DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Chris Herbert (links) feiert mit einem weiteren Fan den Gewinn der britischen Meisterschaft im Frühling 2017.
Chris Herbert (links) feiert mit einem weiteren Fan den Gewinn der britischen Meisterschaft im Frühling 2017.
Bild: Chris Herbert
Interview

Warum Chris Herbert im fussballverrückten Wales zum fanatischen Eishockey-Fan wurde

Eishockey-Fans in Wales – doch, die gibt es tatsächlich. Eine kleine, fanatische Gruppe fährt mit dem Auto über 4000 Kilometer weit, um ihr Team in der Champions Hockey League spielen zu sehen. Wir haben mit einem dieser Anhänger gesprochen.
23.08.2017, 17:10

Am Donnerstagabend spielt der HC Davos zuhause gegen die Cardiff Devils seine erste Partie in der Champions Hockey League. Mit dabei sein wird auch Chris Herbert. Gemeinsam mit sieben weiteren Devils-Fans reist er quer durch Europa, um sein Team auf der internationalen Bühne spielen zu sehen. 

Chris Herbert, wie wurden Sie Eishockey-Fan in Wales?
Chris Herbert:
Ich ging mit meinem Nachbar an ein Spiel der Cardiff Devils, es war sein Vorschlag. Das war vor sieben Jahren und ich habe es keine Sekunde bereut.

Die Cardiff Devils jubeln mit ihren Fans.
Bild: Helen Brabon

Ist der Sport in Ihrem Land beliebt?
Die Beliebtheit steigt. Vor drei Jahren haben neue Besitzer die Devils übernommen. Seither berichten mehr Mainstream-Medien, inklusive der BBC, darüber. Das hilft, den Sport weiter zu verbreiten. Aber in Wales gibt es immer noch nur zwei Eishallen – eine in Deeside in North Wales und eine in Cardiff in South Wales.

Fussball war für Sie nie eine Option?
Fussball ist im Vereinigten Königreich immer eine Option. Aber es ist einfach sehr teuer. Als Beispiel: Ein Saisonabo im Fussball bei Cardiff City kostet zwischen 299 und 519 Pfund (372.- bis 645.- Fr.) für 23 Heimspiele. Ein Saisonabo der Cardiff Devils kostet 410 Pfund (510.- Fr.) für 32 Heimspiele. 

Was fasziniert Sie am Eishockey?
Es war die Schnelligkeit dieses Spiels, die mich gefesselt hat. Im Gegensatz zu Rugby, bei dem es immer wieder längere Unterbrüche gibt, fliesst ein Eishockeyspiel während 60 Minuten. Du weisst auch nie, was passiert. In einem Moment bist du am verteidigen und plötzlich stehst du wieder vor dem gegnerischen Tor.​

Devils-Spielertrainer Andrew Lord im Zweikampf mit einem Spieler von Sheffield.
Devils-Spielertrainer Andrew Lord im Zweikampf mit einem Spieler von Sheffield.
Bild: Helen Brabon

Weshalb sind die Cardiff Devils ihr Team?
Sie sind aus meiner Stadt. Ich wohne etwa 30 Kilometer vom Stadion entfernt. Zudem sind sie das erste Eishockey-Team, dem ich zugeschaut habe und wir sind genau gleich alt. Bei den ersten Spielen halfen mir langjährige Fans, das Spiel zu verstehen. Mit der Zeit war ich mehr und mehr involviert im Verein. Ich lernte die Spieler kennen und habe innerhalb der Devils-Familie viele Freunde gefunden.

Für die Champions Hockey League absolvieren Sie einen riesigen Roadtrip. Wie sieht der genau aus?
Mit acht Leuten in zwei Autos fahren wir von Cardiff nach Dover. Von dort geht es mit der Fähre nach Frankreich und dann runter nach Metz. Nach einer hoffentlich erholsamen Nacht fahren wir weiter nach Davos und schauen dort das Spiel. Nach einem Sensationssieg der Devils – träumen darf man ja! – und ein paar Drinks, Cola für mich als Fahrer, geht es weiter nach Prag. Dort haben wir Zeit für etwas Sightseeing, bevor wir dann nach Liberec fahren und das nächste Spiel schauen. Danach geht es via Stuttgart und Nordfrankreich wieder nach Hause.

