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epa07722283 (FILE) - Juventus soccer player Cristiano Ronaldo arrives at to undergo medical pre-season tests in Turin, Italy, 13 July 2019  (reissued 17 July 2019). Italian football club Juventus on 16 July 2019 signed an exclusive partnership with soccer video game Pro Evolution Soccer (PES2020), which means there will be no Juventus FC team in rival simulation video game FIFA20. Instead, FIFA20 will reportedly feature a team called Piemonte Calcio due to missing official licences. Both video games are scheduled to be released in September 2020.  EPA/ALESSANDRO DI MARCO

Cristiano Ronaldo kann aufatmen – in den USA wird es keinen Strafprozess gegen ihn geben. Bild: EPA

Der Fall Ronaldo – warum er nicht angeklagt wurde und wie es nun weitergeht

Im Fall des Vergewaltigungsvorwurfs gegen Cristiano Ronaldo will die Staatsanwaltschaft keine Anklage erheben – weil die Tat nicht zweifelsfrei bewiesen werden könne. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.



Was war 2009 in Las Vegas passiert?

Kathryn Mayorga wirft Cristiano Ronaldo vor, sie am 23. Juni 2009 in Las Vegas vergewaltigt zu haben. Die Amerikanerin hatte bereits zehn Jahren Anzeige erstattet und war ärztlich untersucht worden. Ronaldo wies den Vorwurf stets zurück. Was in Las Vegas zwischen den beiden vorfiel, sei einvernehmlich gewesen, erklärte sein Anwalt Peter Christiansen. Die Ermittlungen liefen seinerzeit ins Leere. Laut Polizei wurden sie nicht weiter verfolgt, weil Mayorga den Namen des Beschuldigten nicht nennen wollte.

Nach Darstellung Mayorgas lernte der damals 24-jährige Ronaldo sie in einem Nachtclub in Las Vegas kennen. Er lud sie demnach in seine Hotel-Suite ein und vergewaltigte sie dort. Danach habe er sich entschuldigt und erklärt, er sei «normalerweise ein Gentleman», heisst es in der Klageschrift. Im vergangenen Jahr räumte Mayorga ein, im Zuge einer finanziellen Einigung von rechtlichen Schritten abgesehen und einer Schweigevereinbarung (Ronaldo zahlte ihr 375'000 US-Dollar) zugestimmt zu haben.

In this June 2009 photo made available to the Associated Press on Friday Oct. 5, 2018, soccer star Cristiano Ronaldo is pictured with Kathryn Mayorga in Rain Nightclub in Las Vegas. A lawyer for Mayorga, who is alleging that Ronaldo raped her in Las Vegas in 2009 said her client was

Ronaldo mit Mayorga 2009 in Las Vegas. Bild: AP/MATRIXPICTURES.CO.UK

Was ist nun passiert?

Nachdem Mayorga im September 2018 im Zuge der #MeToo-Bewegung vor dem United States District Court in Nevada Zivilklage wegen Vergewaltigung gegen Cristiano Ronaldo eingereicht hatte, nahm auch die Polizei in Nevada den Fall wieder auf. Zu einem Strafprozess gegen den Juventus-Star kommt es allerdings nicht.

Wie das Büro des Bezirksstaatsanwalts in Las Vegas am Montag mitteilte, können die Anschuldigungen gegen den portugiesischen Star-Fussballer bezüglich eines sexuellen Übergriffs nicht zweifelsfrei («Beyond reasonable doubt») bewiesen werden. Der Fall wird deshalb vorerst strafrechtlich nicht weiterverfolgt. Wenn neue Beweise vorliegen, könnte das strafrechtliche Verfahren wieder aufgenommen werden. Das scheint momentan aber sehr unwahrscheinlich.

Wieso gibt der Staatsanwalt auf?

