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ARCHIVBILD ZUM ARTIKEL ZU DEN SPORTS AWARDS --- Leichtathletin Mujinga Kambundji und Schwinger Christian Stucki posieren als Sportlerin und Sportler des Jahres an der Verleihung der Sports Awards 2019, aufgenommen am Sonntag, 15. Dezember 2019, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Siegerin und Sieger des letzten Jahres: Sprinterin Mujinga Kambundji und Schwingerkönig Christian Stucki. Bild: keystone

Kommentar

Keine Sportlerinnen und Sportler des Jahres – das ist Verrat am Sport

Zum ersten Mal seit 1950 werden die herausragenden Persönlichkeiten unseres Sportes nicht geehrt. Das ist der Preis, den der Sport für den Verkauf seiner Seele zu bezahlen hat. Eine Polemik.



Keine Sportlerin und kein Sportler des Jahres 2020 also. Das Schweizer Fernsehen teilt offiziell mit:

«Traditionell werden zum Jahresende die Schweizer Sportstars im Rahmen der ‹Sports Awards› gewürdigt. Das wird auch 2020 der Fall sein. Wegen der Corona-Pandemie stehen erstmals in der Geschichte der Prämierung aber nicht die erfolgreichsten Sportpersönlichkeiten des Jahres im Fokus, sondern die Besten seit Beginn der Preisverleihung. Das hat der Wahlausschuss der «Sports Awards» – bestehend aus Swiss Olympic, der Athletes Commission von Swiss Olympic, sportpress.ch und der SRG – entschieden.»

So weit so gut. Aber hinter dieser staubtrockenen Mitteilung steht nicht weniger als Verrat am Sport. Es ist der Preis, den unser Sport für den Verkauf seiner Seele zu zahlen hat.

Der Blick zurück hilft uns zu verstehen, was schiefgelaufen ist. Vor 70 Jahren (1950) haben die Schweizer Sportjournalisten (von Journalistinnen war damals noch nicht die Rede) beschlossen, verdiente Sportler auszuzeichnen (Sportlerin des Jahres mit eigener Kategorie erst seit 1971). Dieses Prozedere ist laufend den Erfordernissen der Zeit angepasst worden. Aber im Kern ist eines geblieben: die Wahl der herausragenden Persönlichkeiten des laufenden Sportjahres.

Die gibt es nun zum ersten Mal seit 70 Jahren nicht mehr. Für diese Absage gibt es keinen vernünftigen Grund. Natürlich ist 2020 im Sport weniger los als üblich. Keine Olympischen Heldinnen und Helden sind gekürt worden. Einige Titelkämpfe mussten abgesagt werden. Aber mit ziemlicher Sicherheit sind 2020 mindestens so viele internationale Wettkämpfe ausgetragen worden wie 1950 als der Zehnkämpfer und Fussballstar Armin Scheuerer zum Sportler des Jahres gekürt worden ist.

Fredy Alfred Bickel GC

Fredy Bickel im GC-Dress.

Wer war unser Sportler des Jahre 1953? Aha, GC-Kultstürmer Alfred Bickel. Und 1960 wird die Ehre dem Leichtathleten Bruno Galliker zuteil. Er wird später auch eine grosse Karriere als Sportreporter beim staatstragenden Radio Beromünster machen. Und besonders interessant: Erst ab 1971 gibt es eine eigene Kategorie für die Sportlerinnen des Jahres. Aber bereits 1954 (Ida Bieri-Schöpfer), 1956 (Madeleine Chamot-Berthod) und 1966 (Meta Antenen) werden Frauen vor allen Männern zur herausragenden Sportpersönlichkeit des jeweiligen Jahres erkoren. Dabei gab es etwa 1966 mit den Ruderweltmeistern Melchior Bürgin und Martin Studach oder mit dem enorm populären Töff-Weltmeister Luigi Taveri starke männliche Konkurrenz.

Wer aber war 2020 Sportlerin oder Sportler des Jahres? Keine Ahnung. Es gibt keine. Hat es 2020 denn keinen Sport gegeben? Doch, schon. Aber auf die Wahl ist verzichtet worden.

