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Joe Mansueto besitzt bereits Chicago Fire, nun übernimmt er auch den FC Lugano.
Joe Mansueto besitzt bereits Chicago Fire, nun übernimmt er auch den FC Lugano.
Bild: keystone

Lugano träumt dank Heitz nun amerikanisch – was das für den Klub bedeutet

Der US-Milliardär Joe Mansueto übernimmt nach Chicago Fire auch den FC Lugano. Er bringt ein illustres Führungsteam und hohe Ziele – doch wieso ins Tessin? Das bleibt wie viel anderes vorerst unklar.
19.08.2021, 10:08
dominic wirth / ch media

Der Mann, der Lugano träumen lassen will, sitzt an diesem Nachmittag weit weg, in Chicago. Im Tessin ist er noch gar nie aufgetaucht, er tut das auch an diesem Tag nicht, an dem er zum ersten Mal als neuer Besitzer des FC Lugano auftritt. Und doch ist Mansueto da, ein grosser Bildschirm im Kongresszentrum bringt ihn kurz nach 16 Uhr ins Tessin.

Joe Mansueto ist der neue starke Mann beim FC Lugano.
Joe Mansueto ist der neue starke Mann beim FC Lugano.
bild: screenshot

Viele seiner Sätze tun das noch ein wenig mehr, vor allem die ersten. Denn gleich zu Beginn seiner Einleitungsrede spricht der Amerikaner das Thema an, dass die Leute in Lugano zuletzt bewegt hat: Der plötzliche Tod von Bürgermeister Marco Borradori von letzter Woche. Seine Gedanken und Gebete seien bei Borradoris Familie, sagt Mansueto. Es bleibt nicht der letzte Ton, den der 64-Jährige trifft.

Es war ein wilder Sommer in Lugano, es ging um die Zukunft des Vereins, darum, wer die Nachfolge von Präsident und Hauptaktionär Angelo Renzetti antritt. Es gab einen ersten Käufer, der viel versprach, aber nichts einlöste, und einige Angst um die Zukunft des FC Lugano. Jetzt sitzt Renzetti im Kongresszentrum und sagt, den wichtigsten Sieg seiner Amtszeit habe der FC Lugano am Ende errungen: mit dem Verkauf des Klubs an Joe Mansueto.

Beim FC Lugano bleibt fast kein Stein auf dem anderen.
Beim FC Lugano bleibt fast kein Stein auf dem anderen.
Bild: keystone

Dessen Vermögen beziffert das US-Magazin «Forbes» auf knapp sechs Milliarden Dollar. Mansueto hat Vorfahren in Italien und sein Vermögen in der Finanzbranche gemacht, in der er einst ganz klein anfing. Er hat im Rahmen einer Initiative von Bill Gates wie andere Schwerreiche versprochen, dereinst mehr als die Hälfte für gute Zwecke zu spenden. Und er investiert derzeit in Immobilien – und in den Fussball. 2019 hat er Chicago Fire, einen Klub in der amerikanischen Major League Soccer, übernommen, Kostenpunkt: 400 Millionen Dollar.

Während Mansueto via Bildschirm in Lugano auftritt, sitzt seine illustre neue Führungsriege in Fleisch und Blut im Kongresszentrum. Da ist Martin Blaser, der neue CEO des FC Lugano, der den Schweizer Sport in verschiedenen Funktionen in- und auswendig kennengelernt hat und derzeit als Geschäftsführer von Ringier Sports, dem Sportvermarktungsarm des Medienkonzerns Ringier, amtet.

Martin Blaser ist der neue CEO des FC Lugano.
Martin Blaser ist der neue CEO des FC Lugano.
Bild: keystone

Ringier Sports wiede­rum hat mit der Gesellschaft, die den FC Lugano neu besitzt, eine Zusammenarbeit vereinbart. Laut dieser übernimmt Ringier Sports und in deren Auftrag eben Martin Blaser die operative Leitung in Lugano – ein Arrangement, mit dem die Tessiner im Schweizer Fussball Neuland betreten und das einige Fragen aufwirft, die erst die Zukunft beantworten wird.

Drahtzieher Georg Heitz

Und da ist auch Georg Heitz, ein bekanntes Gesicht im Schweizer Fussball. Heitz hat einst die grosse Ära des FC Basel als Sportchef mitverantwortet. Mittlerweile ist er in derselben Funktion bei Chicago Fire tätig; er hat dort Raphael Wicky, einen anderen Ex-Basler, als Cheftrainer installiert.

Heitz will aus dem FC Lugano nicht das Farmteam von Chicago Fire machen.
Heitz will aus dem FC Lugano nicht das Farmteam von Chicago Fire machen.
Bild: keystone

Heitz war der Mann, der diesen Deal erst möglich machte, so schildert das auch Mansueto, der – ganz Amerikaner – Heitz für seinen «outstanding job», seine aussergewöhnliche Arbeit, dankt. Künftig wird der Basler im Verwaltungsrat des FC Lugano sitzen, aber in Chicago bleiben und nur sporadisch im Tessin präsent sein.

