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Auf dem Feegletscher in Saas-Fee kommen sich die Athleten im Corona-Sommer 2020 teilweise ziemlich nah.

Auf dem Feegletscher in Saas-Fee kamen sich die Athleten teilweise ziemlich nah. Bild: Sommerhalder

Klimawandel und das Sommertraining – die Schweizer Skicracks müssen Gletscher teilen

Die Schweizer Ski-Nationalmannschaft ist beim Gletschertraining in Saas Fee nicht das einzige Team mit Heimvorteil. Überhaupt sorgt der Klimawandel für einen eigentlichen Dichtestress im Sommertraining der Skiprofis. Ein Augenschein vor Ort.

rainer sommerhalder / ch media



Skifahrer sind keine Langschläfer. Um sechs Uhr früh fährt das erste Detachement mit der Gondel hoch auf 3500 Meter. Der Berg ruft. Es ist empfindlich kalt und erstaunlich dunkel, wenn die Trainer die ersten Löcher in den Gletscherschnee bohren, um für Wendy Holdener, Michelle Gisin oder Daniel Yule anspruchsvolle Slalom- und Riesenslalom-Kurse auszustecken. Die Sonne mag dem Tempo des Schweizer Skiteams nicht ganz folgen.

In Saas Fee wird früh aufgestanden.

Lange bevor die Bahn für das touristische Sommerskivergnügen öffnet, herrscht bereits reges Treiben an der Talstation. Gruppenweise kommen die Rennfahrer aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Polen, Slowenien, Finnland, Kanada oder England mit Sack und Pack an – Corona-bewusst mit Gesichtsmaske. Die Disziplin der Sportler ist vorbildlich.

Kaum mehr Auswahl für das Gletschertraining

Saas Fee ist nicht nur in der ersten Septemberwoche das Trainingsmekka des Skisports. Dem Klimawandel geschuldet gibt es im Hoch- und Spätsommer im ganzen Alpenraum nur noch zwei Gletscher, die den Ansprüchen eines professionellen Skitrainings genügen. Beide liegen in der Schweiz, in Saas Fee und Zermatt.

Saisonstart in 42 Tagen

In etwas mehr als 40 Tagen geht die neue Skisaison bereits wieder los. Der Saisonstart in Sölden wurde um eine Woche vorgezogen. Die Rennen finden am 17. und 18. Oktober statt. Zuschauer werden dort keine erlaubt sein.

Bereits abgesagt wurden die Rennen in Nordamerika im November und Dezember. Um wegen der Coronavirus-Pandemie auf grössere Reisen zu verzichten, verzichtet der Weltverband FIS auf die Rennen in Lake Louise, Beaver Creek und Killington. (abu)​

«Wegen der Höhe sind die Trainings klar anstrengender.»

Wendy Holdener

Der Gletscherschwund ist auch bei den deutschen Freestyle-Snowboarder in der Gondel ein Thema. Vor zwei Jahren sei hier noch Eis gewesen, erklärt der Trainer seinen Athleten mit Blick auf eine imposante Felsnase. Es sei schon krass mit dem Klimawandel, antwortet einer der coolen Jungs. Für einen kurzen Moment herrscht Schweigen in der geschwätzigen Gruppe. Auf dem Gletscher ziehen Skitöffs die Alpinen nach dem Schlepplift noch einige Höhenmeter rauf zum Start der Rennstrecke. Kein Meter Piste wird oben verschenkt, wenn es unten immer kürzer wird.

Nach drei Wochen Zermatt und einer kurzen Phase mit Heimtraining ist es für Wendy Holdener seit längerem wieder das erste Trainings in Saas Fee. Rund 60 Gletschertage werden es bis Saisonstart sein. Nicht ganz ohne. «Wegen der Höhe sind die Trainings klar anstrengender», sagt Holdener, «man kann nicht gleich viele Läufe machen wie in tieferen Lagen».

«Grenzwertig.»

Swiss-Ski-Frauentrainer Beat Tschuor über die Zustände auf dem Gletscher in Saas Fee.

