DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kambundji freut sich nach dem Rennen über den zweiten Platz.
Kambundji freut sich nach dem Rennen über den zweiten Platz.Bild: Keystone

Ehammer und Kambundji begeistern – ihr EM-Silber ist für die Schweiz Gold wert

Die Berner Sprinterin über 100 Meter und der Appenzeller im Zehnkampf verpassen den EM-Titel nur hauchdünn. Für den Verband Swiss Athletics ist das Erfolgsduo trotzdem Gold wert. Was verbindet die Beiden?
17.08.2022, 02:42
Rainer Sommerhalder, München / ch media

Es sind nicht nur in München die aktuellen Lichtgestalten der Schweizer Leichtathletik. Mujinga Kambundji (30) und Simon Ehammer (22) trennen zwar acht Jahre Altersunterschied. Doch viel mehr Eigenschaften verbinden die Zwei.

Spass haben. Ist das die Bauanleitung zum Erfolg? Wer der Berner Sprinterin und dem Appenzeller Zehnkämpfer bei der Arbeit zuschaut, kommt ohne Umwege auf diesen Gedanken. Beide strahlen Freude aus, flirten mit dem Publikum, lachen in die Kameras. Sport kann so einfach sein. Wie Simon Ehammer in München auf den enttäuschenden Auftritt mit dem Diskus (34.92 m) durch persönliche Besthöhe im Stabhochsprung (5.20 m) reagierte, war Klasse.

War zwischenzeitlich enttäuscht: Simon Ehammer.
War zwischenzeitlich enttäuscht: Simon Ehammer.Bild: keystone

Die Werte der Familie und die Kraft der Worte

Die Frohnatur von Kambundji und Ehammer ist nicht gekünstelt. Sie entspricht dem Charakter und bildet den Ursprung einer tiefgreifenden Lockerheit, die auch dann noch funktioniert, wenn bei vielen anderen Athletinnen und Athleten der Wettkampfstress längst zu einer spürbaren Verbissenheit führt.

Vielleicht liegt das Geheimnis dieses auffallenden Charismas in der Familie, vielleicht auch bei der Kommunikation. Beide sind «Schnorris» und unterhaltsame Erzähler. Von ihnen gibt es keine Standardantworten auf die immer wieder gleichen Fragen. Kurz angebunden erlebt man sie praktisch nie.

Mujinga Kambundji gewinnt an den Europameisterschaften in München die Silbermedaille über 100 m.
Mujinga Kambundji gewinnt an den Europameisterschaften in München die Silbermedaille über 100 m.Bild: keystone

Was Kambundji und Ehammer verbindet ist der Umgang im Elternhaus. Da ging es beim Sporttreiben nie um richtige Resultate oder falschen Ehrgeiz. Die Kinder sollen Spass haben - heute noch. Wer Mujinga Kambundjis Vater Safuka auf der Tribüne eines Leichtathletik-Meetings begegnet, spürt die Freude als Leitfaden auch heute noch.

Auch zu Simon Ehammer gibt es eine Familien-Episode. Dass er die beinahe schon obligaten Rückschläge während eines Zehnkampfs heute so schnell wegsteckt, ist einem ab und zu schmerzhaften Lernprozess geschuldet. Es ist noch nicht einmal so lange her, da wollte er aus Frust auf seine Leistung im Speerwerfen zum abschliessenden 1500-m-Lauf nicht mehr antreten. Mutter Manuela sprach ein Machtwort. Simon lernte die Lektion. Spass haben und durchziehen.

Kambundji: Die Konsequenz in Person

Beide geben alles für ihren Sport. Es gibt keine halben Sachen. Und der Blick ist stets nach vorne gerichtet. «Ich kann es noch besser» hört man nach jedem noch so grossen Erfolg von beiden. Es ist ein fortwährender Antrieb und sorgt dafür, dass Mujinga Kambundji noch lange nicht am Ende ihrer beeindruckenden Karriere steht. Welche Konstanz sie dabei entwickelt hat, ist bewundernswert.