Das sagt Sportchef Heitz:

Warum die Schweiz?

«Weil wir die Liga, den Markt kennen, das ist der wichtigste Grund. Und dann ist es in Lugano auch wunderschön, das ist natürlich ein Argument. Der Hintergrund ist auch der, dass immer wieder Leute an Joe Mansueto herantraten, um ihm einen Fussballklub zu verkaufen. Wir haben dann in Chicago eine Strategie entworfen – und die umfasste, einen Klub in der Schweiz zu kaufen. Es kann sein, dass das noch erweitert wird. Unmittelbar gibt es hier aber noch keine Pläne. Jetzt geht es darum, zu schauen, ob wir das überhaupt können: Mit einem anderen Klub kooperieren.»

Der Nutzen für Chicago Fire?

«Wir haben in Chicago viel Geld in Scouting und Analyse investiert. Das wollen wir optimal nutzen. Wir haben so viele Spieler auf unserer Liste, dass wir sie auch in zwei Vereinen nicht unterbringen können. Aber vielleicht ergibt sich da die eine oder andere Möglichkeit. Zudem: In Nordamerika gibt es im Sommer ein kurzes Transferfenster und im Winter ein langes. In der Schweiz ist das umgekehrt. Das gibt uns viel Flexibilität, etwa für den Austausch von Spielern.»

Seine Rolle in Lugano?

«Ich bin Verwaltungsrat und vertrete die Interessen des Investors aus Chicago. Es ist schon so, dass beim Sportteil die letzte Verantwortung in Chicago liegt, unter anderem bei mir. Es ist aber ausdrücklich nicht die Idee, dass der FC Lugano zu einem Farmteam von Chicago Fire wird. Ich werde sicher alle drei Monate hier sein, wobei auch andere Verantwortliche aus Chicago nach Lugano kommen werden. Es wird also immer jemand hier sein. Die Idee ist es natürlich, dass die Philosophien übereinstimmen.»

Die Ziele mit Lugano?

«Wir sind ambitioniert, das ist richtig, aber es ist natürlich auch so, dass wir etwas Zeit brauchen werden. Im Moment ist das noch nicht unsere Realität. Es geht zuerst einmal darum, in der Super League zu bleiben. Wir werden nun auch nicht fünf neue Spieler holen, eher zwei, drei. Aber wir werden investieren, auf kluge Art und Weise.»

Mansueto erzählt gerne, dass seine Liebe zum Fussball von seinen Kindern entfacht wurde. Gleichzeitig tätigen Männer wie er keine Investitionen, ohne einen Plan zu haben. Wieso also Lugano? So richtig klar wird das nicht. Der Multimilliardär sagt Sätze, die man sagt, wenn man nicht zu viel preisgeben will. Er wolle Freude nach Lugano bringen. Oder: Die Schweizer Liga sei sehr kompetitiv – eine Einschätzung, über die sich zumindest streiten lässt.

Mansueto bleibt oft im Ungefähren, aber er macht auch das eine oder andere klar: vor allem, dass er langfristig denkt und plant und gekommen ist, um zu bleiben. Das ist schnell gesagt, doch die Art, mit der er seinen anderen Fussballklub, Chicago Fire, führt, legt nahe, dass es ihm ernst ist. Und dann macht Mansueto auch deutlich, dass er grosse Ambitionen hat.

Er sagt zwar nicht, wie viel er in den FC Lugano investieren will. Kündigt keine Summe von 50 Millionen Franken an, wie das GC-Präsident Sky Sun einst getan hat. Doch er bekräftigt, dass der Verein wachsen soll. Und es längerfristig das Ziel sei, um Titel mitzuspielen, «es ist hart für mich, in etwas zu investieren, ohne daran zu denken», sagt er.

Der FC Lugano ist der dritte Super-League-Klub, der zuletzt von einem ausländischen Investor übernommen worden ist. Und er ist wie die Grasshoppers und Lausanne künftig Teil eines Konstrukts, zu dem noch andere Fussballvereine gehören. Was das für den Tessiner Klub heisst, ist aber weniger vorhersehbar. Während Lausanne und GC in erster Linie als Farmteams für die grossen Geschwister in Nizza und Wolverhampton fungieren, ist die Hierarchie – und damit auch der Nutzen für die beiden Vereine – im Fall von Chicago und Lugano weniger klar.

So richtig konkret wird Joe Mansueto auch bei dieser Frage nicht. Er spricht von den Vorteilen, die es habe, mehrere Klubs zu haben, etwa beim Scouting von Spielern. Und er macht ein Versprechen, das man in Lugano nicht vergessen wird: dass es kein Farmteam geben werde. Sondern zwei Partnervereine.

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quelle: keystone / paolo foschini
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