Obwohl er nach den Sommerferien ins Training von Chicago Fire zurückkehrte: Dass Xherdan Shaqiri für den US-Klub nochmals ein Spiel bestreiten würde, war unwahrscheinlich. Nicht nach der Generalabrechnung mit seinem Arbeitgeber während der EM, als er unter anderem sagte: «Die Leute in Chicago müssen sich fragen, ob sie die richtigen Spieler geholt haben. Es wurden leider nicht die richtigen Entscheidungen getroffen. Hoffentlich lernt die Führung aus den Fehlern.»
Gestern Mittwoch trat dann das erwartete Szenario ein: Shaqiri, in der Zwischenzeit aus der Schweizer Nati zurückgetreten, löste den Vertrag mit Chicago auf. Und ist ab sofort auf dem Markt. Wie geht es weiter mit ihm? Vier mögliche Szenarien:
«An Spielern wie Xherdan Shaqiri ist der FCB grundsätzlich immer interessiert», sagte Sportchef Daniel Stucki im Juli. Und brachte damit die Herzen der Fans zum Rasen: Kommt es tatsächlich zur Sensationsrückkehr des verlorenen Sohnes?
Gemäss Informationen von CH Media ist die Tür nicht komplett zu, aber derzeit auch nur einen kleinen Spalt offen. Ernsthafte Gespräche zwischen dem Shaqiri-Lager und dem FCB über eine Rückkehr gab es bislang keine. Von Spielerseite müsste das Signal kommen, dass Basel eine ernsthafte Option sei – dann würden auf Klubseite die Optionen abgeklopft.
Grösste Hürde ist der Lohn: Shaqiri verdiente in den USA rund 7 Millionen Franken pro Jahr. Schon die 3 Millionen Jahresgehalt, die sich Shaqiri vorstellt, kann und will der FCB nicht stemmen. Es bräuchte also Shaqiris Willen zum Verzicht. Und im FCB-Umfeld wohl auch eine Privatperson oder eine Firma mit der Lust, dem Publikum den «Zirkus Shaqiri» zu finanzieren.
Das – Stand heute – wohl wahrscheinlichste Szenario: Shaqiri setzt seine Karriere in Griechenland fort. Und zwar bei Panathinaikos Athen.
Der Traditionsklub mit dem Kleeblatt im Logo versucht schon länger sein Glück bei Shaqiri. Anfang Juli gab es Signale aus Griechenland, wonach die Gespräche weit fortgeschritten seien, Shaqiri aber für einen Wechsel erst seinen Vertrag in den USA auflösen müsse. Das ist mittlerweile geschehen – und somit der Weg nach Athen frei.
Dort soll man offenbar bereit sein, dem Linksfuss rund 3 Millionen Jahresgehalt zu zahlen. Eine stolze Summe für einen, der zuletzt nur noch in der Nationalmannschaft auf sich aufmerksam machte, in den zweieinhalb Jahren in der mittelmässigen US-Profiliga MLS aber nie dauerhaft auf Touren kam.
Seit zwei Jahren gilt: Wenn irgendwo ein Spieler mit klingendem Namen aufs Karriereende zusteuert, gibt es sofort Spekulationen um einen Wechsel nach Saudi-Arabien. Cristiano Ronaldo, Neymar, Benzema: Die Scheichs scheuen keinen (finanziellen) Aufwand, um ihre «Saudi Pro League» in den Fokus zu rücken. Mittlerweile wechseln auch zahlreiche Spieler aus einem, zwei oder drei Regalen tiefer in die Wüste – und kassieren dort kräftig ab. Nicht nur Saudi-Arabien, auch Dubai (Haris Seferovic) und WM 2022-Gastgeber Katar sind beliebte Destinationen bei Stars im fortgeschrittenen Alter.
Ein letztes Kapitel in der Karriere wie gemacht also für Xherdan Shaqiri? Der Verdacht liegt nahe. Zumal das Transferfenster in Saudi-Arabien eben erst geöffnet hat und erst im Oktober wieder schliesst. Aber: Die (physischen) Anforderungen an wechselwillige Stars sind mittlerweile hoch. Und die meisten Saudi-Klubs haben ihre begrenzten Plätze für Ausländer besetzt. Kommt dazu: Es gibt bislang weder Gerüchte noch andere Anhaltspunkte, die Shaqiri mit einem konkreten Wüsten-Klub in Verbindung bringen.
Für ihre Vorliebe für klingende Namen sind auch die Klubpräsidenten in der «Süper Lig» bekannt. Fenerbahce Istanbul hat sich diesen Sommer die Dienste von Startrainer José Mourinho gesichert, bei Galatasaray steht nun Hakim Ziyech unter Vertrag, Besiktas schmückte sich mit dem italienischen Stürmerstar Ciro Immobile.
Wie dieses Trio würde man auch Xherdan Shaqiri mit Fanfaren am Flughafen Atatürk, Istanbul empfangen. Aber ein Szenekenner meint gegenüber CH Media, dass ein Wechsel zu einem der drei grossen Istanbuler-Klubs ausgeschlossen sei. Wenn Türkei, dann Trabzonspor, Antalyaspor, Konyaspor. Will Shaqiri sich das antun?
«Es ist der richtige Zeitpunkt, ein neues Kapitel zu beginnen», kommentiert Shaqiri das Aus in Chicago. Meint er damit vielleicht sogar das Karriereende?
Mit dem Rücktritt aus der Schweizer Nati hat Shaqiri vor wenigen Wochen alle überrumpelt. Nun komplett einen Schlussstrich zu ziehen, wäre die noch grössere Überraschung.
Argumente gäbe es schon: Shaqiri hat finanziell längst ausgesorgt. Er muss niemandem mehr etwas beweisen – seine Kritiker werden ihn auf ewig kritisieren, seine Fans auf ewig lieben. Hat er Lust, nach Bundesliga, Serie A, Premier League, Ligue 1 und Chicago wieder in der unprätentiösen Super League die Knochen hinzuhalten? Oder sich anderswo dem immensen Erwartungsdruck, den seine Verpflichtung überall auslösen würde, auszusetzen?
Ist leider so
Seit er von Basel weg ging (Bayern M, Inter, Stoke, Liverpool, Lyon, Chicago) war er nie - ausser eine ganz kurze Zeit bei Stoke - unbestrittener Stammspieler, sondern immer nur - äusserst gut verdienender - Ergänzungsspieler.
Und ja auch 3 Millionen sind zu viel wenn man nicht 90 Minuten spielen kann!