Erpressung, Bestechung oder Heimweh? Iranische Fussballerinnen verlassen Australien
Die Gruppe iranischer Fussballerinnen, die in Australien um Asyl nachgesucht hat, schrumpft. Nachdem bereits am vergangenen Mittwoch eine der Frauen einen Rückzieher gemacht und die iranische Botschaft angerufen hatte, entschieden sich nun drei weitere, in den Iran zurückzukehren – obwohl ihnen bereits humanitäre Visa gewährt worden waren. Damit haben sich vier der ursprünglichen Asylsucherinnen gegen den Schutz entschieden, den Australien ihnen anbietet.
Zunächst hatten insgesamt sieben Spielerinnen und Betreuerinnen in Australien um Asyl gebeten, da iranische Staatsmedien sie als «Verräterinnen» bezeichnet hatten. Ihr Vergehen: Sie hatten beim Länderspiel gegen Südkorea am 2. März aus Protest gegen das Mullah-Regime die Nationalhymne nicht mitgesungen. In der Islamischen Republik können politisch motivierte Anklagen in Extremfällen mit der Todesstrafe enden.
«Dürfen den Kontext nicht ignorieren»
Australiens Innen- und Einwanderungsminister Tony Burke betonte, die Entscheidungen seien freiwillig und nach mehrfachen Gesprächen gefallen. «Die australische Regierung kann Möglichkeiten anbieten und erklären – aber wir dürfen den Kontext nicht ignorieren, in dem diese Spielerinnen ihre unglaublich schwierigen Entscheidungen treffen», sagte Burke zu lokalen Medien.
Was die Frauen bewog umzukehren, lässt sich von aussen kaum beurteilen. Doch Berichte aus den vergangenen Tagen geben Einblick in die Mechanismen, die auf sie einwirkten.
Bereits beim Abflug in Sydney hatten einige der Heimkehrerinnen mit Tränen im Gesicht das Flugzeug bestiegen, wie eine Reporterin des «Sydney Morning Herald» berichtete, die den Nachtflug begleitete. Über eine Übersetzungs-App erklärten Spielerinnen am Gate, sie wollten zurück zu ihren Familien.
Hat das Regime einen Empfang «wie Prinzessinnen» versprochen?
Besonders aufschlussreich war eine Szene in Kuala Lumpur, wo das Team einen Zwischenstopp einlegte: Aktivisten aus der iranischen Diaspora hatten das Hotel der Spielerinnen ausfindig gemacht und versuchten, sie zu warnen. Eine Spielerin trat nach draussen und erklärte, sie habe keine Angst vor der Heimkehr. Die Regierung habe Belohnungen versprochen, man werde sie empfangen «wie Prinzessinnen». Internationale Aufmerksamkeit werde sie schützen.
«Das ist eine Lüge», riefen ihr die Diaspora-Mitglieder entgegen. Inzwischen werfen Menschenrechtsorganisationen dem iranischen Regime Erpressung und Druckversuche auf die Familien der Spielerinnen vor.
Diskussionen auch um Männer-Team
Dass Teheran die Kehrtwende der Spielerinnen politisch zu nutzen weiss, zeigte sich unmittelbar danach: Iranische Staatsmedien bezeichneten Australien sinngemäss als eine «gehorsame und dämliche Präsenz auf Trumps Spielplatz». Was die vier Heimgekehrten erwartet, weiss niemand: «Ich mache mir Sorgen um sie. Ich kann mir nur vorstellen, unter welchem Druck sie standen», wird der australische Bundesfinanzminister Jim Chalmers beim Sender ABC zitiert.
Die Affäre um die iranischen Fussballerinnen fiel zeitlich zusammen mit dem amerikanischen-israelischen Angriff auf den Iran. Inzwischen hat die Eskalation zwischen den Ländern eine weitere sportliche Konsequenz: Irans Sportminister Ahmad Donyamali erklärte vergangene Woche, die Männernationalmannschaft werde nicht an der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko teilnehmen – die iranischen Spieler seien dort «nicht sicher».