Was 1950 mit einer einzigen Auszeichnung (Sportler des Jahres) begonnen hat, ist längst ein sog. «Event» geworden. Mit zuletzt sieben verschiedenen Auszeichnungen. Eine abendfüllende TV-Show. Die muss finanziert werden. Party, Werbepartner, Einschaltquoten. Moderatorinnen und Moderatoren, die so wichtig sind wie die Sportstars. Der Sport ist nicht mehr die Hauptsache. Der Sport bietet nur eine weitere Gelegenheit, um eine Bude auf dem Werbejahrmarkt aufzustellen. Wie bei so vielen anderen Veranstaltungen auch, die ihre Seele dem Kommerz verkauft haben.

Die Aussicht (oder besser: die Gefahr), dass im Jahre 2020 keinem grossen Namen, sondern Aussenseiterinnen und Aussenseitern die Ehre zuteil geworden wäre, ist gross. Roger Federer stand nicht zur Wahl. Auch kein König der Schwinger und wohl auch kein Skistar. Kein Verschwörungstheoretiker, wer vermutet, dass aus Rücksicht auf die Einschaltquoten und die Visibilität der Werbelogos lieber die grossen Stars der letzten Jahre im Rudel als bloss ein paar kleinere Namen aus dem Sportjahr 2020 gefeiert werden. Ende der Polemik.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alberto77 11.09.2020 18:38
    Highlight Highlight Hirschi (Rad) und Suter (Ski) sind die Sportler des Jahres. Das wissen wir auch ohne Journalisten und Event.
  • g-rd 11.09.2020 10:20
    Highlight Highlight Die «Spootsäwooz» (warum nennt man das nicht immer noch «Sportler des Jahres?) sind so überflüssig wie ein Kropf. Ein Riesentheater, bei dem nach einem künstlich in unendliche Länge gezogenen, unglaublich teuren TV-Event irgendwelchen mehr oder weniger zufällig ausgewählten Sport-Grossverdienern ein unproportioniertes Figürchen überreicht wird, für dessen Urheber es im Sekundarschul-Werkunterricht leider keine besonders gute Note geben würde … So etwas braucht es auch nach Corona nicht mehr.
  • marak 11.09.2020 07:43
    Highlight Highlight Ja, da hat er nicht unrecht. Aber KZ sagt auch immer wieder mal im Zusammenhang mit Eishockey, dass noch nicht alle begriffen haben, dass es eben auch Showbusiness ist. Somit ist die trockene Presseaussage auch keine Überraschung.
    Dieser Teil des Showbusiness habe ich nie verstanden. Für mich gibt wenig langweiligere Anlässe als Awardshows. Aber die Quoten scheinen in Normaljahren zu stimmen und die Sponsoren haben Freude. Also geht raus und wählt die Sportlerin des Jahres, den Schweizer des Jahres, Haustier des Jahres, etc. :-)
  • Stefan Morgenthaler-Müller 11.09.2020 06:56
    Highlight Highlight Wen interessierts? Weiss noch jemand wer Sportler des Jahres 1969 geworden ist oder 1981? Sportliche Erfolge haben so lange Bestand wie Butter in einer heissen Pfanne.

    Während Corona zählte Sport nicht zu den systemrelevanten Tätigkeiten. Wie wäre es stattdessen mit dem Arbeiter des Jahres?
    • Naraffer 11.09.2020 13:03
      Highlight Highlight Wer war letztes Jahr?
    • Stefan Morgenthaler-Müller 11.09.2020 14:40
      Highlight Highlight Hakan Yakin war es nicht.
    • kettcar #lina4weindoch 11.09.2020 16:20
      Highlight Highlight Das isch de Fuessballer Moldovan gsi
  • Autokorrektur 11.09.2020 06:55
    Highlight Highlight Also ist eigentlich die Wahl mittlerweile Verrat am Sport? Btw: Trikots ohne Sponsoren sehen hübsch aus. Sollte man wiedereinführen.
  • FrancoL 11.09.2020 00:21
    Highlight Highlight Für einen Verrat am Sport fehlT der Verleihung die der faire Umgang und das Werten der Leistungen ALLER Sportarten.
  • Hosesack 10.09.2020 23:44
    Highlight Highlight Ich habe immer gedacht, die Sportler/in des Jahres Gala ist das Warmlaufen für die nächste Homestory.
  • MrBlack 10.09.2020 22:45
    Highlight Highlight Diese Veranstaltung kann gar nicht fair oder sportlich sein. Die herbeigezogenen Kriterien sind doch eher auf die Popularität einzelner Sportler & Sportarten zurückzuführen.

