Diese Fussballerin träumt von WM-Teilnahme mit Albanien – dank Tiktok-Videos
Knapp 1,1 Millionen Menschen folgen Djellza Istrefaj auf Tiktok. Mit ihren fulminanten Schüssen und Challenges begeistert sie Fussballfans so sehr, dass sie kürzlich für die Tiktok-Awards nominiert wurde. Istrefaj spielt aber auch bei Zweitligist VfL Bochum. Im watson-Gespräch verrät die 25-Jährige, wie sie den Spagat zwischen Social Media und Profifussball packt und wie sie Hatern das Fürchten lehrt.
Djellza, in welchem Kontext lernt man, in High Heels zu jonglieren?
Djellza Istrefaj: Ich bin auch Tänzerin, trage gerne Stöckelschuhe. Das zeige ich in meinen Videos nur selten. Durch das Tanzen in High Heels habe ich eine gewisse Balance entwickelt. Das kombiniere ich dann mit meiner guten Balltechnik. Und es ist mein Naturell, neue Dinge auszuprobieren.
@dj.istrefaj19 Number 2 #foryou #fussball #fyp #fyyyyyyyyyyyyyyyy @mero_428 ♬ Double Cup - MERO
Steckt eine Botschaft hinter dem Video?
Ich habe es einfach gemacht, weil es mir Freude bereitet. Gleichzeitig wollte ich etwas ausprobieren, das auch für die Zuschauer spannend und unterhaltsam sein könnte. So ist am Ende die Idee entstanden.
Zugleich ist es ein Spiel mit den klassischen Geschlechterrollen. Wie sehr musst du mit Vorurteilen kämpfen?
Ich habe viel damit zu kämpfen. Auf Kritik gehe ich ein, auf Hate hingegen nicht. Wenn mir einer schreibt, Frauen können nicht Fussball spielen oder gehören in die Küche, dann lasse ich Taten sprechen. Ich will keine Predigt halten, das ist nicht meine Art. Ich zeige, was ich draufhabe.
Wie gut fährst du mit dieser Taktik?
Bei Fussballbenefizveranstaltungen bin ich meist die einzige Frau, die mitspielt. Dabei kann ich dann zeigen, was ich draufhabe, und muss keine grossen Ansagen machen. Das wissen mittlerweile viele, bei der nächsten Veranstaltung sagen sie dann: «Oh Scheisse, das ist die.»
Musst du als Influencerin auch in der Fussball-Kabine mit Vorurteilen kämpfen?
Sie haben mich in Bochum echt gut aufgenommen und supporten mich. So wurde es mir zuletzt auch möglich gemacht, bei den Tiktok-Awards dabei zu sein.
Gibt es neidische Kommentare, dass du einen Weltstar wie Lamine Yamal treffen konntest?
Nein, aber ich wurde darauf angesprochen und gefragt, wie es war oder worüber ich mit ihm gesprochen habe. Die Vorgaben waren streng, wir hatten nur knapp zehn Sekunden. Da konnte ich ihn nicht mal zu einem Kaffee einladen. Ich durfte ihm den MVP-Award überreichen, danach hat er auf mich gezeigt und gesagt: «Ich glaube, sie möchte ein Bild mit mir.» So haben wir dann noch schnell ein Foto gemacht.
Welches wiederum reichlich Reaktionen nach sich gezogen hat.
Online gab es Hate, weil ich angeblich gezielt meinen Po präsentiert habe. Dabei habe ich für das gemeinsame Bild nur meine Jacke gerichtet. Darüber wurde ausführlich berichtet, ich hätte das ausnutzen können. Aber ich will mich nicht auf meinen Körper reduzieren lassen.
Viele Fussballerinnen können vom Fussball allein nicht leben, machen daher nebenbei eine Ausbildung oder absolvieren ein Studium. Ist Social Media dein Nebenbei?
Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung zur Industriekauffrau. Ein Jahr lang habe ich in Teilzeit gearbeitet und den Job geliebt. Es wurde neben dem Fussball, all den Aufträgen und Drehs aber letztlich zu viel. Ich musste eine Entscheidung fällen und habe mich für Fussball und Social Media entschieden.
Warum?
