DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
27.07.2014; Bern; Fussball Super League - BSC Young Boys Bern - FC Aarau;
Zuschauer und Fans verfolgen das Spiel auf der Tribuene
(Urs Lindt/freshfocus)

Nur die YB zählen. Aber sie werden einmal mehr auf eine harte Probe gestellt. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Kommentar

Schon jetzt ist klar, dass der Neustart nicht funktioniert und bei YB alles bleibt, wie es ist

YB gibt sich wieder einmal neue Strukturen. Das Experiment ist zum Scheitern verurteilt. In Bern wird weiterhin nur der SCB funktionieren.



Strukturen und Organigramme sind gut. Aber Strukturen und Organigramme haben alle. Erfolgreich werden Strukturen und Organigramme nur durch die Umsetzung mit den richtigen Personen. Der Schlittschuhclub Bern hat es geschafft, Schlüsselpositionen richtig zu besetzen. Deshalb ist der SCB das grösste Eishockey-Unternehmen der Schweiz geworden, gewinnt regelmässig Titel und schreibt seit 16 Jahren schwarze Zahlen.

YB hat in der gleichen Stadt die gleich guten Voraussetzungen wie der SCB. Der Klub ist eher noch populärer, hat eine ruhmreiche Geschichte und eine perfekte Infrastruktur. Da der Klub und das Stadion den gleichen Besitzer haben, wäre es möglich, schwarze Zahlen zu schreiben. Aber YB hat in den letzten zehn Jahren mindestens 50 Millionen Franken verloren – und in diesem Jahrhundert nichts gewonnen. Die letzte Meisterfeier gab es in Bern 1986 und diese «Titellosigkeit» hat inzwischen Kultcharakter.

Fans haben die Schnauze voll

Im Europa-League-Heimspiel gegen Olympiakos Piräus (heute um 19 Uhr) wird es keinen organisierten Support geben. Das gab YBs Fan-Vereinigung «Ostkurve» bekannt. Es handle sich aber explizit nicht um einen Boykott der aktiven Fanszene. Ihren Entscheid begründet sie mit der «Frustration über den neuerlichen Kurswechsel und die Planlosigkeit» des Klubs.

In ihrem Schreiben heisst es: «Die Fans werden von YB seit längerer Zeit primär als Kunden angesehen, Kunden welche aktuell wieder einmal für blöd verkauft werden. Deshalb haben wir als Kunden nun kurz gesagt einfach mal die Schnauze voll.» (ram)

Ex-SCB-Mitarbeiter soll nun die Young Boys führen

Eine kleine Episode mag zeigen, warum YB nicht erfolgreich sein kann. Die in Köniz domizilierte Vermarktungsagentur IMS steht hinter dem Marketing-Erfolg des SC Bern. Der Klub erwirtschaftet im Sponsoring inzwischen gut 15 Millionen Franken. IMS-Firmenchef und -Inhaber Erwin Gross, SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi und dessen Stabschef Rolf Bachmann sind die drei Persönlichkeiten, die den SCB-Erfolg ausmachen. Sie sind über die Jahre mit dem SCB gewachsen und personifizieren den Klub. Sie leben die Strukturen und Organigramme.

Die Episode ist verbürgt: Diese Woche herrschte grosse Verwunderung (andere sagen: Belustigung) in den IMS-Büros. Wanja Greuel ist soeben zum neuen YB-CEO ernannt worden und hat bereits versucht, IMS-Mitarbeiter für YB abzuwerben. Wanja Greuel ist ein ehemaliger IMS-Angestellter. Er kam aus Deutschland, diente sich in den IMS-Büros in sechs Jahren vom Praktikanten zum Verkaufsleiter des Ressorts SCB hoch, galt als tüchtiger, umtriebiger, fleissiger und ehrgeiziger Verkäufer – aber ohne Führungstalent. Die Differenz zwischen ihm und Marc Lüthi ist, wenn es um Charisma und Persönlichkeit geht, enorm.

