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ARCHIV - ZUM KEYSTONE-SDA-TEXT DER SPORTREDAKTION UEBER DEN SIEG DES FC ZUERICH IM CHAMPIONS LEAGUE-GRUPPENSPIEL GEGEN DIE AC MILAN AM 30. SEPTEMBER 2009 IN MAILAND, ITALIEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - epa01881376 Zurigo Hannu Tihinen (C) jubilates after scoring against Ac Milan during the Champions League soccer match, Ac Milan vs FC Zurich, at Meazza stadium in Milan, Italy on 30 September 2009. (KEYSTONE/EPA/MATTEO BAZZI)

Hannu Tihinen jubelt über den Siegestreffer in Mailand. Bild: EPA

«Schlicht Weltklasse» – als Hannu Tihinen den FCZ zum Sieg gegen Milans Weltstars führte

Ende September 2009 reist ein FC Zürich in der Krise nach Mailand und gewinnt dort in der Champions League sensationell gegen Milan. Das entscheidende Tor zum 1:0 erzielt Hannu Tihinen mit dem Absatz.



Mitternacht war längst vorüber, da nahm Ancillo Canepa in der Lobby des vornehmen Mailänder Hotels Melia Platz auf einer auf Hochglanz polierten alten Vespa. Er hatte seine Pfeife im Mund, er strahlte, und seine Augen glänzten – fast noch mehr als das ur-italienische Gefährt, auf dem er sass.

Wenige Stunden zuvor hatte sein FC Zürich den grössten Sieg seit der Qualifikation für die Halbfinals im Meistercup 1977 gefeiert. Und jetzt sagte der Zürcher Präsident nach diesem 1:0 in der Champions League auswärts gegen Milan: «Das war die Antwort auf alles. Jetzt haben wir wieder Boden unter den Füssen.»

Zurich players  celebrate after winning the Champions League, group C, soccer match between AC Milan and FC Zurich at the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, Sept. 30, 2009. Zurich won 1-0. (AP Photo/Antonio Calanni)

Die FCZ-Spieler lassen sich nach dem Sieg feiern. Bild: AP

Canepa sprach so, weil die Zürcher zwei Tage zuvor mit einem grossen Koffer voll Sorgen nach Italien gereist waren. Der amtierende Schweizer Meister war nach zwei Niederlagen in der Super League gegen die Young Boys und Neuchâtel Xamax in die Krise gerutscht. Der Zirkus wirke irgendwie abgetakelt, hatte die NZZ geschrieben.

Ein perfekter Zürcher Abend

Doch dann wuchs der FCZ ausgerechnet bei einer der grösseren Aufgaben der gesamten Saison über sich hinaus. Man habe den Alltag an diesem Abend hinter sich gelassen, sagte später der damalige FCZ-Sportchef Fredy Bickel. Also spielten die Zürcher im Mailänder Giuseppe Meazza, wo sie ein Jahr zuvor im UEFA-Cup noch chancenlos geblieben waren, wie in den Ferien: Losgelöst von jeder Anspannung, bereit, etwas Aussergewöhnliches zu erleben.

Und aussergewöhnlich war tatsächlich alles an diesem Abend. Das Resultat, natürlich. Aber auch die Art und Weise, wie es zustande kam. Das entscheidende Tor schoss Verteidiger Hannu Tihinen. Schon in der 10. Minute und mit dem Absatz – so, als wären sogar «Künstler wie Roberto Mancini, Zlatan Ibrahimovic oder Gianfranco Zola neidisch auf ihn», schrieb die «Gazzetta dello Sport» am Tag danach.

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Den entscheidenden Treffer von Tihinen im Video. quelle: youtube/Rphase1

«Dieses Tor war schlicht Weltklasse»

In Abwesenheit der verletzten Kreativspieler Eric Hassli und Yassine Chikhaoui und mit Stars wie Andrea Pirlo, Clarence Seedorf oder Ronaldinho auf der Gegenseite sorgte ausgerechnet Tihinen, der «barbarische Finne» (Gazzetta dello Sport) für den Glanzpunkt, für ein Tor, das es «in die Top Ten der Champions-League-Saison» schaffen würde, wie FCZ-Captain Silvan Aegerter prophezeite. «Dieses Tor war schlicht Weltklasse», kommentierte Canepa.

Zum zweiten Zürcher Matchwinner avancierte Torhüter Johnny Leoni. Ausgerechnet er, hätte man auch über ihn sagen können. Zwei Wochen zuvor im Heimspiel gegen Real Madrid hatte Leoni mehrere haltbare Gegentore kassiert. Der «Blick» machte ihn darauf zum «Johnny Depp». Nach dem Spiel gegen Milan war Leoni auf dem Boulevard dann «Johnny Cash». Schliesslich kassierte der FCZ dank den Paraden von Leoni für diesen Sieg 1,2 Millionen Franken Prämie von der UEFA.

