Die Zigarettenpackungen gelten dabei als Eintrittskarte.»

Wie bitte?!

«Tabak-Festival» im Letzigrund

Wer die richtigen Zigis vorzeigte, konnte tatsächlich gratis an ein Fussballspiel. Es braucht nur sehr wenig Fantasie, sich die Schlagzeilen vorzustellen, würde diese Aktion im Jahr 2016 stattfinden.

Auch schon 1972 war sie umstritten. Die NZZ kündigte das FCZ-Heimspiel am 29. Oktober gegen Grenchen als «Tabak-Festival» an. Zwar wurde das Engagement des Klubs gelobt, sich um ein volleres Stadion zu bemühen. «Auf einem anderen Blatt steht jedoch die Art und Weise», kritisierte die NZZ. Abgesehen von gesundheitlichen Überlegungen ging der Stadt ausserdem die Billetsteuer durch die Lappen.

Werbeaktion fuer die Zigarettenmarke

Junge Fussballanhängerinnen nach dem Betreten des Letzigrund. Bild: KEYSTONE

Was sollte das eigentlich?

Der FC Zürich hatte in jener Zeit damit zu kämpfen, dass zu wenig Zuschauer an seine Spiele kamen. Je 6500 waren es gegen Sion und gegen Servette, 4500 gegen La Chaux-de-Fonds und nur gerade 1100 verloren sich bei einem Freundschaftsspiel gegen Sampdoria Genua im weiten Sechseck des Letzigrunds. Dabei hatte der FCZ ein grosses Team: Köbi Kuhn, Fritz Künzli, Karl Grob oder der spätere Nati-Trainer Daniel Jeandupeux. Zürich war amtierender Cupsieger und drei Meistertitel lagen nicht lange zurück.

Doch diese Stars zogen nicht mehr. Und so verkaufte Präsident Edi Nägeli – ein Tabakhändler, der als «Stumpen-Edi» bekannt war – das Heimspiel gegen Grenchen an einen Hersteller von Zigaretten und Cigarillos. Für 2.50 Franken gab's am Eingang ein Päckli und dieses zählte als Eintrittsbillet. Das lohnte sich: 9300 Zuschauer kamen gegen einen wenig zugkräftigen Gegner. Sie sahen einen Künzli-Hattrick und einen diskussionslosen 4:0-Heimsieg.

Verknüpft war die Grosszügigkeit des FC Zürich mit der Hoffnung, dass die Zuschauer im Gegenzug einen Fragebogen ausfüllten. Der Klub wollte wissen, was er tun müsse, damit der Stadionbesuch wieder attraktiver werde.

Ein Fan des FC Zuerich bezahlt im November 1972 den Eintritt zu einem Spiel im Stadion Letzigrund in Zuerich mit einer Zigarettenpackung der Marke

Der Kassier hält anstelle von Tickets «Panter»-Packungen bereit. Bild: KEYSTONE

Die gleichen Sorgen wie heute

Die «Schweizer Illustrierte» schnappte sich einige der ausgefüllten Fragebogen und veröffentlichte Auszüge davon. «Keine Stareinkäufe mehr, den Nachwuchs fördern!», forderte Walter Stamm aus Zürich. E. Sturzenegger aus dem aargauischen Windisch war just gegenteiliger Meinung: «Das Aktienpaket soll in neue Spieler investiert werden!» Man kann darauf wetten, dass die gleichen Sätze hingekritzelt würden, müssten Zuschauer im Jahr 2016 einen Fragebogen ausfüllen.

Rund 2500 Fragebogen kamen damals zurück. Dabei zeigte sich etwas, was jeden erstaunt, der den alten Letzigrund noch kannte. Vier von fünf Matchbesucher waren nämlich mit dem Komfort des Stadions zufrieden. Die grosse Distanz zum Spielfeld wurde offenbar durch die Tatsache gemildert, dass es dafür gedeckte Stehplätze gab.

Altes Letzigrund-Stadion Zürich Wikipedia

Der alte Letzigrund, wie er bis 2006 aussah. bild: wikipedia/raymondlafourchette

«Machen Sie es wie der FC Basel!»

Den wahrscheinlich besten Ratschlag an den FC Zürich schrieb übrigens ein Zuschauer namens Kurtz in den Fragebogen: «Machen Sie es wie der FC Basel!» Dieser war damals Meister und er wurde es 1973 erneut. Doch vielleicht wurde der Hinweis in Zürich wirklich zu Herzen genommen: Der FCZ feierte zwischen 1974 und 1976 drei Meisterschaften in Folge.

«Machen Sie es wie der FC Basel!» – ein Ratschlag, der heute noch Gültigkeit hat.

Die Captains Fritz Kuenzli, links, FC Zuerich, und Karl Odermatt, rechts, FC Basel, erhalten am 22. Mai 1972 im Wankdorfstadion in Bern vor dem Cup-Final zwischen Dem FC Zuerich und dem FC Basel von zwei Buben Plueschtierre als Maskottchen geschenkt. Der FCZ geht mit 1:0 als Sieger vom Platz. (KEYSTONE/Str)

Die dominierenden Teams ihrer Zeit: Zürich (Captain Fritz Künzli) und Basel (Captain Karli Odermatt) vor dem Cupfinal 1972. Man beachte die Werbung: Campari, Rössli-Stumpen und Marylong-Zigaretten. Bild: KEYSTONE

Zieh dir das mal rein: Koks-Werbung aus den 70ern

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • -woe- 28.10.2016 18:08
    Highlight Highlight "Tabak-Festival" trifft auch heute noch zu.

    Jedesmal wenn die Präsidentenloge gelüftet wird - meist nach einem FCZ-Tor -, ziehen Rauchschwaden durchs Stadion, dass man kaum auf die andere Seite sieht. Es mussten auch schon Spiele wegen dieses präsidialen Rauches unterbrochen werden.
  • Joseph Dredd 28.10.2016 15:17
    Highlight Highlight "... und der Securitas überprüft mit wachem Blick, ob die Marke stimmt."

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