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Basels Luca Zuffi wird verletzt vom Platz transportiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Thun im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 15. Februar 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Luca Zuffi wird nach seinem Kreuzbandriss vom Feld getragen. Bild: KEYSTONE

Die Gefahr der Zeitnot: Ohne seriösen Wiederaufbau droht im Fussball eine Verletzungswelle

Das letzte Mannschaftstraining fand am 13. März statt, so lange ohne Fussball waren die Profispieler noch nie. Darum warnt Norbert Fischer, der Athletiktrainer des FC Aarau, vor einer zu frühen Fortsetzung der Meisterschaft: «Drei Wochen Aufbautraining sind das absolute Minimum.»

Sebastian Wendel / ch media



Klar ist: Sollte im Profifussball die Saison 2019/20 doch noch zu Ende gespielt werden, dann mit sogenannten Geisterspielen, Fans dürfen nur am TV zuschauen. Was Verbände und Klubbosse anfangs noch um jeden Preis vermeiden wollten, ist zur einzigen Option geworden, zum kleineren Übel als der Saison-Abbruch: Die letzten Tranchen der für die meisten Klubs überlebenswichtigen TV-Gelder würden überwiesen und es bräuchte keinen künstlichen Eingriff in die sportlichen Entscheidungen über Meister, Europacup-Teilnehmer sowie Auf- und Absteiger.

Die europäischen Topligen sind bereits in den Startlöchern: In Deutschland wurde der 9. Mai zum Tag der Bundesliga-Wiederaufnahme erkoren, Konzepte sind auch Italien, Spanien und England erstellt.

In der Schweiz ist man längst nicht so weit: Der Bundesrat hat vergangene Woche, als er die Strategie zur Lockerung der Corona-Massnahmen präsentierte, den Mannschaftssport nicht explizit erwähnt.

Vor dem 8. Juni, an dem Phase 3 der Lockerungen startet, verbunden mit der Entschärfung des Versammlungsverbots, werden mit grösster Wahrscheinlichkeit keine Fussballspiele stattfinden. Ob zu einem früheren Zeitpunkt Mannschafts- oder Kleingruppentrainings möglich sind, dürfte der Bundesrat am 13. Mai entscheiden, wenn er sich konkret mit den Anliegen des Sports auseinandersetzen will.

Guillaume Hoarau, Spieler des BSC Young Boys, Mitte, scherzt mit Konditionstrainer Martin Fryand, links, waehrend des Einlaufens zum ersten Training der Saison 2019/20 der Fussball Super League, am Montag, 17. Juni 2019, in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Ein normales Training ist für die Teams derzeit nicht möglich. Bild: KEYSTONE

Dass die Schweiz punkto Zugeständnissen Ländern wie Deutschland und Spanien hinterherhinkt, hängt nicht zuletzt mit der riesigen Lobby zusammen, die der Fussball dort – im Gegensatz zur Schweiz - wirtschaftlich und gesellschaftlich geniesst: Was Milliarden generiert, hat Macht.

Die Zeit wird knapp

Sollten hierzulande Mannschaftstrainings erst ab dem 8. Juni erlaubt sein, müsste die Frage zumindest diskutiert werden, ob eine Fortsetzung der laufenden Saison noch Sinn macht oder ob nicht schon nur die neuen Terminprobleme wegen des verschobenen Starts der nächsten Saison zu gross wären: In der Super und Challenge League sind noch 13 (!) Spieltage ausstehend, plus zwei Barragespiele und drei Cuprunden. Auch wenn im Drei-Tage-Rhythmus gespielt würde: Acht, eher neun Wochen werden für das Restprogramm wohl nötig sein.

Und diese Extremübung könnte nicht sogleich am 8. Juni beginnen. Bis die Fussballer nach der langen Trainings- und Spielpause körperlich wieder im Wettkampf-Modus sind, braucht es Zeit, viel Zeit. Rehaphasen nach Verletzungen ausgenommen, hatten die Spieler seit ihrer Jugend keine derart lange Abstinenz mehr vom Mannschaftstraining.

In der Schweiz fanden die letzten Mannschaftstrainings am Freitag 13. März statt, seit dem am 8. Juni knapp drei Monate vergangen sein werden: Und dann müssten die Spieler nicht nur für den Normalfall von einer Woche Pause zwischen zwei Partien aufgebaut werden, sondern für Ernstkämpfe alle 72 Stunden. Kommt das erste Spiel zu früh, droht eine Verletzungswelle, die schnell die Kader ausdünnen würde.

Grosses Risiko ohne Trainingsaufbau

So sagt Norbert Fischer, der Athletiktrainer des FC Aarau: «Drei Wochen sind das absolute Minimum, das es zwischen der Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings und dem ersten Ernstkampf braucht.» Eine kürzere Vorbereitungsphase, so der erfahrene Experte, wäre gesundheitlich nicht verantwortbar.

«Sobald der Schiedsrichter ein Punktspiel anpfeift, nehmen sich die Spieler nicht mehr zurück, egal, in welcher körperlichen Verfassung sie sind. Fussball ist auch eine Kontaktsportart: Ohne einen sinnvollen Aufbau mit Zweikämpfen in den Trainings und mit den üblichen Abstopp-, Dreh- und Beschleunigungsaktionen, wären muskuläre Verletzungen vorprogrammiert. Fünf bis sechs Wochen Aufbau wären ideal, aber das wird angesichts des engen Terminplans nicht möglich sein.»

Marvin Schulz, Luzern, links, im Zweikampf mit Sions Ermir Lenjani, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Luzern und dem FC Sion, am Sonntag, 20. Oktober 2019 in Luzern. (KEYSTONE/Patrick Straub)

Auch ein normaler Zweikampf kann ohne Training gefährlich werden. Bild: KEYSTONE

Würden bereits früher Trainings in Kleingruppen erlaubt, würde dies laut Fischer einiges erleichtern: «Wir wüssten besser, wo die Spieler körperlich stehen und sie könnten sich bis zum ersten Mannschaftstraining wieder an den Ball gewöhnen. Kommen sie hingegen direkt aus dem Home Office mit reinem Individualprogramm ins Mannschaftstraining, müssten wir auf einem tieferen Niveau beginnen, was sich letztlich auf das Spielniveau auswirken würde, da kaum Zeit übrig bliebe, um an der Taktik und an der Spielausrichtung zu üben.»

Drei Wochen Vorbereitung nach dem 8. Juni: Gemäss den heute geltenden Bestimmungen plus eine dreiwöchige Vorbereitung könnte der nächste Spieltag der Saison 2019/20, es wäre der 24., frühestens am Wochenende des 27./28. Juni stattfinden. Das Saisonende acht Wochen später wäre am zweitletzte August-Wochenende.

Wie erwähnt: Neue Baustellen wie der verspätete Beginn der nächsten Saison und die Umsetzung der Verlängerung der Ende Juni auslaufenden Spielerverträge würden entstehen. Und abgesehen von neuen Terminproblemen und rechtlichen Fragen: Wenn während dieser acht Wochen ein Spieler, Schiedsrichter oder Trainer am Coronavirus erkrankt, müsste die Übung wohl abgebrochen werden.

So viele Ungewissheit führt unweigerlich zur Frage: Ist ein Ende mit Schrecken nicht besser als ein Schrecken ohne Ende? Die Amateure machen es in diesen Tagen vor: Sie löschen die laufende Saison und beginnen sie, sobald möglich, von Neuem.

(aargauerzeitung.ch)

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