Sport
Ski

Am Wings for Life World Run sammeln Sportstars für Menschen im Rollstuhl

Das Starterfeld unter anderem mit der Freeski Fahrerin Fanny Smith, der Saengerin Francine Jordi und dem Triathlet Sven Riederer direkt nach dem Start des Wings for Life World Run Switzerland am Sonnt ...
Am Sonntag fand die 13. Austragung des Wings for Life World Run statt. (Archivbild)Bild: KEYSTONE

Odermatt, Ehammer und Co. liefen für alle, die (noch) nicht können

Beim Wings for Life World Run in Zug sammeln Schweizer Sportstars Geld für Menschen im Rollstuhl. Marco Odermatt, Simon Ehammer und Co. erzählen über persönliche Erlebnisse rund um das Thema Querschnittlähmung.
11.05.2026, 15:0111.05.2026, 17:00
Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder

Am Sonntag trafen sich gut 8000 Laufbegeisterte in Zug zur 13. Austragung des Wings for Life World Run. Der von Red Bull organisierte Benefizevent dient der Rückenmarkforschung – mit dem Ziel, dass querschnittgelähmte Menschen im Rollstuhl eines Tages wieder gehen können.

2026 nahmen weltweit 346’527 Menschen in 173 Ländern teil. Sie sorgten für Einnahmen für die Stiftung «Wings for Life» in der Höhe von 9,2 Millionen Euro. In Zug trafen sich auch die sportlichen Aushängeschilder von Red Bull, allen voran Skistar Marco Odermatt, Leichtathletik-Weltmeister Simon Ehammer oder Olympiasiegerin Mathilde Gremaud.

Wir haben fünf Schweizer Ausnahmeathletinnen und Athleten am Lauftag in Zug nach ihren persönlichen Erlebnissen und Gedanken rund um querschnittgelähmte Menschen gefragt.

Marco Odermatt

Den Weg des Schicksals trotzdem gehen

«Jeder Mensch kennt wohl jemanden, der von diesem Schicksal betroffen ist. Bei uns im Skisport ist Silvano Beltrametti ein bekanntes Beispiel. Ich traf ihn schon mehrmals persönlich und sein Leben nach dem Unfall ist für mich mehr als bewundernswert. Ein anderes Beispiel aus dem persönlichen Umfeld ist ein Kollege, der früher mit mir Ski gefahren ist und das Schicksal einer Querschnittlähmung erlitten hat. Es war auch für mich ein schlimmer Moment, als ich es erfahren habe. Man hat als Betroffener in einer solchen Situation wohl das Gefühl, alles verloren zu haben. Es beeindruckt mich, wie diese Menschen ihren Weg trotzdem gehen und sich an die neue Lebenssituation anpassen. Wie sie für sich mental neue Freude, neue Ziele, neue Emotionen suchen und mit einem gewissen Abstand auch wieder finden können. Das erfordert sehr viel von ihnen, denn ihre grossen Einschränkungen verschwinden ja nicht.»
Marco Odermatt of Switzerland poses with the men's overall crystal globe trophy at the Lillehammer FIS Alpine Ski World Cup Finals, in Hafjell, Norway, Wednesday, March 25, 2026. (KEYSTONE/Jean-C ...
Marco Odermatt.Bild: keystone

Mathilde Gremaud

Die ersten Gedanken nach dem Sturz

«Der erst 20-jährige Freestyler William Bostadlökken aus Norwegen ist seit einem Trainingssturz im Dezember in der Vorbereitung auf einen Big-Air-Wettkampf querschnittgelähmt. Es ist für mich persönlich emotional, weil es ihm beim genau gleichen Trick passiert ist, wie bei meinem Sturz im Einspringen für den Olympiafinal. Ich bin gecrasht, aufgestanden und sein Schicksal war das Erste, das mir in den Sinn gekommen ist. Auch vor dem Final hatte ich bereits mehrmals an William und seine Querschnittlähmung gedacht. Es machte mir ein wenig Angst. Von einer Sekunde auf die andere wird dir deine ganze Bewegungsmöglichkeit genommen. Gerade für uns Sportler ist Bewegung alles. Ein solches Schicksal ist die wohl grösste Veränderung, die dir im Leben passieren kann. Ich habe enormen Respekt vor der mentalen Stärke dieser Menschen nach ihrem Schicksalsschlag. Das ist brutal beeindruckend.»
Plus de peur que de mal pour Mathilde Gremaud.
Mathilde Gremaud.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Simon Ehammer

Paralympische Vorbilder im Kraftraum

«Als ich neu in die Sportschule Teufen eintrat, war Rollstuhl-Leichtathletin Sandra Graf noch aktiv. Sie trainierte gleichzeitig auf den Anlagen und im Kraftraum. Ihr Training zu verfolgen, hat mich sehr beeindruckt. Welche Leistungen sie erbracht hat, wie sie letztlich paralympisches Gold gewonnen hat. Sandra kam selbstständig mit dem Auto zum Training, hat im Kraftraum die Hanteln allein bereitgelegt und das Material wieder aufgeräumt. Auch wenn man selbst den Drang hatte, ihr helfen zu wollen: Sie hat diese Hilfe gar nicht nötig gehabt. Sandra hat nach ihrem Rücktritt selbst zwei jüngere Athleten im Rollstuhl trainiert. Mich fasziniert auch, dass Menschen, die bereits vor dem Unfall Sport betrieben haben, nach dem Unfall wieder im Sport Befriedigung finden und auch Erfolge feiern. Wenn mir ein solcher Schicksalsschlag widerfahren würde, ich würde als Herausforderung auch wieder dieses kompetitive Element im Sport suchen. Man muss nach einem solchen Ereignis etwas finden, das Halt gibt und man als Ziel anpeilen kann. Wenn ich denke, was bei uns in der Leichtathletik Marcel Hug oder Catherine Debrunner leisten und abliefern, ist das enorm eindrücklich.»
Der Schweizer Zehnkaempfer Simon Ehammer am Medientag von Swissathletics, am Mittwoch, 6. Mai 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Simon Ehammer.Bild: keystone