So reist die kleine walisische Fangruppe durch Europa.
So reist die kleine walisische Fangruppe durch Europa.
Bild: google, watson

Ein riesiger Aufwand, obwohl die Devils in jedem Spiel als krasser Aussenseiter gelten.
Das stimmt. Der Siegeswille unseres Teams dürfte wohl viele überraschen. Man sollte uns nicht unterschätzen, schliesslich hat Nottingham letztes Jahr auch den Continental Cup gewonnen. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass wir keinen einzigen Punkt gewinnen. Aber wir können das Eishockey im Vereinigten Königreich noch weiter verbreiten und der Welt zeigen, was wir draufhaben. Am Ende geht es um einzigartige Erfahrungen. Und diese Reise ist sicherlich eine davon. 

Unterschätzen verboten
Der HC Davos sollte seinen Gegner am Donnerstag nicht unterschätzen. Auch wenn die britischen Teams in den letzten Jahren in der Champions Hockey League mehrheitlich chancenlos waren, können sie gefährlich werden. Erst vor wenigen Tagen schlug Cardiff in einem Testspiel die Krefelder Pinguine aus der DEL mit 6:2. 

Wie würden Sie das britische Eishockey beschreiben?
Unser Eishockey ist eher nordamerikanisch geprägt. Wir haben weniger talentierte Techniker, dafür wird sehr physisch gespielt.

Und was darf man von den britischen Fans erwarten?
Hockey ist ein Nischensport in Wales und generell in Grossbritannien. Es gibt zwar nicht viele Fans, aber dafür sind wir sehr leidenschaftlich und sehr laut. 

Worauf freuen Sie sich bei Ihrer Reise am meisten?
Ich wollte schon lange mal die Schweiz besuchen. Dank der Champions Hockey League habe ich endlich einen Grund dafür. Ich liebe es, die Welt zu bereisen. Die Chance, das mit Freunden zu tun, ist ein zusätzlicher Bonus.

Was erwarten Sie vom Spiel in Davos?
Ich freue mich darauf zu sehen, wie sich mein Team gegen eine europäische Spitzenmannschaft schlagen wird. Ich hoffe, dass es ein enges, ausgeglichenes Spiel wird. Und vor allem freue ich mich darauf, Beziehungen zu den Schweizer Eishockey-Fans zu knüpfen. 

Die nächsten Schweizer Spiele in der Champions Hockey League:
Donnerstag:
18.30 Uhr: Frölunda Göteborg vs ZSC Lions
19.45 Uhr: SC Bern vs Nottingham Panthers
19.45 Uhr: HC Davos vs Cardiff Devils

Freitag:
18 Uhr: JYP Jyväskylä vs EV Zug

Samstag:
15 Uhr: Gap Rapaces vs ZSC Lions
19.45 Uhr: HC Davos vs Växjö Lakers
19.45 Uhr: SC Bern vs TPS Turku

Sonntag:
19 Uhr: Neman Grodno vs EV Zug

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Video: Angelina Graf

Die Schiri-Zeichen im Eishockey

1 / 36
Die Schiri-Zeichen im Eishockey
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Wayne Gretzky betritt die NHL-Bühne und schickt sich an, alle Rekorde zu brechen

10. Oktober 1979: Der Einstieg der Edmonton Oilers ist gleichzeitig der erste Auftritt von Wayne Gretzky in der National Hockey League. 20 Jahre lang verzaubert der Kanadier die Eishockeywelt, bis er als bester Spieler der Geschichte abtritt.

Sport bedeutet: Emotionen. Sport bedeutet aber vor allem auch: Zahlen. Sie entscheiden schliesslich über Sieg und Niederlage.

Im Idealfall werden Emotionen und Zahlen verbunden. Wayne Gretzky wird deshalb immer in Erinnerung bleiben. Wie Roger Federer im Tennis oder Michael Jordan im Basketball gilt er als der beste seiner Sportart aller Zeiten – und zwar nicht nur wegen der Erfolge, sondern auch wegen der Art und Weise, wie er sie errungen hat. «The Great One» mit der legendären …

Artikel lesen
Link zum Artikel