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Zika – vor den Olympischen Spielen von Rio eines der Hauptthemen.
Zika – vor den Olympischen Spielen von Rio eines der Hauptthemen.Bild: AP
Kommentar

Zika, der vergessene Olympia-Skandal: Ich glaube nur noch, was ich selber erfunden habe

Endlich ist die erste olympische Mücke erschlagen worden. Die Zika-Panik ist der vergessene Skandal von Rio. Rote Flecken an den Beinen gibt es nur von anderen «Viechern».
08.08.2016, 10:58
klaus zaugg, rio de Janeiro

Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten wir Zugriff auf so viele Informationen. Und wir werden so dreist belogen und falsch informiert wie noch nie.

Mücken? Waren da nicht diese Geschichten über die Mücken, die auch in Rio ein Virus (Zika) übertragen? Haben nicht kluge Köpfe, Wissenschaftler, allergrösste Bedenken geäussert? War nicht die olympische Mückengefahr ein globales Medienthema? Haben nicht deswegen sogar einige, hochkarätige Sportler auf die Teilnahme von Rio verzichtet?

Mückenstiche? Bislang wurden die Besucher in Rio davon mehrheitlich verschont.
Mückenstiche? Bislang wurden die Besucher in Rio davon mehrheitlich verschont.Bild: AP

Ja, so ist es. Mehr als 150 Gesundheitsexperten hatten im Mai in einem offenen Brief die zeitliche oder räumliche Verlegung der Olympischen Spiele in Rio aufgrund der Zika-Epidemie empfohlen. In einem Schreiben an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf warnten die Experten vor globalen Gesundheitsrisiken. Eine halbe Million Besucher der Spiele könnten in Rio de Janeiro angesteckt werden.

Die WHO solle eine unabhängige Expertengruppe aufstellen, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu den Risiken der Zika-Verbreitung beraten könne, heisst es in dem Brief. Dies nicht zu unternehmen, wäre aus Sicht der Unterzeichner unverantwortlich.

Zu den Unterzeichnern gehören 151 Experten von Universitäten und Gesundheitszentren in 29 Ländern, unter ihnen ein ehemaliger wissenschaftlicher Berater des Weissen Hauses, Philip Rubin. Verfasst wurde der Brief von Amir Attaran von der Universität Ottawa, Arthur Caplan und Lee Igel von der Universität New York und Christopher Gaffney von der Universität Zürich.

Kampfchemikalien aus der «Landi»

Ich hatte mir angesichts solcher Warnungen und Bedenken ernsthaft überlegt, ob ich den Wahnsinn Rio unter solchen Umständen überhaupt riskieren sollte. Wagemut und Risikobereitschaft waren stärker. Ich bin jetzt doch hier.

Aber ich hatte mich vor der Abreise in einer Brockenstube erkundigt, ob man eventuell ein altes Moskito-Netz habe. Was, wenn ich mal vergesse, die Fenster und Türe im Hotelzimmer sorgfältig zu schliessen und abzudichten? Es wäre sicherlich klug, ein Moskito-Netz mitzunehmen, um mich im Bett vor den eindringenden Mückenschwärmen zu schützen.

Mit cooler Sonnenbrille und langen Hosen: Der Eismeister in Rio bei Hingis/Bacsinszky.
Mit cooler Sonnenbrille und langen Hosen: Der Eismeister in Rio bei Hingis/Bacsinszky.bild: facebook

Kurze Hosen? Auf gar keinen Fall! Ich überlegte mir sogar, ob es zum Schutz vor den aggressiven Tiger-Mücken klug wäre, in Rio unter den Jeans zusätzlich lange Unterhosen aus dicker Baumwolle zu tragen. Und Mückenspray schien mir unerlässlich. Warum nicht gleich die Kampfchemikalien aus der «Landi» im Gepäck nach Rio schmuggeln, die ich zu Hause verwende, um Wespennester auszuräuchern? Nach den dramatischen Medienberichten musste ich mit ganz gefährlichen Mücken rechnen. Gross und angriffslustig wie Wespen.

Vielleicht wäre es auch gut, wieder mit dem Rauchen von dicken Zigarren anzufangen. Um am Abend in der Gartenwirtschaft mit dem Rauch die Mücken zu vertreiben. Ich erkundigte mich bei Gelegenheit auch bei einem Imker. Ob er Tricks kenne, wie man sich vor angriffslustigen Kampfinsekten schützen könne?

Kollegen, die schon oft in Rio waren, lachten mich aus. Ob ich eigentlich spinne? Im August sei in Rio Winter. Um diese Jahreszeit gebe es dort gar keine Mücken. Auch Olympia-General Ralph Stöckli, der sich in Südamerika gut auskennt, gab Entwarnung.

Ich blieb skeptisch. Wissenschaftler haben Alarm geschlagen! Ich habe es gelesen! Ich glaube, was ich lese!

Medial geschürte Hysterie

Nun hat gestern ein amerikanischer Kollege mit einer dramatischen Geste und viel Karacho eine Mücke erschlagen. Die erste Mücke, die ich in acht Tagen und Nächten Rio überhaupt zu Gesicht bekomme habe. Es war ein armseliges, kleines Exemplar. Aber es war zweifelsfrei eine Mücke. Wir amüsierten uns.

Ein kanadischer Kollege aber krempelte ein Hosenbein hoch und zeigte rote Flecken am Bein. Nein, das seien keine Mückenstiche. Das seien Spinnenbisse. Spinnenbisse? Ich habe nirgendwo etwas über bissige Spinnen in Rio gelesen. Wo kommen die denn her?

Haben die Wissenschaftler uns absichtlich verschwiegen, dass es in Rio eine Spinnengefahr gibt?

Nicht allzu viele Mücken: In Rio ist derzeit Winter.<br data-editable="remove">
Nicht allzu viele Mücken: In Rio ist derzeit Winter.
Bild: EPA/EFE

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich mich mit Spott auch versündigen kann. Aber diese medial geschürte Hysterie um die Mücken-Gefahr in Rio hat mich schon nachdenklich gestimmt. Was sollte damit erreicht werden? Als Liebhaber von Verschwörungstheorien vermute ich, dass sich ein paar Wissenschaftler wohl ein gut bezahltes Beratungs-Mandat beim IOC und ein bisschen Medienpräsenz sichern wollten. Die Mücken-Hysterie ist der vergessene Skandal von Rio.

Ich habe mir nun vorgenommen, künftig nicht mehr alles zu glauben, was ich lese.

Ausser das, was ich selber geschrieben und erfunden habe.

Die besten Bilder der Olympischen Spiele aus Rio

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele
quelle: epa/keystone / peter klaunzer
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