Wegen der fehlenden Erfolgsaussicht. Strafprozesse werden in den USA in der Regel von Jurys entschieden, schuldig ist der Angeklagte nur, wenn alle Jury-Mitglieder ohne Zweifel davon überzeugt sind («Beyond reasonable doubt»). Wie der «Spiegel» berichtet, ist bei Vergewaltigungsvorwürfen, die nur selten eindeutig zu belegen sind und in denen es meist zwei unterschiedliche Versionen der Beteiligten gibt, ein solches Urteil oft schwierig. Anders als in der Schweiz gibt es in den USA auch keine Pflicht der Strafverfolgung.

Ein Strafverfahren in den USA ist zudem viel aufwendiger und teurer als bei uns. Deshalb eröffnet die Staatsanwaltschaft meist nur sehr sichere Verfahren. «Nur durchschnittlich fünf Prozent aller Straffälle gehen vor Gericht», erklärte Liane Wörner, Strafrechtsexpertin der Universität Konstanz, gegenüber dem «Spiegel».

Ist Ronaldo also aus dem Schneider?

Nein, Ronaldo kann zwar wieder ohne Angst vor einer Verhaftung in die USA reisen, die Zivilklage von Mayorga ist allerdings immer noch hängig. Dort könnte der Sachverhalt der Vergewaltigung komplett anders beurteilt werden, weil Strafprozess und Zivilprozess zwei komplett getrennte Gerichtsverfahren sind. Im Zivilprozess gilt in den USA ausserdem nicht der Grundsatz «Beyond reasonable doubt», sondern «Preponderance of evidence». Das bedeutet, dass Ronaldos Schuld wahrscheinlicher sein muss als seine Unschuld.

epaselect epa07694027 Portuguese soccer player Cristiano Ronaldo balances  a ball on his head during a public appearance by the player at Yumin Primary School in Singapore, 04 July 2019. Ronaldo is visiting the primary level schools as part of his work to promote the Singapore Olympic Foundation and the Peter Lim Scholarship.  EPA/WALLACE WOON

Ronaldo konzentriert sich derzeit auf den Ball und die bevorstehende Saison mit Juventus Turin. Bild: EPA

Gibt es einen Präzedenzfall?

Ja. Der amerikanische Footballstar und Schauspieler O.J. Simpson, der 1995 wegen Mordes an seiner früheren Frau Nicole Brown Simpson und ihres Freundes angeklagt wurde, wurde im Strafprozess freigesprochen. Im Zivilverfahren wurde er 1997 allerdings zu einer Schadenersatzzahlung von 33,5 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen verurteilt.

In this June 21, 1995 photo, O.J. Simpson holds up his hands before the jury after putting on a new pair of gloves similar to the infamous bloody gloves during his double-murder trial in Los Angeles. Associated Press writer Linda Deutsch sits in the background, at right. Deutsch, who wraps up a 48-year career with the AP on Monday, Dec. 22, 2014, was a young general assignment reporter when she was inadvertently shoved into the court beat, something that would make her arguably the news organization's most recognizable reporter. (AP Photo/Vince Bucci, Pool)

Der Auslöser für den Simpson-Freispruch: Die blutigen Täter-Handschuhe passen dem Angeklagten nicht. Bild: AP Pool Agence France Press

Was droht Ronaldo im Zivilprozess?

Wie bei O.J. Simpson eine hohe Schadenersatzzahlung. Zwar könnte Ronaldo im Rahmen des Zivilverfahrens immer noch vorgeladen werden, allerdings sind solche Vorladungen bei Zivilprozessen nur sehr schwierig durchzusetzen, da Ronaldo nicht im US-Bundesstaat Nevada wohnt. Deshalb deutet im Moment vieles darauf hin, dass sich die beiden Parteien aussergerichtlich einigen werden. Vor einem nicht-öffentlichen Schiedsgericht würde es dann nicht mehr um eine Gefängnisstrafe, sondern um Schmerzensgeld gehen. (pre)