Zurich goalkeeper Johnny Leoni reacts at the end of a Champions League, Group C, soccer match between AC Milan and Zurich, at the Milan San Siro stadium, Italy, Wednesday, Sept. 30, 2009. Zurich won 1-0. (AP Photo/Luca Bruno)

From Zero to Hero: Johnny Leoni Bild: AP

Tihinens Tor mit dem Absatz, Leonis Paraden gegen Filippo Inzaghi, der Zürcher Auswärtssieg gegen den siebenfachen Champions-League-Sieger Milan. Sie blieben als schöne Erinnerungen zurück, waren letztlich aber wie ein Ferienflirt, der nicht zu einer Alltagsbeziehung führte.

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So sieht Verzweiflung aus: Milan-Journalist Tiziano Crudeli während der Partie gegen den FCZ. quelle: youtube/crozzopizzo

Auf die Sensation folgt das Tief

Nachdem Canepa von der Vespa gestiegen war und sich zur entspannten Runde mit Journalisten und Edel-Fans an die Hotelbar zurückgezogen hatte, sagte SRF-Experte Gilbert Gress: «Das war nur ein Sieg in einer Schlacht. Aber die Toten zählt man erst nach dem Krieg.»

Das Orakel aus dem Elsass sollte Recht behalten. Der Alltag holte den FCZ nämlich schnell ein. Vier Tage nach dem Erfolg gegen Milan verloren die Zürcher in der Meisterschaft gegen Bellinzona. In der Champions League holten sie aus den restlichen vier Spielen nur noch einen Punkt und schieden als Gruppenletzte aus.

Die Saison in der Super League beendete der FCZ auf dem 7. Platz und Meistertrainer Bernard Challandes wurde entlassen – nur ein halbes Jahr nach dem legendären Mailänder Abend. (dab/sda)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • locogoa 18.05.2020 21:48
    Highlight Highlight Da kommen Erinnerungen hoch ...😂😂😂
    Spiel kaum zu erkennen von zuoberst, viele borghetti und danach die ganze Treppe runter torkeln,...😂😂😂😂
  • Jacob Crossfield 18.05.2020 19:14
    Highlight Highlight Abgeschaut von einem finnischen Volkstanz. Ich heute noch über Hannus Interview grinsen.
  • 34RS90 18.05.2020 19:11
    Highlight Highlight Genau so Spieler wie Hannu Tihinen fehlen dem FCZ.
  • RichiZueri 18.05.2020 16:44
    Highlight Highlight Was für ein legendärer Abend! Zuerst zitterten wir, ob wir es doch noch rechtzeitig auf den Anpfiff ins Stadion schaffen. Wir taten es, um 10 Minuten später gut anderthalb Stunden bis zum erlösenden Schlusspfiff weiter zu zittern. Für solche Nächte lebt man als Fan.
  • Phö 18.05.2020 16:35
    Highlight Highlight Eine unvergessliche Reise ins San Siro. Die Schlagstöcke der Carabienieri hätten nicht sein müssen. Neben Hamburg für mich das Highlight der FCZ Auswärtsfahrten. Scheisse bin ich Alt geworden.
    • locogoa 19.05.2020 00:34
      Highlight Highlight Neben Graz auch eines meine Highlights.... unübertrefflich bleibt aber Warschau.... nicht wegen dem Spiel sondern wegen der Erfahrung allgemein... und ja scheisse wir sind alt geworden...😂🍺😎
  • Glenn Quagmire 18.05.2020 15:08
    Highlight Highlight Hat sich da nicht einer der Fans einige Finger weggesprengt oder so?
    • Ragnarsson 18.05.2020 15:34
      Highlight Highlight 1. Passierte das in Rom gegen Lazio 2011 und 2. ist der Kommentar unnötig.
    • lanipunk 18.05.2020 15:55
      Highlight Highlight ähm, nein, das war soweit ich weiss Jahre später in Rom ;-)
    • Glenn Quagmire 18.05.2020 16:06
      Highlight Highlight @Ragnarsson: wenn sich ein junger Mann verletzt, findest du es also nicht tragisch? Kam mir einfach in den Sinn....nicht aus Schadenfreude oder so.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ferd Blu 18.05.2020 14:55
    Highlight Highlight Das war einer der geilsten Siege als FCZ Fan. Unglaublich damals Milan zu besiegen, mit so einem geilen Hackentor. Wirklich geil. So Spieler wie Tihinen vermisse ich beim FCZ.
    • lanipunk 18.05.2020 15:56
      Highlight Highlight Das waren so ziemlich die längsten Nachspielminuten die ich je in einem Stadion ertragen musste!

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