Eine Minute nach seinem historischen Treffer war Marwin Hitz wieder zurück im eigenen Tor, den Oberkörper vorgeneigt. Mit den Händen auf den Knien sah er das Spiel vor sich an. Er versuchte, sich noch so gut es ging zu konzentrieren auf die verbleibenden Spielsekunden, während das ganze Stadion immer noch jubelte und seinen Namen schrie; an der Seite hatte der vierte DFB-Offizielle Christian Fischer grosse Mühe, die ausgeflippten Auswechselspieler wieder vom Feld zu schieben.
Der 27 Jahre alte Torwart des FC Augsburg hatte in der vierten Minute der Nachspielzeit gegen Bayer Leverkusen zum 2:2 für seine Mannschaft getroffen. Zunächst wollten sie ihn gar nicht zurücklassen an seine angestammte Position. «Ich bin festgehalten worden, und dann musste ich noch ein bisschen mitjubeln», erzählte Hitz später, und sagte: «Ich bin nicht der grosse Jubler.» Aber er lasse sich jetzt etwas einfallen, fürs nächste Mal.
Hitz musste sich vielen Fragen stellen, mehr noch als Leverkusener Torschüssen während des Spiels. Der Schweizer liess das alles über sich ergehen, ein Lächeln stand ihm dabei im Gesicht. Doch sein Blick verriet auch, dass er dieses Tor und den anschliessenden Rummel um seine Person noch nicht ganz verarbeitet hatte. Nach seiner Ehrenrunde durch das Stadion wirkte er ein bisschen wie in Trance, in der Kabine wurde er von den Mitspielern auch noch mit Standing Ovations bedacht, wie Manager Stefan Reuter erzählte.
«Es war ja schwierig für mich. Ich war lange verletzt», sagte Hitz über seine Kreuzbandverletzung, die er sich Ende November beim Spiel gegen den VfB Stuttgart zugezogen hatte, gegen Leverkusen stand er zum ersten Mal wieder zwischen den Pfosten. «Nach so einer Verletzung so aus der Drehung, das hätte man nicht besser machen können», schwärmte danach Mitspieler Halil Altintop, der kurz nach dem 2:2 beinahe noch das Siegtor erzielt hätte, aber nur den Pfosten traf.
«Ich habe zum Trainer geguckt, und der hat nach vorne gewinkt», erzählte Hitz später über seinen Ausflug. Doch er hatte sich dabei auch bewusst einen freien Raum gesucht, wie er später erzählte, er hatte einen kühlen Kopf bewahrt.
Einen kühlen Kopf hatte auch Weinzierl, als er sich vor dem Spiel zum ersten Mal wieder für Hitz entschieden hatte. Auf die Gründe angesprochen, sagte er: «Weil er fussballerisch der Bessere ist.» Er dachte dabei natürlich ausschliesslich an den Spielaufbau. Dann kam die vierte Minute der Nachspielzeit.