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    Alle Leser-Kommentare
  • snowleppard 25.07.2019 11:11
    Highlight Highlight Ja, was ist passiert? Das wissen nur die 2 Beteiligten. Ich glaube, dass Mayorga (war Kellnerin mit Aufmerkaskeitsdefizit und Lernschwäche in einer Aufriss-Bar, gemäss ihrem Statement) nach 10 Jahren das Geld ausging, sie einen gierigen Anwalt (gibt es andere?) fand und ihn dann nochmals zivil verklagte.
    Ich denke, ihr ging es nur ums Geld - ist leider schon dutzende Male bei Berühmtheiten versucht worden.
    Ich verabscheue jedes Unrecht gegenüber Frauen - aber auch gegenüber Männern.
  • P. Silie 24.07.2019 13:24
    Highlight Highlight Macht man für Ronaldo nun einen Hashtag? #himtoo wie für Spacey?
    • Wander Kern 24.07.2019 13:42
      Highlight Highlight Hast Du noch nicht gemacht? Soweit ich weiss, gibt es keine zentrale Hashtagverwaltung.
    • P. Silie 24.07.2019 14:02
      Highlight Highlight @ Wander Kern: Nee habe ich nicht gemacht.. mit 'Zentrale Verwaltung' oder 'Zentralkomitees' im Allgemeinen habe ich etwas meine Mühe..
    • P. Silie 24.07.2019 15:05
      Highlight Highlight ?? Die Hitze - voll sinnfrei mein Kommentar :) Sorry
    Weitere Antworten anzeigen
  • Th. Dörnbach 24.07.2019 13:23
    Highlight Highlight "Reasonable doubt" heisst "begründete Zweifel" und nicht "nicht zweifelsfrei".
    • Wander Kern 24.07.2019 13:33
      Highlight Highlight "beyond" wäre das Schlüsselwort...
    • Th. Dörnbach 24.07.2019 14:29
      Highlight Highlight Es bedeutet in der US-Justiz, dass eine Verurteilung nicht ohne begründeten Zweifel möglich wäre. "Begründet" ist das Schlüsselwort.
    • Stefan J. Schmid (1) 24.07.2019 15:15
      Highlight Highlight Nein. Beyond reasonable doubt heisst eben, dass kein vernünftig zu begründender Zweifel besteht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Seiltänzerin 24.07.2019 13:17
    Highlight Highlight Falls sie recht hat eine Schande, wenn nicht auch.
    Wir alle sind nicht dabei gewesen und ich masse mir nicht an zu urteilen.
    Jeder Vergewaltiger/jede Vergewaltigerin sollte hart bestraft werden!
    Auch Frauen oder Männer die eine Vergewaltigung Unterstellen sollten bestraft werden, nicht nur wegen dem Zerstören eines Lebens/eines Rufs sondern auch, weil sie damit alle wirklichen Opfern schaden.
    • ChillDaHood 24.07.2019 14:02
      Highlight Highlight Ich bin grundsätzlich einverstanden. Was ist aber mit den vielen Fällen, wo weder eine Falschbeschuldigung der klagenden Partei, noch eine Schuld des/der Angeklagten bewiesen werden kann. Ich kann mir sogar im Extremfall vorstellen, dass der Täter/die Täterin felsenfest von einvernehmlich ausging, das Opfer es aber als Vergewaltigung taxiert und auch mit den entsprechenden Folgen zu kämpfen hat. Was tun. Ich hab für mich entschieden, beiden zu glauben, solange niemandes Schuld erwiesen ist.
    • Seiltänzerin 24.07.2019 22:12
      Highlight Highlight Das ist ein sehr guter Punkt, ich bin hier absolut bei dir, das Eine oder Andere zu beweisen ist (leider) meist unmöglich.
  • Chili5000 24.07.2019 13:15
    Highlight Highlight O.J hat übrigens die 33,5 Mio nie gezahlt...
  • Luzifer Morgenstern 24.07.2019 13:11
    Highlight Highlight Ich glaube, da ist ein Detail, ausser in den USA ist das anders.

    Aussergerichtlich gibt es kein Schmerzensgeld sondern eine Beilegung der Streitigkeit. Dann wäre der Beklagte weiterhin nicht schuldig, aber der Kläger kriegt Geld.