Ich sehe mich eher draussen als in einem Büro, eher in der Fussballbranche. Es war also nicht nur wegen des Geldes.
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Verdient die Creatorin Djellza besser als die Fussballerin Istrefaj?
Meine Einnahmen variieren, aber Millionen verdiene ich damit noch nicht. Ich mache allerdings auch nichts auf Krampf. Wenn es zu stressig wird, lasse ich auch mal ein Werbevideo aus. Dafür ist mir meine mentale Gesundheit zu wichtig.
Wollen sich Vereine mit Klauseln absichern, damit der Vereinsfussball im Zweifel Vorrang hat?
Nein, aber es war ein Thema in den Gesprächen mit Bochum. Ich habe meiner Trainerin versichert, dass der Fokus auf dem Fussball liegt. In Ausnahmefällen würde ich noch einmal darüber sprechen. Ich denke, dass der Klub dafür Verständnis hätte. Unsere eigenen Spiele gehen aber immer vor.
Stand der Fussball bei dir immer an erster Stelle?
Der Fussball war schon immer da. Seitdem ich fünf Jahre alt bin, habe ich immer einen Ball am Fuss. Social Media hingegen war nie geplant, ich wollte nie Influencerin werden. Ich wollte immer Profifussballerin werden, wollte immer für die Nationalmannschaft spielen.
Trotzdem bist du mit 18 Jahren aus dem Verein ausgetreten, erst mit 21 Jahren zurückgekehrt.
Ich musste auch aus gesundheitlichen Gründen zwei Jahre lang aussetzen, in der Zeit kam Tiktok auf. Darüber bin ich in den Fussball zurückgekehrt. Durch Tiktok habe ich die Liebe zum Fussball wiederentdeckt.
Die Videos haben also dein Leben verändert?
Die albanische Nationalmannschaft ist nur durch Tiktok auf mich aufmerksam geworden. Kein Scout hätte mich mit 24 Jahren gefunden, damit ist man heutzutage eigentlich zu alt. Durch meine Videos bin ich aber aufgefallen. «Wir finden, du bist krass, wir müssen dich hierherholen», hat mir damals jemand geschrieben. So bin ich dank Tiktok im Nationalteam gelandet.
Nader Jindaoui ist wie du Content-Creator und spätberufener Profifussballer zugleich. Verfolgst du seinen Weg?
Ich habe ihn schon immer verfolgt, weil ich die weibliche Version von Nader bin. Das, was er durchmacht, muss ich auch gerade durchmachen. Er bekommt viele kritische Kommentare – solche Sprüche erwarte ich nun auch. Ihn interessiert das aber wenig, ich bin genauso.
Auf dem Platz konntest du dich diese Saison verletzungsbedingt bisher kaum zeigen. Hat das Spuren hinterlassen?
Direkt zu Beginn der Verletzung hatte ich einen Mental Breakdown. Mein Syndesmoseband war angerissen und ich musste wochenlang zu Hause rumsitzen. Da ist mir so viel durch den Kopf gegangen und ich habe die eine oder andere Träne verdrückt. Die Psychologin hat mir dann aber sehr geholfen.
Wie sehr hat die Verletzung deinen Start im neuen Team erschwert?
Da ich generell ein offener Mensch bin und auch schon eine Mitspielerin persönlich kannte, habe ich schnell Anschluss gefunden.
Im Zuge deines Wechsels hast du von «ambitionierten Zielen» gesprochen. Welche hat der Verein?
Wir wollen uns als Team immer weiter verbessern und dann schauen, wofür es in der Tabelle reicht, das ist auch mein persönliches Ziel. Wir haben enormes Potenzial und harmonieren als Team.
Welche Ziele hast du persönlich?
Nächstes Jahr haben wir mit der albanischen Nationalmannschaft Qualifikationsspiele für die WM 2027. Es ist mein Traum, sich für das Turnier zu qualifizieren. Ein Aufstieg mit Bochum ebenso.
Und welche Ziele hast du als Content-Creatorin?
Ich will die 500'000-Followermarke auf Instagram knacken und meinen Content etwas ändern. Meine Community ist recht international, ich will künftig auch mehr deutsche User erreichen. Und die sollen mich dann besser kennenlernen, nicht nur Schüsse aufs Tor sehen.
