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Neue Downhill-Weltmeisterin: Camille Balanche. Bild: www.imago-images.de

Erst verletzt sich die Schweizer Favoritin, dann rast ihre Freundin zum WM-Titel

Chris von Rohr wäre stolz gewesen auf die Downhiller: «Meh Dräck» war an der WM in Österreich kaum möglich. Am besten kam damit Camille Balanche zurecht. Die 30-jährige Neuenburgerin gewann Gold. Und wurde im Ziel von ihrer Lebenspartnerin erwartet, die als Favoritin verletzt passen musste.



Knöcheltief ist der Schlamm in einem Wald im österreichischen Leogang. Besonders lustig, da mit einem Mountainbike herunter zu fahren, wirkt das nicht. Doch Hadern bringt nichts: Wer ins wunderbare Regentrikot schlüpfen will, muss durch den Dreck.

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Der Run zum WM-Gold – durch Schneegestöber und Matsch. Video: YouTube/KidUKnott

Die Strecke verlangte den Athleten alles ab. «Ich bin noch nie ein so schwieriges Rennen gefahren», betonte Camille Balanche im SRF-Interview. Die 30-Jährige meisterte die Aufgabe besser als alle Konkurrentinnen und wurde Weltmeisterin. «Im Training bin ich bei jeder Fahrt gestürzt und ausgerechnet im Rennen ging alles auf», freute sie sich. «Wahrscheinlich hatte auch ich ein bisschen Glück.»

Schon wieder ein Kreuzbandriss?

Und mit Balanche feierte im Ziel Emilie Siegenthaler. Im Schweizer Team war sie eigentlich als Medaillenanwärterin vorgesehen – bis ein Trainingssturz kurz vor dem Rennen dazu führte, dass Siegenthaler nicht an der WM teilnehmen konnte.

«Manchmal soll es einfach nicht sein», postete sie vor dem Rennen. Im Januar hatte sie eine Knieoperation, die rechtzeitig verheilt war. Nun ist Siegenthaler darüber besorgt, erneut einen Kreuzbandriss erlitten zu haben. «Es ist verheerend, wenn ich daran denke, dass wohl schon wieder eine langwierige Phase der Rehabilitation vor mir steht.»

Und so könnte die Gefühlswelt von Emilie Siegenthaler am Sonntagnachmittag nicht verzerrter sein. Denn Weltmeisterin Camille Balanche ist mehr als nur eine Teamkollegin – seit drei Jahren sind die zwei Fahrerinnen ein Paar. Die Senkrechtstarterin und die Erfahrene. «Sie hat die Fähigkeit, schnell zu lernen», beschreibt Siegenthaler ihre Freundin. Balanche gibt das Lob der Lehrerin zurück: «Sie kann mir gut helfen mit ihrer Routine.»

Gemeinsam durch gute wie schlechte Tage: Balanche und Siegenthaler.

Auf dem Bike schnell erfolgreich

Balanche ist ein sportliches Multitalent. Als Juniorin wird sie Schweizer Meisterin im Fechten. Mit dem Eishockey-Nationalteam nimmt sie 2010 in Vancouver an den Olympischen Spielen teil. Dazwischen betreibt die Tochter von Ex-Skispringer Gérard Balanche (einmal Dritter im Weltcup) unter anderem Leichtathletik und Volleyball.

Von dieser Vielseitigkeit profitiere sie heute auf dem Bike, ist sie überzeugt. Ganz allgemein habe sie durch Erfahrungen in verschiedenen Sportarten ihre Koordinationsfähigkeit verbessert, so Balanche. «Vor allem habe ich aber gelernt, mir die spezifischen Bewegungsformen einer Sportart schnell anzueignen. Dank dieser Fähigkeit ist es mir gelungen, im Downhill so schnell Fuss zu fassen.»

Erst 2017 hatte sie diese Sportart für sich entdeckt, seither wurde sie Jahr für Jahr besser. 2018 gewann sie bereits Bronze an den Europameisterschaften, im vergangenen Jahr den EM-Titel und nun als Krönung WM-Gold. Mehr geht nicht, olympisch sind im Mountainbike nur die in der Schweiz bekannteren Cross-Country-Rennen.

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Die frischgebackene Weltmeisterin gönnt sich einen Schluck aus der Flasche. Bild: www.imago-images.de

Nun werden weniger Balanches physische Fähigkeiten von Bedeutung sein, dafür die psychologischen, damit Freundin Siegenthaler aus ihrem Verletzungstief herausfinden kann. Selten liegen Glück und Pech in einer Liebesbeziehung so nahe beieinander wie in den paar Stunden im österreichischen Leogang.

Keine Medaille bei den Männern

Bei den Männern ging der WM-Titel an den Briten Reece Wilson. Er siegte vor David Trummer aus Österreich und Rémi Thirion aus Frankreich. Als 25. wurde Noël Niederberger bester Schweizer.

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Ab in den Dreck – Radquer-Fahrer im Vorher/Nachher-Vergleich

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sheep-Oh
12.10.2020 11:10registriert March 2019
Ich han emmer no Gänsehuut :) Mega Krimi gsi geschter! Big Up to Camille <3
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AndtotheY
12.10.2020 16:44registriert November 2019
Downhill sollte viel öfters und ausführlicher vom SRF gezeigt werden. Ist ähnlich wie bei Skifahren absolut mitreissend und extrem spannend. Mit einem guten Experten als Co-Kommentator könnte zudem viel übers Fahrrad und die Technik gelernt werden. Ich hoffe, das Schweizer Fernsehen überträgt in Zukunft mehr Downhill-Rennen und auch XC-Rennen mit den starken Schweizern sind spannend zum schauen.
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