Beinahe schon legendär sind ihr Körpergefühl und das Feeling tief unten im Bauch, was ihr gut tut und was schlecht. In der Umsetzung ist die 30-Jährige die Konsequenz in Person. Die Trainingspläne von Adi Rothenbühler sind vielmehr Diskussionsgrundlage denn Gesetz. Da kann Kambundji sehr bestimmt sein. An der EM wird sie nicht mehr wie an der WM von Rothenbühler, sondern von ihrem Lebenspartner Florian Clivaz betreut.

Simon Ehammer strahlt nach dem Gewinn der Silbermedaille.
Simon Ehammer strahlt nach dem Gewinn der Silbermedaille.Bild: keystone

Auch Simon Ehammers Entwicklung verläuft ähnlich. Das Gefühl für den Körper ist als Mehrkämpfer ohnehin ausgeprägt. Und neuerdings bestimmt er im Training schon mal selbst, wann Schluss ist. Auch wenn der Trainer es anders sieht. Und wo bei Kambundji die Konstanz ist, ist bei Ehammer die Auffassungsgabe. «Simon lernt schnell», sagt Coach René Wyler.

Für Kambundji der Lift, für Ehammer die Treppe

Wo aber liegen neben dem Alter die Unterschiede? Simon Ehammer ist nicht nur auf dem Wettkampfplatz ein quirliger Typ. Mujinga Kambundji ist neben der Bahn die gemütliche Bernerin. Wo der Zehnkämpfer die Treppe nimmt, sucht die Sprinterin mit Garantie den Lift.

Während der Appenzeller seine sportliche Basis seit je her im heimischen Teufen findet, musste die Bernerin auf ihrem Weg in die Weltspitze die Betreuung zuerst für Jahre im Ausland suchen. Nicht weil sie das wollte, sondern weil es vor ihr in der Schweiz schlicht keine Sprintkultur gab. Heute eifert ihr in der Heimat eine ganze Generation nach. Bei Simon Ehammer wird das nicht lange auf sich warten. Denn eine Gemeinsamkeit bleibt abschliessend zu betonen: Sie gewinnen Medaillen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So schön jubelt Mujinga Kambundji

1 / 11
So schön jubelt Mujinga Kambundji
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Hund mischt Staffelrennen auf und trocknet im Endspurt alle ab

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bruno Wüthrich
17.08.2022 07:57registriert August 2014
Klasse, was unser kleines Land immer wieder für Sportlerinnen und Sportler herausbringt. Wirklich allererste Sahne! Wobei: Dass "wir" in Wintersportarten gut sind, ist wegen unserer Lage zwar fast ein wenig normal. Aber Mujinga Kambundji und Simon Ehammer sind wie unsere Tennisspieler:innen in einer Weltsportart unterwegs. Ebenso die Radfahrer:innen und Schwimmer:innen, Triathlet:innen etc. etc. Hinzu kommt, dass wir äusserst passable Nationalmannschaften (z.B. in der Weltsportart Nr. 1 Fussball bei den Frauen und Herren) haben. Grosses Kino! Diesmal von Mujinga und Simon. Bravo! Gratulation!
332
Melden
Zum Kommentar
avatar
GrossmeisterDerBlauenReiterei
17.08.2022 06:31registriert Dezember 2014
Herzliche Gratulation den beideb Sportler*innen. Freut mich :)
221
Melden
Zum Kommentar
5
Real Madrid verkauft schon vor Ronaldos rauschendem Debüt über 100'000 seiner Trikots
5. Oktober 2002: Bei Real Madrid spielen schon Zinédine Zidane und Luis Figo, doch erst mit dem Zuzug von Ronaldo wird der spanische Rekordmeister endgültig «galaktisch». Einen Tag vor seinem ersten Einsatz zieht Reals Finanzchef eine erste, freudige Bilanz.

Jedes Jahr ein neuer Superstar – das ist das Motto von Florentino Perez, dem Präsidenten von Real Madrid Anfang des neuen Jahrtausends. Von Erzrivale Barcelona stösst im Jahr 2000 Luis Figo zu den Königlichen, ein Jahr später folgt Weltmeister Zinédine Zidane und 2002 kommt Ronaldo dazu.

Zur Story