Das neue Formel-1-Team von Audi hat schon doppelt so viele Mitarbeiter wie Sauber hatte
Erstmals seit 2016 nehmen wieder elf Teams an der Formel-1-WM teil. Neben Neueinsteiger Cadillac feiert am Sonntag im Grand Prix von Australien auch Audi seine Premiere als Werksteam. Der deutsche Automobil-Konzern will aus dem einstigen Sauber-Team einen echten Formel-1-Giganten machen.
Die Regelzäsur in der Formel 1 mit neuen Motoren und neuen Autos erschien für die VW-Tochter als perfekter Zeitpunkt für den intern umstrittenen Einstieg. Fast die gesamte Branche ächzt unter Kostendruck und sinkenden Einnahmen – und ausgerechnet jetzt soll viel Geld investiert werden?
«Dass eine grosse Marke dahintersteht, heisst nicht, dass alles klappt, aber die Voraussetzungen sind vorhanden, um schnellstmöglich konkurrenzfähig zu sein», meint Nico Hülkenberg. Der Deutsche bildet zusammen mit dem Brasilianer Gabriel Bortoleto das Fahrerduo bei Audi.
Zwei Jahre Zeit zum Lernen
Die Marke mit den vier Ringen hat in der Königsklasse des Motorsports grosse Ziele und macht daraus auch kein Geheimnis. «Zwei Jahre geben wir uns Zeit zum Lernen, dann wollen wir die etablierten Teams herausfordern», sagt Audis Teamchef Jonathan Wheatley im Interview mit der «Bild»-Zeitung.
Die Neuausrichtung geht mit einem massivem Personalausbau einher. Seit der Übernahme von Sauber wurde die Mitarbeiterzahl auf rund 800 verdoppelt. Die erste Etappe der Renovierungsarbeiten am Standort in Hinwil ist abgeschlossen. Um langfristig mit den Topteams mit rund 1400 Mitarbeitern mithalten zu können, sind weitere Aufstockungen erforderlich. Denn bis 2030 will Audi um den WM-Titel mitfahren.
Hülkenberg warnt vor zu viel Euphorie
Die grösste technische Herausforderung für Audi stellte der neue Motor dar, der in Neuburg an der Donau nahe der Audi-Schaltzentrale Ingolstadt entwickelt und gebaut wird. Erste Kinderkrankheiten wurden bei den Testfahrten behoben. Noch weiss man allerdings nicht so genau, wo man im Vergleich zur Konkurrenz steht.
Laut Hülkenberg sind dem Team mit dem R26 bereits «sehr gute Fortschritte» gelungen. Der Deutsche erkannte «definitiv einige positive Aspekte», warnte aber vor zu viel Euphorie um das neue Werksteam: «Es ist noch früh, und es gibt immer mehr zu tun, mehr zu analysieren, mehr zu optimieren.» Ein Platz im Mittelfeld scheint für Audi im Jahr 1 der neuen Ära möglich.