Über 40 Schweizer Kaderathleten in Saas Fee

Eintönigkeit kommt bei der Innerschweizerin nicht auf. «Es bereitet mir derzeit so richtig Spass. Da ich noch nicht alle Pisten im Griff habe, ist mein Antrieb gross, es besser zu machen», sagt Holdener.

Holdeners Saisonstart in Sölden nach Trainingssturz fraglich

Wendy Holdener hat sich in der Vorbereitung auf die Weltcupsaison verletzt. Die Schwyzerin zog sich bei einem Sturz im Slalom-Training in Saas-Fee eine Verletzung am Wadenbein zu. Die Diagnose habe eine nicht-verschobene Fraktur des rechten Wadenbeinkopfes ergeben, teilte Swiss-Ski mit. Eine Operation sei nicht nötig.

Ob die zweimalige Kombinations-Weltmeisterin beim Saisonstart Mitte Oktober in Sölden antreten kann, ist laut Teamarzt Walter O. Frey ungewiss: «Die Heilungsdauer kann dazu führen, dass ein Start in Sölden fraglich wird.»

Holdener war letztmals vor sieben Jahren länger verletzt, als sie sich den Arm gebrochen hatte. Im letzten Winter hatte sie kurzzeitig eine leichte Ellbogenverletzung geplagt. (abu/sda)

Für die Touristen bleibt an diesem Tag kaum Platz auf dem Schnee. Die Rennfahrer stehen Schlange. Alleine Swiss Ski ist mit gut 40 Athletinnen und Athleten und ebensovielen Betreuern auf dem Gletscher. Dazu kommen Dutzende anderer Nationen. Sieben Kurse sind auf der rund 50 Meter breiten Piste nebeneinander ausgesteckt – vom Slalom bis zum Super-G. «Grenzwertig», findet Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor.

Bild

Der Trainingshang auf dem Feegletscher erinnert an Arbeit am Fliessband. Bild: Sommerhalder

Die Schweiz hat beim Gletschertraining Heimvorteil. Sie kann die Anzahl Trainingstage und Pisten reservieren. Erst danach dürfen die anderen Nationen die restlichen Schneebänder unter sich aufteilen. Aus reinem Patriotismus wird dieser Heimvorteil nicht offeriert. Der Bund entschädigt im Rahmen des nationalen Sportanlagenkonzepts (Nasak) die Bergbahnbetreiber grosszügig.

Schweizer Gletscher in österreichischer Hand

Dies führt dazu, dass etwa die begehrte Abfahrtspiste auf dem Theodulgletscher in Zermatt während sechs von insgesamt acht Wochen exklusiv dem Schweizer Team zur Verfügung steht. Swiss Ski gewährt bisweilen anderen Teams Gastrecht, oft im Austausch mit interessanten Gegenleistungen. Etwa dem Trainingsrecht auf den nächstjährigen WM-Pisten in Cortina. Disziplinenchef Walter Reusser sagt, dass es «vielmehr eine gute Zusammenarbeit als eine Dealerei ist». So teilt man sich etwa im Europacup die Trainer gemeinsam mit Deutschland.

Ein wenig anders präsentiert sich die Situation in Saas Fee. Hier hat seit dem Winter 2018/2019 ein zweites Team eine Art Heimrecht. Damals übernahm Österreichs langjähriger Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel die Aktienmehrheit der Bergbahnen. Nun ist das Gletscherskigebiet quasi in österreichischer Hand und die Skistars im rot-weissen Renndress teilen sich die besten Pisten mit den Schweizern. Zu welchen Konditionen weiss auch Walter Reusser nicht.

Zurück auf die Piste. Dort beendet die eben erst von einem Kreuzbandriss genese Technikspezialistin Aline Danioth den letzten Trainingslauf kurz vor Mittag mit einem herzhaften Juchzer. Ihre Lust auf den Winter ist gross. Sie ist zumindest bei diesen illustren Gletscherarbeitern in guter Gesellschaft.

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Die Sieger der Lauberhorn-Abfahrt seit 1997

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