Schlechter als bei Corona-Spielen – Ski-Stars beklagen Olympia-Stimmung in Bormio
Bormio sind für die Schweizer bisher der Erfolgsort der Olympischen Winterspiele. Drei Goldmedaillen gab es dort bereits. In Abfahrt und Super-G triumphierte Franjo von Allmen alleine, in der Team-Kombination gemeinsam mit Tanguy Nef. Dennoch könnte die Stimmung besser sein.
Marco Odermatt, der zum zweiten Mal bei Winterspielen dabei ist, sagte gegenüber 20 Minuten: «In Bormio ist überhaupt kein olympischer Spirit vorhanden.» Sogar vor vier Jahren in Peking sei dieser grösser gewesen. Dabei wurden die Spiele in China geprägt von Corona, weshalb kaum Zuschauer zugelassen waren.
In diesem Jahr trifft es die männlichen Skifahrer besonders hart: In Bormio finden neben den Skirennen der Männer einzig noch die Wettbewerbe der Ski-Bergsteiger statt. Allerdings kämpfen diese erst um die Medaillen, wenn die Olympischen Spiele für die Alpinen bereits vorbei sind.
Odermatt findet, dass die Stimmung schon ein wenig spezieller sein könnte, da die Olympischen Spiele auch nur alle vier Jahre stattfinden. Dem vierfachen Gesamtweltcupsieger ist aber auch klar, dass dies wohl die Zukunft der Winterspiele sein würde. Auch in vier Jahren werden die Olympischen Spiele dezentral in den französischen Alpen stattfinden.
Bereits bei der Anreise kam bei «Odi» nicht das typische Olympia-Feeling auf, auch weil die Männer einen Tag davor noch ein Weltcuprennen in Crans-Montana bestritten. Vor vier Jahren war das anders, da sie bereits eine Woche zuvor nach China reisten.
Der dreifache Olympiasieger Franjo von Allmen vergleicht die Stimmung in Bormio sogar mit einem gewöhnlichen Weltcuprennen. Aber er wisse schliesslich auch nicht, wie sich die letzten Spiele angefühlt haben. Der Kontakt zu anderen Sportlern ist in Bormio nicht vorhanden, was auch von Allmen schade findet. «Ich glaube, es wäre interessant, sich auch mit Athleten aus anderen Sportarten kurzzuschliessen, aber es ist, wie es ist», erklärt der Berner Oberländer, sieht dadurch aber auch einen Vorteil: «So können wir uns besser auf die Skirennen konzentrieren.»
Die Stimmung in Bormio ist zwar bei den Rennen hervorragend, aber sobald diese vorbei sind, scheint die kleine Gemeinde verwaist. Dies bestätigt auch der ORF-Experte Hans Knauss. Der siebenfache Weltcupsieger sagt gegenüber dem TV-Sender: «Wir sind hier völlig abgeschieden von der Olympiafamilie, es tut sich nichts, das ist nicht der Flair, den ich mir bei Olympischen Spielen wünschen würde.» Adi Niederkorn, langjähriger Ö3-Reporter, bezeichnet Bormio als «Blinddarm dieser Spiele».
Ähnlich klingt es bei den Fans, die in Bormio vor Ort waren. Nach der Abfahrt beklagten sich einzelne Schweizer Fans gegenüber SRF über die fehlende Stimmung und auch über die schlechte Sicht, die sie hatten.
Obwohl das olympische Feeling weniger gross sei, findet es Stefan Rogentin vorteilhaft, dass die Spiele über mehrere Orte verteilt werden und die bereits bestehende Infrastruktur verwendet wird. «Auf eine längere Sicht betrachtet, ist das sicher sehr sinnvoll», sagt der Bündner.
In Bormio finden mit dem Riesenslalom und Slalom noch zwei Skirennen der Männer statt, bevor die Skibergsteiger die Olympia-Premiere erleben werden.
