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So sah es aus, das nebulöseste Geisterspiel der Fussballgeschichte.
So sah es aus, das nebulöseste Geisterspiel der Fussballgeschichte.bild: srf

SRF-Reporter Gehrer über das Nebel-Spiel: «Ich konnte schlecht einfach nach Hause gehen»

Nach dem 1:0-Sieg von YB in der Europa League bei CSKA Sofia gibt das Resultat weniger zu reden als das Wetter. Die Fernsehzuschauer sahen wegen immer dichterem Nebel kaum, was sich auf dem Rasen ereignete. Der ärmste Tropf: SRF-Reporter Mario Gehrer, der ein Spiel kommentieren musste, von dem er so gut wie nichts sah.
27.11.2020, 08:0327.11.2020, 13:01

Ein Treffer von Jean-Pierre Nsame reicht YB, um weiterhin gute Aussichten zu haben, in der Europa League zu überwintern. Der Kameruner trifft in der 34. Minute – aber wie?

Stockdicker Nebel liegt über dem Rasen des Wassil-Lewski-Stadions in Sofia. So dass SRF-Reporter Mario Gehrer bloss vermelden kann: «1:0 für die Young Boys, so viel habe ich gesehen. Der Ball ist im Tor. Das grosse Rätsel ist, wer der Torschütze ist.»

Ein Gefühl der Ohnmacht

Seit fünf Jahren ist der Ostschweizer Live-Kommentator beim Schweizer Radio und Fernsehen. «Aber so etwas habe ich noch nie erlebt», schildert Gehrer im Gespräch mit watson. «Es ist eigentlich ziemlich essenziell in meinem Job, dass ich etwas sehe.»

Er sei völlig machtlos gewesen in seinem Studio in Zürich (auf Auswärtsreisen verzichtet das SRF derzeit aufgrund der Corona-Pandemie). «Wenn du direkt aus dem Stadion kommentierst, ist der grosse Vorteil, dass du einen Rundumblick hast, der dir im Studio fehlt. Ich fühlte mich ohnmächtig, weil ich gar nichts an meiner Situation ändern konnte. Ich hatte das gleiche Fernsehbild wie alle Zuschauerinnen und Zuschauer und musste sehen, dass ich damit klar komme.»

Mario Gehrer ist bei SRF unter anderem Livekommentator von Fussball und Leichtathletik.
Mario Gehrer ist bei SRF unter anderem Livekommentator von Fussball und Leichtathletik.Bild: SRF/Oscar Alessio

Vor sich hatte der 40-Jährige einen überdimensionalen Fernseher und in sich trug er die Hoffnung, seine Lage vielleicht doch etwas beeinflussen zu können. «Ich sass recht angespannt da, rückte näher an den Bildschirm heran, hoffte durch Blinzeln mehr erkennen zu können. Aber dann stellte ich fest: Das nützt alles nichts.»

«Ich konnte ja schlecht die Hände verwerfen und nach Hause gehen»

Die Halbzeitpause war besonders in diesem Spiel nicht nur für die Akteure auf dem Rasen wertvoll, sondern auch für den Mann am Mikrofon. Er habe versucht, Informationen über Spielabbrüche und -verschiebungen zusammenzutragen, und über Zwischenfälle mit Nebel, erzählt Gehrer. So, dass er die Zuschauer auch in der zweiten Halbzeit unterhalten konnte.

«Der Nebel war das grosse Thema und leider nicht das Spiel – das sah ja ohnehin keiner», stellt er fest. «Ich hätte schon meine Geschichten über den linken Aussenverteidiger erzählen können, aber das wäre in dieser Situation nicht angemessen gewesen.»

Apokalyptisch: So wird wohl dereinst das letzte Fussballspiel vor dem Weltuntergang aussehen.
Apokalyptisch: So wird wohl dereinst das letzte Fussballspiel vor dem Weltuntergang aussehen.Bild: keystone

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt

Fernsehzuschauer kennen Sorgen mit dem Nebel in erster Linie von Skirennen. Da kommt es regelmässig vor, dass sich der Start verzögert, weil das Wetter nicht mitmacht. «Aber beim Fussball? Auf so ein Szenario konnte ich gar nicht vorbereitet sein», stellt Gehrer fest. «Mir blieb nur übrig, zu versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich konnte ja schlecht die Hände verwerfen und einfach nach Hause gehen.»

«Das ist definitiv ein Spiel, das mir in Erinnerung bleiben wird», betont Mario Gehrer. Er wolle nicht unbedingt noch einmal eine Partie quasi halbblind kommentieren müssen. Andererseits sei die Ungewissheit auch das Schöne an seinem Beruf: «Du weisst vor einem Fussballspiel nie, was dich erwartet.»

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