Sport
Fussball

EM 2024: Okafor und Elvedi sind bisher die zwei Verlierer in der Nati

Switzerland's Ruben Vargas, Noah Okafor and Xherdan Shaqiri, from left, arrive for a training session at the Robert-Schlienz-Stadion in Stuttgart, Germany, Tuesday, June 18, 2024. The Swiss natio ...
Noah Okafor (rechts neben Ruben Vargas) spielte noch keine Sekunde an dieser EM.Bild: keystone

Okafor und Elvedi, die zwei Nati-Verlierer zum EM-Auftakt – wie gehen sie damit um?

Die Entwicklung von Noah Okafor und Nico Elvedi bereitet Sorgen. Die beiden Nati-Sorgenkinder gehen verschieden mit ihrer Rolle um. Wie sind ihre Aussichten?
21.06.2024, 10:0321.06.2024, 15:36
Etienne Wuillemin, Köln / CH Media
Mehr «Sport»

Sein Blick? Grimmig. Möglichst kein Augenkontakt mit dem wissbegierigen Reporter. Seine Ohren? Airpods drin. Signal: Ich kann und will nichts hören. Seine Geste: Zeigefinger kurz in die Luft, hin- und her wedeln.

Viel deutlicher ist nicht möglich: «NEIN!», schreit der Körper von Noah Okafor, «ich sage nichts». Er läuft wortlos vorbei. Ist das noch Enttäuschung? Oder schon Frustration? Man wüsste das gerne.

Noah Okafor hat unsere Fantasie angeregt. Ende 2021 war das. Zwei grossartige Auftritte in Rom und Luzern, als er mithalf, die Schweiz an die WM und Italien in die Depression zu schiessen. Okafor, der nächste Stern am Schweizer Fussball-Himmel?

epa09584083 Switzerland's Noah Okafor celebrates after scoring the 1-0 lead during the FIFA World Cup 2022 group C qualifying soccer match between Switzerland and Bulgaria in Lucerne, Switzerland ...
Okafor 2021 nach dem 1:0 gegen Bulgarien.Bild: keystone

Als Milan-Joker überzeugt er

Zwei Jahre und gut sieben Monate sind vergangen seither. Und Okafor ist nur noch ein Rätsel. Schon die WM 2022 war eine Enttäuschung für ihn. Zusammengezählt kommt er nicht einmal eine Halbzeit zum Einsatz in den vier Spielen. Nun ist EM – und alles wird noch schlimmer. Keine Sekunde durfte Okafor in den beiden Partien spielen. Als einziger der Nati-Offensivabteilung. Es ist eine Bilanz, die so gar nicht zu seinen Ansprüchen passt.

Seit Sommer spielt Okafor bei der AC Milan. Nicht immer von Anfang an. Und nicht immer sind die Auftritte gut. Aber die italienischen Gazetten sind zufrieden mit seinen Auftritten. Vor allem als Joker überzeugt er. Sechs Tore stehen in der Bilanz. Das ist in der Tat ansprechend.

EM-Debüt am Sonntag?

Okafor reist Ende Mai mit dem Selbstverständnis zur Nati, dass für ihn eine der Hauptrollen reserviert sein müsste. Zumal, wenn er auf die Klubnamen seiner Konkurrenz im Sturm blickt. Burnley, Augsburg, Rasgrad, Bologna, Chicago. Das tönt alles nicht nach grosser Fussballwelt. Zumal Breel Embolo ja noch angeschlagen ist.

Mg Milano 17/12/2023 - campionato di calcio serie A / Milan-Monza / foto Matteo Gribaudi/Image nella foto: esultanza gol Noah Okafor PUBLICATIONxNOTxINxITA
Okafor im berühmten Trikot der AC Milan.Bild: www.imago-images.de

Aber so ist das eben nicht. Und darum bleiben vorerst viele Fragen: Wie geht Okafor mit seiner Enttäuschung um? Gelingt es ihm bald, die schlechte Laune ein bisschen besser zu verstecken? Versucht er in den Trainings, Murat Yakin und Giorgio Contini mit Biss und Ernsthaftigkeit von sich zu überzeugen? Und zeigt er vielleicht auch wieder einmal eine positive Körpersprache im Ernstfall, sollte er doch noch eine Spielgelegenheit erhalten? Die Prognose: Gegen Deutschland am Sonntag könnte es für ein paar Spielminuten reichen.

Elvedis Verlust des Stammplatzes

Noah Okafor ist nicht der einzige Schweizer Verlierer dieser zwei ersten EM-Spiele. In der Defensive hat Nico Elvedi seinen Platz in der Innenverteidigung verloren. Seit Sommer 2018 war Elvedi fixer Bestandteil der Nati. Egal, ob unter Vladimir Petkovic oder Murat Yakin, er hatte seine Position stets auf sicher.

