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epa06828996 Supporters of Croatia celebrate as they watch the broadcast of the FIFA World Cup 2018 group D preliminary round soccer match between Argentina and Croatia in central Zagreb, Croatia, 21 June 2018.  EPA/DANIEL KASAP

Kroatische Fans während der Partie gegen Argentinien.  Bild: EPA

Kommentar

Das WM-Feuer brennt wieder – danke, Kroatien ❤

Kroatien hat Argentinien gestern beim 3:0 vorgeführt. Nicht weil sie mehr Qualität, sondern weil sie mehr Herz haben und weil das Team die richtige Mentalität zeigt. Eine Liebeserklärung.



Etwas skeptisch war ich ja schon vor dem Knüller Kroatien gegen Argentinien, nach all den 1:0-Siegen der Favoriten in den letzten Tagen. Das hat mich schon fast etwas angewidert. Diese Kontrolle der Top-Teams war zuweilen beinahe arrogant. «Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss», sagt das Sprichwort. «Dummes Pferd, wir wollen dich hoch springen sehen», sage ich.

epa06825740 Morteza Pouraliganji (L) of Iran in action against Diego Costa (R) of Spain during the FIFA World Cup 2018 group B preliminary round soccer match between Iran and Spain in Kazan, Russia, 20 June 2018. Spain won 1-0.

(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/JULIO MUNOZ   EDITORIAL USE ONLY

Die Spanier mussten gegen den Iran nicht allzu hoch springen. Bild: EPA/EFE

Auch gestern war das in der ersten Halbzeit noch ziemliche Magerkost. Zwar intensiv, mehr aber auch nicht. Aber verdammt, war das geil, was die Kroaten in der zweiten Hälfte geboten haben! Sie haben Argentinien, den Finalisten der letzten WM, gegen Ende der Partie regelrecht vorgeführt und verdient 3:0 gewonnen.

Nach all den zuletzt eher anstrengenden Partien haben die Kroaten gestern endlich wieder das WM-Feuer entfacht. Der Spitzname verpflichtet schliesslich auch dazu: «Vatreni» nennt man die Kroaten daheim, «die Feurigen».

«Die sehen mit den dunkelblauen Shirts und den orangen Nummern aus wie die Niederländer. Ich mag sie.»

Der Holländer C.M. am Public Viewing

Über die Qualitäten der Kroaten braucht man nicht zu diskutieren. Schon 2016 hatte ich sie als Europameister auf der Rechnung, damals war die Mannschaft noch nicht so weit. 

Nun ist die «neue goldene Generation» auf ihrem Höhepunkt. Die Ausnahmespieler Luka Modric (32) und Ivan Rakitic (30) bilden das beste zentrale Mittelfeld der WM. Aber sie werden auch nicht mehr jünger – 2018 ist eine ihrer letzten Chancen an einem grossen Turnier.

epa06829149  Ivan Rakitic (L) of Croatia celebrates with teammate Luka Modric after scoring the 3-0 lead during the FIFA World Cup 2018 group D preliminary round soccer match between Argentina and Croatia in Nizhny Novgorod, Russia, 21 June 2018.

(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/FRANCK ROBICHON   EDITORIAL USE ONLY  EPA-EFE/FRANCK ROBICHON   EDITORIAL USE ONLY  EDITORIAL USE ONLY

Ivan Rakitic und Luka Modric bilden ein kongeniales Duo. Bild: EPA

Symptomatisch für den Auftritt und die Einstellung der Kroaten ist die Aktion in der 85. Spielminute. Ivan Rakitic wird gefoult, Nicolas Otamendi schiesst den Mittelfeld-Regisseur danach mit dem Ball ab und tritt ihn sogar noch leicht. Der Argentinier sieht bloss die Gelbe statt der Roten Karte.

Rakitic bleibt nicht am Boden liegen. Er steht sofort auf, knüpft sich Otamendi vor, es kommt zu einer kleinen Rudelbildung. Als sich die Situation wieder beruhigt hat, macht sich Rakitic bereit für den anschliessenden Freistoss. Mit der Wut im Bauch hämmert er das Leder wuchtig ans Lattenkreuz. Wäre das Drehbuch richtig geschrieben gewesen, hätte der Ball im Tor eingeschlagen.

Doch ein Rakitic lässt sich von Fehlern im Drehbuch nicht beirren. Wenig später holt er Verpasstes nach und sorgt gegen eine desolate Gaucho-Defensive mit dem 3:0 für den Schlusspunkt.

abspielen

Video: streamable

Was lernen wir daraus? Man kann die Kroaten zwar provozieren, nur ist es kontraproduktiv. Sind die Emotionen erst einmal entfacht, sind sie kaum mehr zu stoppen. 

Die «alte goldene Generation»

Als sich Kroatien 1998 das erste Mal auf der Fussball-Landkarte bemerkbar machte und an der WM in Frankreich den dritten Platz holte, hatten sie bereits einmal eine goldene Generation mit Spielern wie Robert Prosinecki, Zvonimir Boban und Robert Jarni. Aber vor allem ein Mann, Torschützenkönig Davor Suker, war mit sechs Toren in sieben Partien der Erfolgsgarant.

Croatia's Davor Suker celebrates over the distraught German goalkeeper Andreas Kopke after Goran Vlaovic scored the team's second goal during the Germany vs Croatia quarterfinal match at the soccer World Cup 98 at Gerland Stadium in Lyon, Saturday, July 4, 1998. Croatia won the match 3-0. (AP Photo/Michel Lipchitz)

Davor Suker jubelt, Andreas Köpke ist bezwungen. Kroatien schlägt Deutschland im WM-Viertelfinal 1998 gleich mit 3:0. Bild: AP NY

Jetzt, 20 Jahre später, fehlt dieser Knipser. Mario Mandzukic zeigte gestern, warum er eher als Kämpfer denn als Torjäger in die Geschichte eingehen wird. Mit Ivan Perisic und Ante Rebic hat Kroatien auf den Aussenpositionen zwei weitere starke Spieler. Aber eben nicht solche, die an einem Turnier fünf oder mehr Tore erzielen.  

Das braucht es aber auch nicht. Die Abhängigkeit von einem Topstar im Sturm – das hat gerade Argentinien sehr gut gezeigt – kann kontraproduktiv sein. Auch bei Polen mit Alleinunterhalter Robert Lewandowski oder bei Brasilien mit Neymar hat man gesehen, dass die Mannschaften grosse Mühe haben, wenn man es schafft, ihren grossen Star zu isolieren. 

Teams mit einer überragenden Mentalität, diese richtigen eingeschworenen Mannschaften – das haben wir bisher nur von Aussenseitern wie Island, die ohne die Einstellung keine Chancen hätten, gesehen. Kroatien legt ebenfalls diese Überzeugung an den Tag. Und kombiniert mit den riesigen Qualitäten der Spieler entsteht dann das, was wir gestern gesehen haben. Freude am Fussball. Für die Mannschaft. Für die Fans.

Deshalb jubelte gestern sogar der Holländer neben mir. Und der Italiener in mir. 

Danke, Kroatien ❤

Die Fussballwelt auf dem Kopf

Video: srf

Alle WM-Torschützenkönige seit 1930

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quelle: ap/ap / antonio calanni
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