Wanja Greuel, der Mann, der den SCB verkaufen half, aber innerhalb des Universums SC Bern keinerlei Chancen auf eine Schlüsselposition hatte, ist nun oberster YB-Chef mit dem letzten Wort im kommerziellen und sportlichen Bereich. Das erklärt eigentlich alles.

Wanja Greuel YB

Der 38-jährige Greuel. bilD: bsc yb

Wieso keine Zusammenarbeit?

In Bern wird immer wieder die Idee einer alles umfassenden «Bern Sport AG» diskutiert: Der SCB und YB unter einem Dach unter der Gesamtführung von Marc Lüthi. Auf den ersten Blick eine grandiose Sache. Müssten so nicht der SCB und YB rocken? Nein.

Es wäre zwar tatsächlich möglich, verschiedene Bereiche (Gastronomie, Administration, Ticketing, Fitnesszentren) zusammenzulegen und Geld zu sparen. Aber beide Unternehmen funktionieren letztlich im Markt nur eigenständig und in Konkurrenz zueinander. Sie sind auf charismatische Führungspersönlichkeiten angewiesen. Aber YB schafft es einfach nicht, eine Antwort auf Marc Lüthi zu finden. Das «Prinzip SCB» funktioniert deshalb bei YB nicht.

Es bleibt alles so, wie es ist

Die zentrale YB-Führungsschwäche kostet den Klub Erfolg und sehr viel Geld. Weil eine starke zentrale Führung fehlt, haben sich bei YB viele subalterne Funktionäre kleine Fürstentümer geschaffen. Die YB-Administration ist um Faktor zehn aufwändiger und komplizierter als jene beim SCB und Kenner wundern sich immer wieder über die hoch entwickelte Intrigenkultur. Längst sehen Beobachter YB als «Bundesamt für Fussball».

Klug beobachtet!

Und nun also Wanja Greuel als YB-General und Antwort auf Marc Lüthi. Weder ein Berner noch in Bern verwurzelt. Dabei ist gerade diese Verwurzelung im stolzen, traditionsbewussten Bern ein ganz entscheidender Faktor, der von Nicht-Bernern immer wieder unterschätzt wird.

So ist kein Schelm, wer sagt: Es bleibt bei YB alles so, wie es ist. Der SCB funktioniert. YB funktioniert nicht und ist weiterhin nicht dazu in der Lage, das enorme wirtschaftliche und sportliche Potenzial umzusetzen. Es ist auch völlig unerheblich, wer neuer Sportchef wird. Aber nach dem Abgang von Fredy Bickel wird die Sportabteilung wenigstens weniger Geld verschlingen. Das ist immerhin schon etwas.

Paul Meier neuer Sportchef?

Gemäss mehreren Medienberichten soll es sich beim Nachfolger Fredy Bickels als Sportchef um Paul Meier handeln. Der 63-Jährige gilt als Vertrauter von YB-Verwaltungsrat Urs Siegenthaler, der offenbar der neue starke Mann im Klub ist, wenn es um sportliche Belange geht. Meier arbeitete bislang im Nachwuchsbereich des Schweizer Verbandes. Dort kündigte er vor wenigen Wochen. (ram)

Grosses Kino: Stars der Super League in den Hauptrollen

1 / 12
Grosses Kino: Stars der Super League in den Hauptrollen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

YB-Fans zünden Feuerwerk in Bern – so schön (und coronakonform) kann Meisterfeier sein

Mit einem 3:0-Heimsieg gegen Lugano war offiziell, was längst nur noch Formsache war: Die Young Boys gewinnen zum 15. Mal den Schweizer Meistertitel – zum vierten Mal in Serie. Da coronabedingt keine grosse Feier möglich ist, haben sich die YB-Fans etwas Spezielles einfallen lassen.

Pünktlich um 22 Uhr wurde in der ganzen Stadt Bern Feuerwerk gezündet. Die koordinierte Aktion wurde von der Fangruppierung «Ostkurve Bern» in einem eindrücklichen Video festgehalten.

(zap)

Artikel lesen
Link zum Artikel