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Das riskanteste Projekt unserer Töffgeschichte 

Dominique Aegerter (l.) und Tom Lüthi (r.) zusammen mit watson-Töffexperte Klaus Zaugg.
Dominique Aegerter (l.) und Tom Lüthi (r.) zusammen mit watson-Töffexperte Klaus Zaugg.Bild:
Lüthi und Aegerter vereint?

Das riskanteste Projekt unserer Töffgeschichte 

Die zwei Siegfahrer Tom Lüthi und Dominique Aegerter im gleichen Team. Kann das gut gehen? Hinter den Kulissen wird intensiv an diesem hochriskanten, aber auch interessanten Projekt gearbeitet. 
29.08.2014, 12:5429.08.2014, 13:22
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Der Pulverdampf der Gerüchte lichtet sich und nun erkennen wir, was geplant wird. Weil Daniel M. Epp aussteigen will und für seinen Piloten Tom Lüthi ein Team sucht und sich das Projekt MotoGP nicht finanzieren lässt, wird ein Schweizer Dreamteam mit Tom Lüthi und Dominique Aegerter für die nächste Saison immer wahrscheinlicher. 

Noch werden Nebelkerzen gekündet. Epp hat sich hochoffiziell mit einem eigenen Team für die Moto2-WM 2015 eingeschrieben. Damit hat er sich vorerst einmal abgesichert, komme was wolle. Mit Hochdruck arbeitet er am riskantesten Projekt unserer Töffgeschichte: Er versucht, Tom Lüthi im Team von Dominique Aegerter unterzubringen. 

Daniel M. Epp plant für die neue Saison einen Coup.
Daniel M. Epp plant für die neue Saison einen Coup.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Fast die letzte Möglichkeit

Es bleibt ihm kaum noch eine andere Möglichkeit. Ein Aufstieg in die Königsklasse MotoGP, der ewige Traum, lässt sich nicht finanzieren. Die Verhandlungen mit dem spanischen Teambesitzer Jorge Martinez (Honda) kommen aus finanziellen Gründen nicht voran und Martinez wird wohl Scott Redding unter Vertrag nehmen. Hauptsponsor Interwetten macht weiter, möchte aber den ganzen Schweizer Markt abdecken. Aber erstmals seit 2002 muss Tom Lüthi den Schweizer Markt mit Dominique Aegerter teilen. 

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Die Lösung liegt auf der Hand. Daniel M. Epp und Olivier Métraux fusionieren ihre Rennteams. Epp kann sich aus dem Geschäft zurückziehen. Es bleiben ein paar Details zu regeln – etwa wie Robin Mülhauser, die aktuelle Nummer 2 im Team von Dominique Aegerter, nächste Saison eingesetzt werden kann. 

Olivier Metraux (r.): Legt er sein Team mit demjenigen von Lüthi zusammen?
Olivier Metraux (r.): Legt er sein Team mit demjenigen von Lüthi zusammen?Bild: KEYSTONE

Nun ist auch klar, warum Teambesitzer Olivier Métraux darauf bestanden hat, die Vertragssituation mit seinem Piloten Dominique Aegerter bis zum GP von Tschechien in Brünn zu klären. Er kann ja nicht Verhandlungen über die Zusammenlegung zweier Teams führen, wenn er nicht weiss, ob er überhaupt einen Piloten hat. 

Passen zwei Alphatiere zusammen?

Eine Fusion der beiden Schweizer Teams ist kommerziell möglich, weil die beiden Hauptsponsoren (Interwetten, CarExpert) aus dem Sportwetten- und dem Autoersatzteilgeschäft kommen. Also zwei völlig verschiedene Branchen. 

Die Gerüchte spriessen auch deshalb, weil die Verhandlungen ganz oben, zwischen den Teambesitzern Daniel M. Epp und Olivier Métraux geführt werden. Alle übrigen Beteiligten werden entweder gar nicht oder nur teilweise informiert. Während Tom Lüthi über diese Pläne im Bilde ist, weiss Dominique Aegerter noch nichts davon. 

Ist es möglich, zwei Alphatiere aus dem gleichen Land in einem Rennteam zu vereinigen? Es ist nur machbar, wenn beide ihre eigene Teamstruktur behalten. Also ihre eigenen Cheftechniker und Mechaniker. Wenn sozusagen zwei Teams im Team weiterbestehen, die bloss gewisse Infrastrukturen gemeinsam betreiben. 

Lüthi und Aegerter Hand in Hand: Bald auch als Team?
Lüthi und Aegerter Hand in Hand: Bald auch als Team?Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

In der MotoGP funktioniert's – aber unter anderen Vorzeichen

Nach diesem Muster funktionieren in der MotoGP-Klasse mehr oder weniger die Teams mit Marc Marquez/Dani Pedrosa (Honda), Valentino Rossi/Jorge Lorenzo (Yamaha) sowie in der Moto2-WM das Team mit Esteve Rabat und Mika Kallio. 

Allerdings taugen diese Vorbilder nur bedingt für das Schweizer Experiment. Bei Honda ist Marc Marquez klar die Nummer 1 und Dani Pedrosa akzeptiert diese Situation. Bei Yamaha ist Valentino Rossi ebenfalls die Nummer 1 und der ehemalige Weltmeister Jorge Lorenzo steckt seit Rossis Ankunft im Team in einer Krise. 

In der MotoGP funktionieren viele Teams mit Superstars so – aber die Voraussetzungen sind anders.
In der MotoGP funktionieren viele Teams mit Superstars so – aber die Voraussetzungen sind anders.Bild: TOBY MELVILLE/REUTERS

Spannungen sind vorprogrammiert

Wenn Tom Lüthi und Dominique Aegerter unter dem gleichen Dach Rennen fahren, so wird es eher früher als später zu Spannungen kommen. Auch dann, wenn beide ihre eigene Struktur behalten. Denn es geht darum, wer in der Schweiz die Nummer 1 ist. Rennfahrer sind hochsensible Alphatiere. Sie achten auf jede Kleinigkeit und wittern bei jeder Gelegenheit technische oder sonstige Benachteiligung. 

Am Ende hat jener Pilot die Nase vorne, der mental robuster und schlitzohriger ist. Wir können es salopp so sagen: Rockstar Dominique Aegerter ist mental robuster. Aber der erfahrenere Tom Lüthi schlitzohriger. Die beiden Schweizer Töffstars in einem Team – das riskanteste und interessanteste Projekt unserer Töffgeschichte. 

Dominique Aegerter: «Das könnte mir schon einen zusätzlichen Kick geben.»  
Dominique Aegerter: «Das könnte mir schon einen zusätzlichen Kick geben.»  Bild: David Goldman/freshfocus

Lüthi blockt ab, Aegerter ist neugierig

Aufschlussreich ist die Reaktion der Piloten auf diese Pläne. Weil Tom Lüthi diese Pläne kennt und nicht reden darf, reagiert er auf entsprechende Fragen mit der gleichen gespielten Ahnungslosigkeit, wie wenn ihn seine schöne Freundin Fabienne fragen würde, ob er sie betrogen habe. «Es ist vieles möglich und nichts entschieden. Ich überlasse die Verhandlungen ganz meinem Manager ...»

Dominique Aegerter reagiert hingegen mit Neugier. «Davon weiss ich noch nichts. Aber es hört sich interessant an. Ich brauche zwar keine zusätzliche Motivation. Aber das könnte mir schon einen zusätzlichen Kick geben. Und es wäre sicherlich hilfreich, wenn wir bei Tests endlich einen zweiten Piloten haben, der auf meinem Niveau fährt.»

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