    Im Gegenzug darf der Kläger (hier die Frau) nie wieder öffentlich sagen, dass der Beklagte (hier R) ihr etwas angetan hat.

    Das ist dann meistens auch eine schmerzhafte Summe, aber keine Entschädigung für eine bewiesene Schuld.
  • Pümpernüssler 24.07.2019 13:04
    Highlight Highlight Ich frage mich immernoch, wie man herausfinden will, ob es einvernehmlicher sex war oder nicht. Die Dame kann alles behaupten, er genauso.
    • Now 24.07.2019 13:42
      Highlight Highlight Lies mal den Spiegel-Artikel. Es gibt Dokumente, die einen Übergriff belegen. Falls diese echt sind..
    • Now 24.07.2019 14:23
      Highlight Highlight losloco, dafür hast du bestimmt auch Quellen oder fantasierst du einfach ein wenig ins Blaue?

      Ich bin schon etwas schockiert über den allgemeinen Tenor hier. Natürlich ist es absolut nicht klar, dass es sich um eine Vergewaltigung handelt.

      Es gibt aber schon viele Indizien, die in einer relativ umfangreichen Recherche von Journalisten zusammen getragen wurden, die dafür sprechen.

      Da fragt man sich, wieviele hier überhaupt auf Grundlage des Bekannten argumentieren und wieviele eifach das sehen, was sie sehen wollen.
    • Pümpernüssler 24.07.2019 15:00
      Highlight Highlight Es hat auch noch nie ein Journalist in einem Artikel Unwahrheiten verbreitet 😅
  • Erster-Offizier 24.07.2019 12:56
    Highlight Highlight Im Zweifel für den Angeklagten. Lieber ein Täter frei, als ein Unschuldiger eingesperrt.
    • Ueli der Knecht 24.07.2019 14:29
      Highlight Highlight Der Staatsanwalt dürfte allerdings nicht nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" (in dubio pro reo) handeln, sondern müsste den Grundsatz "im Zweifel für das Härtere" (in dubio pro duriore) anwenden.
      https://de.wikipedia.org/wiki/In_dubio_pro_duriore

      Allerdings gibt es auch einen Grundsatz "ne bis in idem" (nicht zweimal in der gleichen Sache), wonach niemand zweimal für die gleiche Tat vor Gericht gestellt werden darf. Daher macht es hin und wieder Sinn, eine Strafuntersuchung zu sistieren, bzw. noch nicht anzuklagen, obwohl für eine Anklage die Indizien ausreichen würden.
    • Stefan J. Schmid (1) 24.07.2019 15:59
      Highlight Highlight Ganz so einfach ist es auch nicht: Kein Staatsanwalt wird/soll/muss anklagen, wenn eine Verurteilung als unwahrscheinlich erscheinen muss.
  • Butschina 24.07.2019 12:50
    Highlight Highlight Falls es so war, soll er klar die Konsequenzen tragen.
    Ich frage mich allerdings ob es richtig ist einen Zivilprozess anzustreben. Sie hat ja von ihm angeblich bereits Geld bekommen.

    Wie wäre die Situation in der Schweiz? Kann auf Schadenersatz geklagt werden wenn die Staatsanwaltschaft keine Anklage eröffnet?
    • Decke 24.07.2019 13:03
      Highlight Highlight Denke die 300k sind nun weg, sie braucht wieder Geld. Kann irgendwie nicht glauben das er das gemacht hat. Warum auch? Er wird keine Probleme haben an willige Frauen zu kommen..
    • GenerationY 24.07.2019 13:09
      Highlight Highlight @Decke: Für jemanden, der normalerweise immer kriegt was er will, kann genau das zum Problem werden.

      Vielleicht wollte er sie, sie aber ihn doch plötzlich nicht mehr. Schwer zu verkraften für so ein Ego. Wir können nur spekulieren...
    • Luzifer Morgenstern 24.07.2019 13:14
      Highlight Highlight Hey!

      Warum blitzt hier jemand für eine gute Frage?

      Soll lieber jemand sich die Zeit nehmen, um zu antworten. Mich würde das nämlich auch interessieren.
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