    Auch unter diesem Aspekt macht eine Absage kein Sinn, sie kann aber kein Verrat am Sport sein, da sie doch eher wenig mit Sport zu tun hat.
    • Bildung & Aufklärung 10.09.2020 23:36
      Highlight Highlight Ja sapperlot, als nächstes ist sogar noch der selbstbeweihräuchernde Schweizer "Musik"-Preis auch eine willkürliche Farce, die echten MusikerInnen sind nicht dabei und kümmern sich nicht darum und Lore-irgendwas überhaupt rein gar keine - schon gar nicht gute - Musikerin?!
      ¨;-)

      Mein Weltbild... Muss. Aufrecht. Erhalten.

      Gleich mal vor dem Fedi-Poster im Alain Suter Trkot DJ Bobo zur Beruhigung hören und die Aufnahmen vom Abnätsoberalp-Schwingette 1997 mit dem schweizweit bekannten Schwung vom Käser Tönu schauen.
  • 9pandas 10.09.2020 22:10
    Highlight Highlight Man könnte z.B. mal den E-Sportler des Jahres zum Sportler des Jahres krönen.
  • Zeitreisender 10.09.2020 21:16
    Highlight Highlight Welcher Sport 2020 stattgefunden hat oder noch stattfinden wird, hängt einzig und alleine davon ab ob die Corona-Schutzmassnahmen eingehalten werden konnten oder können. Eine Wahl der Sportlerin bzw. Sportlers des Jahres wäre erst recht ein Verrat am Sport gewesen, da die Gewinner aus den verbleibenden Sportveranstaltungen hätten auserkoren werden müssen und daher nicht alle Sportler die gleiche Chance gehabt hätten. Ich freue mich schon jetzt für Ferdi Kübler und Vreni Schneider.
  • neutrino 10.09.2020 20:57
    Highlight Highlight Selten war ich so einig mit dem Autor. Schlicht und einfach "bireweich" so etwas. Unverständlich.
  • N. Y. P. 10.09.2020 20:52
    Highlight Highlight #teamzaugg

    Annahme:

    Marc Hirschi gewinnt nochmals
    3 Etappen an der aktuell laufenden Tour de France 2020.

    Somit wäre er der erste Fahrer der Schweiz der an der Tour de France 4 Etappen gewinnt.

    WELTKLASSE !!

    Und er wird NICHT Sportler des Jahres 2020, dafür sonst einer.

    Das ist HAFENKÄSE !

    @Marc, du bisch en geile Siech. Lass dich nicht irritieren von dieser Servelat-Politik.
    • Zeitreisender 10.09.2020 22:09
      Highlight Highlight Man sollte den Velofahrer-Tag nie vor der Urinprobe loben.

      Er hat jetzt mal eine Etappe gewonnen und zwar in einer Sportart welche trotz Corona durchgeführt werden kann. Andere hatten dieses Glück nicht.
  • Bildung & Aufklärung 10.09.2020 20:37
    Highlight Highlight Warum sollte es "am Sport" ein Verrat sein? Gibt z.B. Skateboarder, die trainieren Tag für Tag für Tag hart unter Schweiss, Blut und Schmerz, immer an die Grenzen gehend, immer die Grenzen (auch der Angst) überwindend.

    Die kriegen nicht nur nie einen Scheinwerferkegel bei solchen Provinzpossenveranstaltungen, nein, über die spricht (sprach) nicht mal 1x die alles überbetonende Buchli und da bietet man auch irgendwie Unterwasserhornussen und solchem Seich Plattform.

    Sollen die auch heulen, oder lieben, leben und ehren sie den Sport einfach für die Sache, Schönheit und Essenz an sich? Eben.
  • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 10.09.2020 20:01
    Highlight Highlight Toller Artikel, und das Fazit auf den Punkt getroffen!
  • TheBear97 10.09.2020 19:55
    Highlight Highlight Sehr schön und passend geschrieben. Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

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