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Landschaftsimpression von den Faeroeer Inseln, wo die Schweizer Fussballnationalmannschaft am Freitag ihr naechstes Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel bestreitet, aufgenomen am Donnerstag, 31. Mai 2001. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)    ===ELECTRONIC IMAGE===

Landschaftlich können die Färöer mit der Schweiz mithalten, fussballerisch nicht. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Vergesst den «Es gibt keine Kleinen mehr»-Mythos: Die Färöer gehören weggeputzt!

Es heisst regelmässig, es gebe keine Kleinen mehr im Fussball. Das ist aber Blödsinn. Und genau weil diese Ausrede nach dem Färöer-Spiel wieder aufkommen könnte, sollten die Schweizer dem Gegner aufzeigen, dass es die Kleinen gibt und weiter geben wird.

Donat Roduner
Donat Roduner



Zuerst etwas Schwarzmalerei:

Es ist Sonntagabend, nach 20 Uhr. Wegen einem späten Gegentor hat die Schweiz gegen die Färöer sensationell 1:2 verloren und damit den Startrekord von vier Siegen in den ersten vier WM-Qualifikationsspielen vergeigt. Nati-Trainer Vladimir Petkovic tritt vor die Medien und lamentiert über fehlendes Wettkampfglück und das Fehlen wichtiger Leistungsträger. Und er wird diesen einen Satz sagen: «Es gibt im Fussball keine Kleinen mehr.»

Und genau das ist Seich! Es gibt sie, die Ausnahmen, doch für die meisten Kleinen gilt: Sie sind und bleiben klein. Der Satz «es gibt keine Kleinen mehr» ist nämlich nur eines: Eine billige Ausrede. Es ist kein Zufall, dass er immer nur dann verwendet wird, wenn ein vermeintlich Grosser überraschend gegen einen Kleinen verliert. 

Beispiele gefällig?

Wandel in Island

Logisch ist es möglich, dass die Schweiz gegen Luxemburg verliert oder Österreich respektive Griechenland gegen die Färöer. Aber das liegt nicht daran, dass die Überraschungssieger urplötzlich dermassen an Qualität gewonnen hätten, sondern einzig daran, dass sie vom Gegner massiv unterschätzt worden sind.

Es ist das gute alte Cup-Phänomen: Wenn der motivierte Unterklassige gegen den arroganten Oberklassigen über sich hinauswächst, sind plötzlich ungeahnte Dinge möglich. Diese Überraschungen sind es auch, die den Fussball und den Sport im Allgemeinen ungemein aufwerten. So eine Überraschung hätte es auch vor einem Monat geben können, als unsere Nati-Helden in Andorra so spielten, als hätten sie Blei an den Sohlen.

Andorra's Victor Rodriguez, left, fights for the ball against Switzerland's Admir Mehmedi, right, during the 2018 Fifa World Cup Russia group B qualification soccer match between Andorra and Switzerland in the Estadi Nacional in Andorra La Vella, Andorra, on Monday, October 10, 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Admir Mehmedi (r.) und Kollegen zeigten auf dem Kunstrasen von Andorra la Vella nicht die gewohnte Dynamik. Bild: KEYSTONE

Die allermeisten Kleinen werden aber klein bleiben. Nehmen wir beispielsweise Europa, wo Länder wie Andorra, Gibraltar, San Marino, Malta oder Liechtenstein wegen ihrer Grösse gar keine Chance haben, im Fussball längerfristig Erfolg zu haben. Die Teams werden zwar kontinuierlich besser, aber das ist bei den grösseren und besseren Teams ja nicht anders.

Dass es aber möglich ist, aus diesem Schema auszubrechen, zeigt Island, das grosse Vorbild der Färöer. Noch vor zehn Jahren waren die Nordländer noch ein ähnlicher Fussballzwerg wie die oben genannten Länder und diesen Sommer verzückten sie plötzlich alle an der EM in Frankreich. Das ist jedoch nur möglich, weil die Isländer in den letzten Jahren viel und gezielt in die Sportart investiert haben und zudem auf ein vielfach grösseres Talentreservoir zurückgreifen können als die anderen Fussball-Zwerge.

Football Soccer - England v Iceland - EURO 2016 - Round of 16 - Stade de Nice, Nice, France - 27/6/16
Iceland players celebrate after the game
REUTERS/Michael Dalder
Livepic

Isländische Euphorie an der EM in Frankreich. Das war aber nicht immer so ... Bild: Michael Dalder/REUTERS

Bild

... wie beispielsweise die Tabelle der Qualifikation für die WM 2006 zeigt (4 Punkte nach Sieg und Unentschieden gegen Malta). bild: wikipedia

Putzt sie weg!

Doch zurück zu den Färingern: Auf der im Nordatlantik gelegenen Inselgruppe gibt es, wie ich in unserem Quiz gelernt habe, zirka 5000 aktive Fussballer. Die Allerbesten davon haben sich in der WM-Qualifikation bis jetzt sehr beachtlich geschlagen, Ungarn ein 0:0 abgerungen und Lettland gar 2:0 geschlagen – auswärts notabene.

In Luzern aber gilt es den Färöer wieder zu zeigen, dass sie eben weiter zu den Kleinen gehören. Die Schweizer mit ihren internationalen Stars – Granit Xhaka ist gemäss transfermarkt.ch über hundert mal mehr wert als der teuerste Färinger – sind auf dem Papier die haushohen Favoriten. Bringen sie es im Kopf auf die Reihe, dann ist die ganz zu Beginn beschriebene Sensation ausgeschlossen.

Marktwert: 35 Mio. Euro

Swiss midfielder Granit Xhaka, left, fights for the ball with Portugal's defender Jose Fonte, right, during the 2018 Fifa World Cup Russia group B qualification soccer match between Switzerland and Portugal at the St. Jakob-Park stadium, in Basel, Switzerland, Tuesday, September 6, 2016. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Granit Xhaka (l.). Bild: KEYSTONE

Marktwert: 300'000 Euro

epa05575448 Vladislavs Gutkovskis (L) of Latvia and Hallur Hansson of Faroe Islands in action during the FIFA World Cup 2018 qualifying match between Latvia and Faroe Islands at the Skonto stadium in Riga, Latvia, 07 October 2016.  EPA/Valda Kalnina

Hallur Hansson (r.). Bild: Valda Kalnina/EPA/KEYSTONE

Darum, liebe Schweizer, verhindert um jeden Preis, dass Vladimir Petkovic an der Pressekonferenz sagen muss: «Es gibt im Fussball keine Kleinen mehr.» Putzt die Färöer weg!

Neidisch? Die Nati trainiert bei perfektem Herbstwetter in Lugano

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • herschweizer 13.11.2016 15:39
    Highlight Highlight Macht die Walschlachter fertig!
  • doomsday prophet 13.11.2016 09:54
    Highlight Highlight xs spielt ja nicht, dass stimmt mich zuversichtlich, da die nati dann mit 11 mann spielt.
  • Duscholux 12.11.2016 19:04
    Highlight Highlight Mit "es gibt keine kleinen mehr" sind ja auch Teams wie Österreich, Schweiz oder Polen gemeint und nicht wirklich die Exoten.

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