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Verrückte Partie in Basel: Die Schweiz unterliegt Deutschland nach Wirtz-Traumtoren
Den Schlusspunkt des Spiels setzt mit Florian Wirtz der beste Mann des Spiels. Dass man den Liverpool-Angreifer an der Strafraumgrenze niemals so frei an den Ball herankommen lassen darf, wissen die Schweizer eigentlich. Dennoch kann er sich in der 86. Minute die Torecke aussuchen und überwindet Gregor Kobel zum zweiten Mal.
Damit endete das 55. Duell zwischen den Nachbarländern mit der 37. Niederlage für die Schweiz. Und es war ein logischer Ausgang, nachdem die Schweiz in der zweiten Halbzeit nur noch wenig vom Spiel hatte und eher glücklich zum Ausgleich gekommen war. Das Fazit ist entsprechend schnell gezogen: In der ersten Halbzeit agierten die Teams mehrheitlich auf Augenhöhe, durch die vielen Wechsel brachte sich die Schweiz dann aber selbst aus dem Rhythmus.
Ndoye und Embolo gegen den Klub-Frust
In der ersten Halbzeit traten die Teams so an, wie sie es mit den zur Verfügung stehenden Spielern wohl auch an der WM gemacht hätten. Es sollte im Hinblick auf die Endrunde im Sommer ein erster Härtetest werden. Und tatsächlich entwickelte sich ein Spiel mit hohem Tempo, wobei die Schweizer zunächst in die eigene Hälfte gedrängt wurden.
Obwohl die erste Viertelstunde klar Deutschland gehörte, hiess es in der 17. Minute 1:0 für die Schweiz. Weil Rechtsverteidiger Joshua Kimmich weit ins Zentrum gerückt war, genoss Dan Ndoye plötzlich viel Raum. Er zog in den Strafraum, nahm den Ball auf seinen linken Fuss und erwischte den Goalie in der nahen Ecke. Damit tat er es gleich wie an der EM vor zwei Jahren: Schon damals brachte er die Schweiz im Duell gegen Deutschland in Führung.
Es war der erste von vier Treffern in der ersten Hälfte. Zweimal ging die Schweiz in Führung, Deutschland glich jeweils aus. Für das zweite Schweizer Tor war Breel Embolo zuständig. Nach einer mustergültigen Flanke von Silvan Widmer setzte er sich stark gegen Jonathan Tah – der mit seinem ersten Länderspieltor das 1:1 erzielt hatte – durch und traf per Kopf. Mit 23 Länderspieltoren belegt der 29-Jährige nun den alleinigen 9. Platz der ewigen Torschützenliste im Nationalteam.
Ausgerechnet Ndoye und Embolo trafen für die Schweiz: Beide hatten zuletzt eine schwierige Zeit in ihren Klubs und kamen vermehrt nur noch als Joker zum Einsatz. Yakin liess sich davon aber nicht beirren, hielt an den beiden fest und wurde dafür belohnt.
Deutschland kämpft sich zurück
Dass die Schweizer nicht mit einer Führung in die Pause gingen, war doppelt ärgerlich. Zum einen, weil Fabian Rieder in der 43. Minute das 3:1 auf dem Fuss hatte. Sein Distanzschuss prallte jedoch von der Querlatte ab. Zum anderen, weil Nico Elvedi kurz vor dem Pausenpfiff ungenügend klärte. Beim Gegenstoss wurde Serge Gnabry schön in die Tiefe geschickt und lupfte den Ball über Gregor Kobel ins Tor.
Der Schweizer Goalie musste sich in seinem 20. Länderspiel noch zwei weitere Male geschlagen geben. In der 61. Minute liessen sich die Schweizer zum wiederholten Mal von einem schnell ausgeführten Corner überraschen. Wirtz nahm Mass und traf aus seitlicher Position genau in die entfernte Torecke.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Yakin, der angekündigt hatte, möglichst viele der elf möglichen Wechsel nutzen zu wollen, schon vier Auswechslungen vorgenommen. Unter anderem hatte er Denis Zakaria als Rechtsverteidiger aufgestellt und Captain Granit Xhaka durch Ardon Jashari ersetzt. Die vorerst unveränderten Deutschen übernahmen das Spieldiktat und gingen dank Wirtz’ Kunstschuss verdient ein erstes Mal in Führung.
Der Ausgleich kam dann eher aus dem Nichts. In der 79. Minute wurde der eingewechselte Joël Monteiro knapp ausserhalb der Strafraumgrenze angespielt, behauptete sich und zirkelte den Ball ins Netz. Damit machte der YB-Angreifer, der als Backup für Embolo aufgeboten wurde, Werbung in eigener Sache. Auch wenn es am Ende nicht zum Unentschieden reichte.
Nun gegen Norwegen
Das zweite Testspiel der Schweizer findet am Dienstag statt. In Oslo kommt es zum Aufeinandertreffen mit einem weiteren europäischen Topteam. Mit acht Siegen in acht Spielen und einem Torverhältnis von 37:5 hat sich Norwegen souverän für die WM qualifiziert. Danach widmen sich die Spieler dem Endspurt in der jeweiligen Meisterschaft. Der nächste Termin des Nationalteams wird im Mai sein, wenn Murat Yakin das Kader für die WM präsentieren wird.
Schweiz - Deutschland 3:4 (2:2)
Basel. 34'316 Zuschauer. SR Kavanagh (ENG).
Tore: 17. Ndoye 1:0. 26. Tah 1:1. 41. Embolo 2:1. 45. Gnabry 2:2. 61. Wirtz 2:3. 79. Monteiro 3:3. 86. Wirtz 3:4.
Schweiz: Kobel; Widmer (46. Zakaria), Elvedi (78. Cömert), Akanji (62. Amenda), Rodriguez (46. Muheim); Xhaka (46. Jashari), Freuler (78. Sierro); Vargas (46. Manzambi), Rieder (62. Sanches), Ndoye (78. Aebischer); Embolo (62. Monteiro).
Deutschland: Baumann; Kimmich, Schlotterbeck, Tah, Raum; Stiller (80. Gross), Goretzka (80. Stach); Sané (63. Karl), Gnabry, Wirtz; Havertz (63. Woltemade). (nih/sda)
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