Nun hat sich das Blatt erstmals gewendet. Obwohl die Nati mit drei Innenverteidigern agiert, ist der mittlerweile 27-Jährige Ersatz. Es ist eine Entwicklung, die Elvedi natürlich nicht gefällt. Sein Umgang damit ist indes anders als jener von Okafor. Als Elvedi von CH Media um eine Einschätzung seiner Gefühlslage gebeten wird, tut er das in freundlichem und professionellem Ton. «Klar wäre ich gerne auf dem Platz gestanden. Das ist kein Geheimnis. Aber der Trainer hat so entschieden und das akzeptiere ich.»

AEBISCHER Michael Team Schweiz jubelt nach seinem Tor zum 0 : 2 mit EMBOLO und ELVEDI UEFA Fussball EURO 2024 in Deutschland Spiel Gruppe A Ungarn - Schweiz 1 : 3 am 15.06.2024 in Koeln DFL REGULATION ...
Teamplayer: Elvedi (Zweiter von rechts) feiert mit Michel Aebischer dessen 2:0 gegen Ungarn.Bild: www.imago-images.de

Verlorenes Selbstvertrauen im Klub

Der Entscheid, Elvedi auf die Bank zu setzen, ist verständlich. Er strahlt derzeit nicht die Sicherheit und das Selbstverständnis seiner besten Tage aus. Tage, an denen sogar der FC Barcelona darüber nachdachte, Elvedi zu verpflichten. Mit Mönchengladbach hat Elvedi eine Saison hinter sich, die er selbst «mittelmässig» nennt, «auch das ist kein Geheimnis». Und er fügt an: «Die Hinrunde war eigentlich gut. Aber vor allem gegen den Schluss war es nicht mehr so das, was ich eigentlich kann.»

Nun ist es selten, dass im Verlauf eines gesamten Turniers die Innenverteidigung stets dieselbe bleibt. Alleine schon wegen möglichen Sperren. Fabian Schär kann ein Lied davon singen. Schon zweimal hat er deswegen einen Achtelfinal verpasst. Ebendieser Schär hat sich gegen Schottland auch noch das Nasenbein gebrochen. Es ist darum nicht ausgeschlossen, dass Elvedi plötzlich noch gebraucht wird. Er sagt: «Ich bin Profi genug, dass ich immer bereit bin. Und der Trainer weiss, dass er auf mich zählen kann.»

Bleibt Elvedi auch über diesen Sommer hinaus in Mönchengladbach, würde er in seine zehnte Saison bei der Borussia starten. Vermutlich würde ihm eine Luftveränderung durchaus guttun. Ein Transfer in die Premier League zu Wolverhampton kam im letzten Sommer knapp nicht zustande. Nein, es sind gerade nicht die einfachsten Tage für Elvedi. Aber man darf ihm zutrauen, dass er wieder aus dem Tief herausfindet.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Fussball-EM 2024
1 / 102
Die besten Bilder der Fussball-EM 2024
Spanien jubelt als Europameister! Im Final schlägt die «Furia Roja» England dank eines späten Tors von Mikel Oyarzabal mit 2:1.
quelle: keystone / frank augstein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Shaqiri tüpft wie ein Gott – und die Kommentatoren so
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ziasper
21.06.2024 11:03registriert September 2017
Elvedi wird sicher starten gegen Deutschland, da man Schär durchaus eine Pause gönnen kann mit seiner Nase.
Und warum Okafor bisher nicht als Joker eingesetzt wurde, weiss wieder mal nur Muri.
202
Melden
Zum Kommentar
2
    Also doch: Kein Frauenhockey – kein Direktsponsoring mehr von der Postbank
    Im letzten Herbst hat die Postbank (PostFinance) angekündigt, künftig nur noch NL-Klubs mit Direktsponsoring zu alimentieren, die ein Frauenteam in der höchsten Liga betreiben. Nun folgt die offizielle Bestätigung, dass diese «Drohung» tatsächlich wahr gemacht wird.

    Die Kommunikations-Abteilung der PostFinance bestätigt auf Anfrage: «Ja, das Konzept wird wie angekündigt umgesetzt.» Und im Detail wird ausgeführt: «Unsere Ligapartnerschaften mit der National League und der PostFinance Women’s League stehen im Mittelpunkt unseres Engagements. Alle Klubs beider Ligen profitieren weiterhin von der Topscorer-Prämie, die direkt an die Klubs ausgezahlt wird. Zusätzlich engagieren wir uns gezielt im Sponsoring von einzelnen Klubs. Ab der nächsten Saison ist eine der Voraussetzungen für ein solches Sponsoring, dass der Klub sowohl in der National League als auch in der PostFinance Women’s League ein Team stellt. Mit den betroffenen NL-Klubs haben wir bereits vor über einem Jahr das Gespräch gesucht und unsere Strategieanpassung frühzeitig kommuniziert. Die Partnerschaften mit dem HC Ambri-Piotta und dem SC Bern sind verlängert worden.»

    Zur Story