Daniela Ryf

Die persönliche Freiheit zu laufen

«Da muss ich an die erst 23-jährige Zürcher Triathletin Delia Guggenheim denken. Sie wurde im März 2025 auf dem Velo unverschuldet von einem Auto erfasst und sitzt seither mit einer Querschnittlähmung im Rollstuhl. Ich habe sie vor kurzem zufällig getroffen. Ich denke bei einem solchen Schicksalsschlag zuerst einmal an die ganzen mentalen Aspekte. Delia hat mir erzählt, wie schwierig die Situation direkt nach der Diagnose war, als sie für eine Zeit keine Hoffnung mehr spürte. Ich stelle es mir psychisch unglaublich schwierig vor, wenn dir bewusst wird, dass du Dinge, die du liebst, von einem Tag auf den anderen nicht mehr machen kannst. Ich bewundere Delias Stärke, jetzt wieder neue Ziele und neue Projekte im Sport in Angriff zu nehmen.

Es sind mega inspirierende Geschichten. Mir persönlich bedeutet die Fähigkeit, laufen zu können, enorm viel. Ich kann mir ein Leben ohne diese Freiheit gar nicht vorstellen. Es sind letztlich auch die kleinen Dinge im Alltag, deren enormen Konsequenzen man sich als Fussgänger gar nicht bewusst ist. Zum Beispiel, was es alles braucht, damit eine Wohnung wirklich rollstuhlgängig ist. Oder wie es beim Einkaufen ist, wenn der gewünschte Artikel im Gestell oben ausser Reichweite der Person im Rollstuhl ist. Als Athletin hat man körperliche Voraussetzungen, mit denen man praktisch in allen Situationen tun kann, was man will. Umso schwieriger ist, sich in die Situation eines querschnittgelähmten Menschen zu versetzen.»
Portrait von Daniela Ryf, Schweizer Triathletin aus Solothurn, am Dienstag, 21. Mai 2024 in Solothurn. Daniela Ryf ist fuenffache Ironman-Weltmeisterin, insbesamt hat sie 12 Triathlon WM-Titel ueber v ...
Daniela Ryf.Bild: keystone

Nicolas Hojac

Einen neuen Sinn im Leben finden

«Eine Kollegin von mir hatte als Teenager einen lebensverändernden Unfall. Sie ist mit dem Velo im strömenden Regen mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze auf einen stehenden Lastwagen am Strassenrand aufgefahren und ist seither Tetraplegikerin. Wenn man als junger Mensch in einer der schönsten Zeiten im Leben einen solch massiven Einschnitt erfährt und das ganze Leben total umkrempeln muss, dann kann man sich gar nicht vorstellen, wie schwierig so etwas vor allem auch für die Psyche ist. Meine Kollegin sah zuerst keinen Grund mehr, wieso ihr Dasein weiterhin lebenswert sein sollte. Heute ist sie trotzdem auf ihre Art im aktuellen Umfeld glücklich, studiert an einer Jazzschule Musik und hat damit auch wieder einen Sinn im Leben gefunden.

Man wird sich bei einem solchen Schicksal bewusst, dass so etwas jederzeit auch mir passieren könnte – nicht einmal nur beim Bergsteigen. Egal, was man im Leben macht: Es gibt nie eine absolute Sicherheit. Ein Unfall oder eine schwere Krankheit können dich von einem Moment auf den anderen treffen. Diese Gedanken an eine betroffene Person erden mich jeweils und zeigen mir auf, dass ich das schätzen sollte, was ich am Leben habe. Heute sehe ich gefühlt tausend kleine Probleme. Bis es um die eigene Gesundheit geht: nach einem solchen Schicksalsschlag hat man nur noch ein einziges Problem. Deshalb sollte uns allen bewusst sein, dass die Gesundheit das wichtigste Gut in unserem Leben ist.»​
Swiss Skyline Eiger Mönch Jungfrau Nicolas Hojac und Adrian Zurbrügg
Nicolas Hojac.Bild: Mammut Sports Group AG, Carlos Blanchard)
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Locations Wings for Life World Run
1 / 27
Locations Wings for Life World Run
Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.
quelle: wingsforlifeworldrun.com
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Extremsport am Limit: Riskanter Wingsuit-Sprung vom Täschhorn
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Manchester City bleibt an Arsenal dran + Stuttgart ist der Champions League ganz Nah
Das Direktduell um die Königsklasse bot in Stuttgart reichlich Spektakel. Bayer Leverkusen erwischte durch Aleix Garcia (1. Minute) zwar einen Blitzstart, doch der VfB antwortete prompt durch Ermedin Demirovic (5.). Maximilian Mittelstädt per Penalty tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+7) und Deniz Undav (58.) drehten die Partie schliesslich komplett zum 3:1-Endstand. Stuttgart klettert durch den Heimsieg mit 61 Punkten auf Rang 4. Leverkusen (58 Punkte) rutscht vor dem finalen Spieltag auf Rang 6 ab.
Zur Story