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Siegerin und Sieger des letzten Jahres: Sprinterin Mujinga Kambundji und Schwingerkönig Christian Stucki.
Siegerin und Sieger des letzten Jahres: Sprinterin Mujinga Kambundji und Schwingerkönig Christian Stucki.
Bild: keystone
Kommentar

Keine Sportlerinnen und Sportler des Jahres – das ist Verrat am Sport

Zum ersten Mal seit 1950 werden die herausragenden Persönlichkeiten unseres Sportes nicht geehrt. Das ist der Preis, den der Sport für den Verkauf seiner Seele zu bezahlen hat. Eine Polemik.
10.09.2020, 19:3711.09.2020, 13:04

Keine Sportlerin und kein Sportler des Jahres 2020 also. Das Schweizer Fernsehen teilt offiziell mit:

«Traditionell werden zum Jahresende die Schweizer Sportstars im Rahmen der ‹Sports Awards› gewürdigt. Das wird auch 2020 der Fall sein. Wegen der Corona-Pandemie stehen erstmals in der Geschichte der Prämierung aber nicht die erfolgreichsten Sportpersönlichkeiten des Jahres im Fokus, sondern die Besten seit Beginn der Preisverleihung. Das hat der Wahlausschuss der «Sports Awards» – bestehend aus Swiss Olympic, der Athletes Commission von Swiss Olympic, sportpress.ch und der SRG – entschieden.»

So weit so gut. Aber hinter dieser staubtrockenen Mitteilung steht nicht weniger als Verrat am Sport. Es ist der Preis, den unser Sport für den Verkauf seiner Seele zu zahlen hat.

Der Blick zurück hilft uns zu verstehen, was schiefgelaufen ist. Vor 70 Jahren (1950) haben die Schweizer Sportjournalisten (von Journalistinnen war damals noch nicht die Rede) beschlossen, verdiente Sportler auszuzeichnen (Sportlerin des Jahres mit eigener Kategorie erst seit 1971). Dieses Prozedere ist laufend den Erfordernissen der Zeit angepasst worden. Aber im Kern ist eines geblieben: die Wahl der herausragenden Persönlichkeiten des laufenden Sportjahres.

Die gibt es nun zum ersten Mal seit 70 Jahren nicht mehr. Für diese Absage gibt es keinen vernünftigen Grund. Natürlich ist 2020 im Sport weniger los als üblich. Keine Olympischen Heldinnen und Helden sind gekürt worden. Einige Titelkämpfe mussten abgesagt werden. Aber mit ziemlicher Sicherheit sind 2020 mindestens so viele internationale Wettkämpfe ausgetragen worden wie 1950 als der Zehnkämpfer und Fussballstar Armin Scheuerer zum Sportler des Jahres gekürt worden ist.

Fredy Bickel im GC-Dress.
Fredy Bickel im GC-Dress.

Wer war unser Sportler des Jahre 1953? Aha, GC-Kultstürmer Alfred Bickel. Und 1960 wird die Ehre dem Leichtathleten Bruno Galliker zuteil. Er wird später auch eine grosse Karriere als Sportreporter beim staatstragenden Radio Beromünster machen. Und besonders interessant: Erst ab 1971 gibt es eine eigene Kategorie für die Sportlerinnen des Jahres. Aber bereits 1954 (Ida Bieri-Schöpfer), 1956 (Madeleine Chamot-Berthod) und 1966 (Meta Antenen) werden Frauen vor allen Männern zur herausragenden Sportpersönlichkeit des jeweiligen Jahres erkoren. Dabei gab es etwa 1966 mit den Ruderweltmeistern Melchior Bürgin und Martin Studach oder mit dem enorm populären Töff-Weltmeister Luigi Taveri starke männliche Konkurrenz.

Wer aber war 2020 Sportlerin oder Sportler des Jahres? Keine Ahnung. Es gibt keine. Hat es 2020 denn keinen Sport gegeben? Doch, schon. Aber auf die Wahl ist verzichtet worden.

Was 1950 mit einer einzigen Auszeichnung (Sportler des Jahres) begonnen hat, ist längst ein sog. «Event» geworden. Mit zuletzt sieben verschiedenen Auszeichnungen. Eine abendfüllende TV-Show. Die muss finanziert werden. Party, Werbepartner, Einschaltquoten. Moderatorinnen und Moderatoren, die so wichtig sind wie die Sportstars. Der Sport ist nicht mehr die Hauptsache. Der Sport bietet nur eine weitere Gelegenheit, um eine Bude auf dem Werbejahrmarkt aufzustellen. Wie bei so vielen anderen Veranstaltungen auch, die ihre Seele dem Kommerz verkauft haben.

Die Aussicht (oder besser: die Gefahr), dass im Jahre 2020 keinem grossen Namen, sondern Aussenseiterinnen und Aussenseitern die Ehre zuteil geworden wäre, ist gross. Roger Federer stand nicht zur Wahl. Auch kein König der Schwinger und wohl auch kein Skistar. Kein Verschwörungstheoretiker, wer vermutet, dass aus Rücksicht auf die Einschaltquoten und die Visibilität der Werbelogos lieber die grossen Stars der letzten Jahre im Rudel als bloss ein paar kleinere Namen aus dem Sportjahr 2020 gefeiert werden. Ende der Polemik.

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