Sport
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Der US-Sport steht still: Proteste gegen Polizeigewalt lösen Kettenreaktion aus

In den USA machen Sportler ihre Wut und Enttäuschung über die Polizeigewalt im Land deutlich wie nie zuvor. Diverse Mannschaften und Spieler boykottieren ihre Einsätze.



Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen schwarzen Amerikaner am Wochenende hat viele Spieler ein weiteres Mal schwer getroffen. Ausgelöst von einem historischen Playoff-Boykott der Milwaukee Bucks verzichteten Teams und Spieler in der NBA, MLB, MLS und WNBA auf ihre Wettkämpfe. Ob die durch die Corona-Pandemie lange unterbrochene und nun in einer abgeschotteten Blase gespielte Saison in der NBA noch fortgesetzt wird, ist nun Gegenstand von intensiven Debatten.

Basketball

Als erstes Team entschieden sich die Milwaukee Bucks, nicht zum Playoff-Spiel gegen die Orlando Magic anzutreten. Milwaukee liegt nur wenige Stunden von Ort entfernt, wo am Wochenende auf den schwarzen Familienvater Jacob Blake geschossen worden ist. In einer allem Anschein nach nicht schon lange vorbereiteten Aktion boykottierten sie das fünfte Spiel der Playoff-Serie beim Stand von 3:1 Siegen und blieben stattdessen in der Kabine.

Das ganze Statement des Bucks-Teams:

Es seien trotz den vielen Forderungen noch keine Massnahmen ergriffen worden, deshalb könne man sich nicht aufs Basketball spielen konzentrieren, so die Spieler der Bucks in einem Statement. Nach dem Boykott der Bucks entschied sich die NBA, diese und weitere zwei Partien zu verschieben.

Für ihren Protest bekamen die Bucks landesweit viel Lob. «So etwas habe ich noch nie gesehen. Man muss den Milwaukee Bucks eine Menge Respekt zollen», sagte Basketball-Legende Charles Barkley dem TV-Sender CNN. «Ich finde es sehr couragiert, was die Milwaukee Bucks heute Abend gemacht haben.» Von den Team-Besitzern, die nicht informiert waren, gab es Rückendeckung für die Basketballer. Und auch Superstar LeBron James fand klare Worte auf Twitter: «Scheiss darauf, Mann. Wir verlangen Veränderung. Schnauze voll», so der Superstar der Los Angeles Lakers.

Tags zuvor hatte Doc Rivers, Trainer der Los Angeles Clippers, bereits mit einem emotionalen Kommentar seinen Schmerz und seine Wut zum Ausdruck gebracht: «Es ist für mich erstaunlich, warum wir dieses Land weiterhin lieben und dieses Land uns nicht zurück liebt», sagte der Trainer als Reaktion auf das Video der Schüsse auf Jacob Blake.

Auch in der WNBA, der Basketball-Liga der Frauen, setzten mehrere Spielerinnen ein Zeichen gegen Rassismus. Die Washington Mystics liefen geschlossen in Shirts auf, welche zusammen den Namen von Jacob Blake ergeben und Löcher auf dem Rücken haben, die Einschusslöcher symbolisieren.

«Wir sind nicht nur Basketball-Spielerinnen. Wenn viele von uns nach Hause gehen, sind wir auch schwarz», so Ariel Atkins von den Mystics. Auch die WNBA erklärte im Anschluss, man werde die Spiele vom Mittwoch verschieben.

Tennis

Die Western & Southern Open, welche dieses Jahr in New York ausgetragen werden, stehen ebenfalls still. Ausgelöst wurde der Boykott von Naomi Osaka. Die Japanerin mit Wurzeln in Haiti teilte mit, nicht zu ihrem Halbfinalspiel antreten zu wollen. «Bevor ich eine Athletin bin, bin ich eine schwarze Frau. Und ich habe das Gefühl, es gibt wichtigere Sachen, welche jetzt Aufmerksamkeit brauchen, als mir beim Tennisspielen zuzuschauen», so Osaka auf Twitter. «Ich erwarte nicht, dass etwas Drastisches mit mir passiert, wenn ich nicht spiele. Aber wenn ich ein Gespräch starten kann in einem mehrheitlich weissen Sport, betrachte ich das als Schritt in die richtige Richtung.»

Auch die Organisatoren des Turniers zogen im Anschluss Konsequenzen. Man entschied sich dafür, sämtliche Partien vom Donnerstag zu verschieben und am Freitag auszutragen.

Fussball

Auch die MLS haben die Proteste mittlerweile erreicht. Nachdem das Spiel zwischen Orlando und Nashville noch wie geplant durchgeführt wurde, verschob die Liga die verbliebenen fünf Spiele vom Mittwoch. «Die MLS-Familie ist traurig und schockiert nach diesem sinnlosen Angriff», teilte die Liga in einem Statement mit.

Verschiedene Teams unterstützten den Boykott. Mehrere Mannschaften versammelten sich nach der Spielverschiebung auf dem Rasen, wo sie mit «Black Lives-Matter»-Shirts für Fotos posierten.

Baseball

Auch in der MLB entschieden sich einige Teams dafür, aus Protest nicht zu den Spielen anzutreten. Drei Spiele wurden von der Liga deswegen verschoben, diejenigen zwischen den Milwaukee Brewers und den Cincinnati Reds, den San Diego Padres und den Seattle Mariners sowie den San Francisco Giants und den Los Angeles Dodgers. «Wir respektieren den Entscheid von einigen Spielern, heute nicht zu spielen. Die MLB bleibt geschlossen für Änderungen in unserer Gesellschaft und wird ein Alliierter im Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit sein», so die Liga auf Twitter.

(dab/sda)

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