Diese Trennung könnte die NBA in ihren Grundfesten erschüttern
Es ist erst wenige Wochen her, dass Giannis Antetokounmpo gegenüber The Athletic sagte: «Mein Plan ist es, den Rest meiner Karriere hier zu verbringen.»
Nun berichtet der führende NBA-Insider Shams Charania von ESPN aber: Der 31-Jährige habe die Milwaukee Bucks schon vor Monaten informiert, dass er den Moment für eine Trennung nach über zwölf Jahren gekommen sehe. Nun verhandeln die Bucks angeblich mit mehreren Teams über einen Trade. Darunter ist mit den New York Knicks ein echter Titelanwärter und mit Minnesota, Golden State sowie Miami drei Teams, die es spätestens mit Antetokounmpo wären.
Die Liebesbekundung des Griechen an das Team, das ihn 2013 draftete, sorgte in der NBA schon damals für Fragezeichen. Schliesslich liebäugelte Antetokounmpo angeblich schon im Sommer mit einem Weggang aus Milwaukee. Weil sein Vertrag noch bis 2027 läuft, hätte er aber einen Trade erzwingen müssen. «Es wird nie passieren, dass ich sage, dass ich einen Trade will. Das ist nicht in meiner Natur», erklärte Antetokounmpo aber. Gleichzeitig liess er sich eine Türe offen. Zu seiner Entscheidung, in Milwaukee bleiben zu wollen, sagte er: «Stand heute.»
Antetokounmpo will nicht als Bösewicht dastehen
Die Verantwortung für die Gerüchte über seine Zukunft wies er stets von sich. Als ESPN berichtete, dass sein Agent im Hintergrund mit den Verantwortlichen der Bucks diskutierte, ob der Basketball-Star an einem anderen Ort nicht besser aufgehoben wäre, sagte Antetokounmpo: «Ich kann nicht kontrollieren, was mein Agent macht.» Dabei sollte dieser eigentlich in seinem Interesse handeln.
Zuletzt kritisierte Antetokounmpo seine Teamkollegen aber deutlich. «Wir spielen nicht mit genügend Einsatz und nicht zusammen. Einige spielen egoistisch», polterte er nach einer Niederlage. Dennoch äusserte er bisher nicht klar, dass er Milwaukee verlassen möchte. Der Grieche, der Milwaukee den ersten Titelgewinn seit 1971 brachte, möchte offensichtlich nicht als Bösewicht dastehen, der einen Wechsel forciert. Dies erklärt die widersprüchlichen Aussagen vor und hinter den Kulissen.
Dennoch scheint jetzt der Zeitpunkt gekommen zu sein, in dem er sich einem anderen Team anschliessen möchte. Die Chancen, mit Milwaukee einen weiteren Titel zu gewinnen, sind ziemlich klein. Aktuell stehen die Bucks bei nur 18 Siegen aus 46 Spielen und sind klar ausserhalb der Play-In-Plätze klassiert. Das wird Antetokounmpos immer wieder deutlich kommuniziertem Ziel weiterer Meisterschaften nicht gerecht.
Mehrere Trades zahlten sich nicht aus
Immer wieder versuchte Bucks-GM Jon Horst mit mutigen Trades, rund um seinen Superstar einen Titelanwärter aufzubauen – auch weil Antetokounmpo mehrmals zögerte, seinen Vertrag zu verlängern. Mit Jrue Holiday, der ein wichtiger Faktor beim Titelgewinn in der Saison 2020/21 war, funktionierte dies. Seither scheiterte Horst aber daran, Antetokounmpo ein meisterwürdiges Kader zur Seite zu stellen. Weder die Verpflichtung von Damian Lillard im Sommer 2023 noch jene von Myles Turner vor der aktuellen Saison zahlte sich aus.
Und so schied Milwaukee in den letzten drei Saisons jeweils in der ersten Playoff-Runde aus, obwohl Antetokounmpo seit Jahren zu den besten drei oder vier Basketballern der Welt zählt. Die Enttäuschungen haben auch mit Verletzungen des Superstars zu tun, ausserdem war Antetokounmpo in den Playoffs nicht immer über alle Zweifel erhaben. Doch ist es keine gewagte These, dass den zweifachen MVP nur wenig Schuld an den Verfehlungen der letzten Jahre trifft.
28 Punkte, 10 Rebounds und 5,6 Assists pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Dazu kommt hervorragende Defensivarbeit. Da wäre er trotz Wurfschwäche eine Verstärkung für jedes Team – weshalb sich nun wohl alle der 29 restlichen NBA-Teams Gedanken machen, ob eine Verpflichtung von Antetokounmpo möglich ist. Der Power Forward kann aber eine gewisse Macht ausüben, indem er signalisiert, an gewissen Orten nicht über die verbleibende Vertragslaufzeit von anderthalb Jahren hinaus bleiben zu wollen.
Alle warten auf Antetokounmpo
Wie schnell ein Trade zustande kommt, ist unklar. In den nächsten Wochen ist Antetokounmpo wegen einer Wadenverletzung zum Zusehen verdammt. Nur bis zum 5. Februar sind in der NBA in dieser Saison aber noch Trades erlaubt. Die Bucks sehen sich trotzdem nicht unter Zeitdruck und werden nur Angebote akzeptieren, die einen in ihren Augen ausreichenden Gegenwert bieten. Sie dürften sich eine Menge zukünftiger Draftpicks und hochtalentierte junge Spieler erhoffen. Nachdem einige teure Trades aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, sind die Teams mit ihren Angeboten vorsichtiger geworden. Milwaukee hätte wohl kein Problem damit, bis nach der Saison zu warten.
Finden die Bucks und ein anderes Team aber noch vor der Trade-Deadline am nächsten Donnerstag eine Einigung, könnte dies die NBA-Hierarchie auf den Kopf stellen. Derzeit sind die Oklahoma City Thunder haushoher Favorit auf die Titelverteidigung. Den Denver Nuggets trauen die Buchmacher am ehesten zu, ihnen gefährlich zu werden, dahinter klafft eine grosse Lücke.
Könnten sich zum Beispiel die New York Knicks – Antetokounmpos angebliche Wunschdestination – die Dienste des Superstars sichern, wären sie ein ganz grosser Anwärter auf den Titel. Das gilt auch für andere Teams wie die Houston Rockets oder die Minnesota Timberwolves, die ebenfalls interessiert sein sollen. Ein Trade von Antetokounmpo könnte zudem auf weitere Spieler einen Einfluss haben.
So sind etwa mit Ja Morant (Memphis) und Anthony Davis (Dallas) weitere Stars unzufrieden und könnten ebenfalls noch getradet werden. Solange Antetokounmpo auf dem Markt ist, geniesst er aber Priorität. Zudem könnten sich gewisse Teams gezwungen sehen, sich ebenfalls zu verstärken, wenn der «Greek Freak» plötzlich bei einem Konkurrenten unter Vertrag steht. Der NBA stehen aufregende Tage bevor.
