Den Heimvorteil voll ausgenutzt: Italien jubelt über die erfolgreichsten Winterspiele
Nur gerade neun Tage – also wenig mehr als die Hälfte der Dauer – reichten schon, da hatte Italien seinen bisherigen Rekord von 20 Medaillen an Olympischen Winterspielen aus dem Jahr 1994 in Lillehammer übertroffen. Den Auftakt machte die Eisschnellläuferin Francesca Lollobrigida, die Grossnichte der einstigen Schauspielikone Gina Lollobrigida, gleich am Tag nach der Eröffnungsfeier mit Gold über 3000 m.
Am Ende stehen die Gastgeber mit 30 Medaillen – zehn in Gold, sechs in Silber und vierzehn in Bronze – da. Der Heimvorteil und das dafür investierte Geld in die Sportförderung haben sich definitiv ausgezahlt. Insgesamt gab es in nicht weniger als zehn von sechzehn Sportarten Edelmetall. Am erfolgreichsten waren im Sog Lollobrigidas die Eisschnellläufer mit dreimal Gold, gefolgt von den Skifahrerinnen und Rodlern mit jeweils zwei.
Emotionale Lollobrigida
Zwei symbolträchtige Aushängeschilder stechen besonders heraus. Die 35-jährige Francesca Lollobrigida, weil sie eine junge Mutter ist und noch auf dem Eis ihren gut zweieinhalbjährigen Sohn Tommaso in die Arme schloss. «Ich lebe in einem Traum», schwärmte die Römerin. «Das ist der schönste Tag meines Lebens. Erstens, weil mein Sohn, mein Mann, meine ganze Familie hier sind und dann weil ich auf italienischem Boden gewonnen habe.»
Wie Lollobrigida machte sich auch Federica Brignone mit ihren Triumphen im Super-G und Riesenslalom zu einer der italienischen «donne d'oro». Ihre Geschichte ist deshalb so besonders, weil nur schon ihre Teilnahme nach dem schweren Sturz an den italienischen Meisterschaften Anfang April lange in Zweifel stand.
Erwartungen übertroffen
«Mindestens 19 Medaillen» hatte Luigi Buonfiglio, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, vor den Spielen als Ziel herausgegeben. «Nie hätte ich gedacht, dass unser Team derart stark sein würde.» Am Ende belegt Italien hinter Norwegen, den USA und den Niederlanden (10 x Gold, 7 x Silber, 3 x Bronze, alle im Eisschnelllaufen und Short Track) den 4. Platz im Medaillenspiegel.
Zwei Positionen dahinter liegt Frankreich, und es wird auf einen ähnlichen Exploit in vier Jahren zu Hause hoffen. Dies ist auch durchaus berechtigt. Blickt man auf die letzten Olympischen Spiele, dann wurde der Heimvorteil von den Gastgebern eigentlich immer ausgenutzt und die Medaillenanzahl fiel höher aus als an den Olympischen Spielen vier Jahre zuvor.
Heimvorteil wird meistens ausgenutzt
Während zum Beispiel China im Jahr 2018 nur neun Medaillen – davon eine goldene – in Pyeongchang gewinnen konnte, freuten sich die Chinesen vier Jahre später 15 Mal über Edelmetall und gewannen gleich neun Goldmedaillen. Wie die Italiener bei dieser Austragung beendete China die Olympischen Spiele auf dem vierten Platz im Medaillenspiegel.
Im Jahr 2014 holte keine Nation so viele Medaillen wie Russland. Die damaligen Gastgeber konnten mit 29 Podestplätzen ihre Ausbeute von vier Jahren zuvor mehr als verdoppeln.
Der letzte Gastgeber, welcher weniger Medaillen holte als an den vorherigen Winterspielen, waren ausgerechnet die Italiener vor zwanzig Jahren. Während die Südeuropäer 2002 in Salt Lake City 13 Medaillen einheimsten, waren es in Turin nur noch deren elf. Dafür gewannen sie 2006 eine Goldmedaille mehr als vier Jahre davor. (riz/sda)
