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Olympia 2022

Feuz' Triumph und Gut-Behramis Genugtuung – das lief am Montag in Peking

Alle Medaillengewinner vom 7. Februar

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Alle Medaillengewinner vom 7. Februar
Ski alpin, Männer, Abfahrt
Gold: Beat Feuz (SUI)
Silber: Johan Clarey (FRA)
Bronze: Matthias Mayer (AUT)
quelle: keystone / jean-christophe bott
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Feuz-Triumph mit Unglückszahl und Gut-Behrami auf Nefs Spuren – das lief gestern in Peking

07.02.2022, 16:3708.02.2022, 04:10
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Feuz triumphiert erneut mit der Unglückszahl

Die 13 wird gemeinhin als Unglückszahl bezeichnet. Ob Beat Feuz abergläubisch ist, ist offen, aber der Emmentaler wird sie spätestens nach der Olympia-Abfahrt zu seiner Glückszahl ausrufen. Nachdem Feuz 2017 in St.Moritz mit dieser Startnummer bereits zu WM-Gold gefahren war, raste er nun mit der 13 in Peking zum Olympiasieg. Die zwei wichtigsten Triumphe mit derselben Startnummer 13 – wenn das kein gutes Omen war.

Für Feuz war es vier Tage vor seinem 35. Geburtstag die Krönung seiner bereits überaus erfolgreichen Karriere. Dank einer beinahe perfekten Fahrt holte sich der Schangnauer in der um einen Tag verschobenen Abfahrt 10 Hundertstel vor dem Franzosen Johan Clarey die Goldmedaille. Bronze sichert sich mit einem Rückstand von 16 Hundertstel der Österreicher Matthias Mayer, der vor acht Jahren in Sotschi in der Königsdisziplin triumphiert hatte.

epa09734415 Beat Feuz of Switzerland reacts after his run in the Men's Downhill race of the Alpine Skiing events of the Beijing 2022 Olympic Games at the Yanqing National Alpine Ski Centre Skiing ...
Was Didier Cuche kann, kann Beat Feuz schon lange.Bild: keystone

Feuz ist der vierte Schweizer Abfahrts-Olympiasieger nach Bernhard Russi (1972), Pirmin Zurbriggen (1988) und Didier Défago (2010). Mit Gold komplettierte der Abfahrts-Weltmeister von 2017 seinen Medaillensatz an Olympischen Spielen. Vor vier Jahren in Südkorea hatte Feuz Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt gewonnen.

Russi on the Rock

Die Triumphfahrt von Beat Feuz verfolgte Pistenbauer Bernhard Russi, 1972 einer der drei Vorgänger von Feuz als Schweizer Abfahrts-Olympiasieger, aus einer ganz speziellen Position. Der Urner, der in Peking seine letzte Piste gebaut hat, nahm für das Rennen auf dem nach ihm benannten und mit einer Urner Fahne dekorierten «Russi's Rock» Platz, wie die TV-Bilder zeigten. Der charakteristische Fels am Rand seiner Piste hätte eigentlich weggesprengt werden sollen. Russi setzte sich aber dafür ein, dass dieser erhalten bleibt. Wenn es aus Eigeninteresse war, dann sei dies der Ski-Legende gegönnt.

Gut-Behrami wie einst Sonja Nef

Lara Gut-Behrami sorgte kurz nach Beat Feuz gleich für die zweite Schweizer Medaille an den Winterspielen in China. Die Tessinerin gewann im Riesenslalom hinter Sara Hector und Federica Brignone die Bronzemedaille.

Bei Halbzeit lag Gut-Behrami mit eineinhalb Sekunden Rückstand nur an achter Stelle. Doch die Riesenslalom-Weltmeisterin von Cortina 2021 zeigte im Finaldurchgang eine fulminante Fahrt. Trotz eines kleinen Patzers kurz nach dem Start gelang ihr die Laufbestzeit, womit sie sich noch um fünf Positionen verbessern konnte.

Gut-Behramis zehnte Medaille an Titelkämpfen, die zweite bronzene an Olympia nach derjenigen 2014 in der Abfahrt, war gleichbedeutend mit dem ersten Podestplatz an Winterspielen einer Schweizer Riesenslalom-Fahrerin seit zwei Jahrzehnten. 2002 war es, als Sonja Nef in Salt Lake City – damals auch als amtierende Riesenslalom-Weltmeisterin – ebenfalls Bronze geholt hatte.

Postergirl und zwei Schweizerinnen im Final

Sarah Höfflin als Sechste und Mathilde Gremaud als Neunte haben sich im olympischen Big Air für den Final der besten zwölf qualifiziert. Auch die grosse Favoritin Eileen Gu, die für China antretende 18-jährige Überfliegerin aus Kalifornien, überstand die Qualifikation, allerdings ohne zu brillieren. Der Final auf der in einem Pekinger Industriegebiet gebauten Betonrampe findet in der Nacht auf Dienstag (ab 3.00 Uhr) statt.

Debakel für Ski-Freestyler und Biathletinnen

Die Schweizer Ski-Freestyler konnten ihre Chance an den Olympischen Spielen nicht nutzen. Andri Ragettli, Fabian Bösch, Kim Gubser und Colin Wili schieden im Big Air allesamt in der Qualifikation aus. Bester Schweizer war Ragettli, der den Vorstoss in den Final als 14. nur um zwei Ränge respektive 2,25 Punkte verpasste. Der Bündner Goldfavorit im Slopestyle, der im Januar auf bestechende Art von einer schweren Knieverletzung zurückkehrte, startete stark, punktete mit dem zweiten Sprung aber zu wenig und stürzte schliesslich bei seinem dritten Versuch.

Deutlich hinter den Erwartungen blieben auch die Schweizer Biathletinnen im Einzel über 15 km. Lena Häcki, Amy Baserga und Selina Gasparin und verpassten die Top 20 teils klar. Der Sieg ging an die Deutsche Denise Herrmann mit ihrem Schweizer Trainer Andreas Waldmeier. Hermann hatte 2014 in Sotschi noch als Langläuferin mit der Staffel Bronze gewonnen. Erst 2016 wechselte die 33-Jährige dann zum Biathlon.

Lena Haecki of Switzerland crosses the finish line during the women's 15-kilometer individual race at the 2022 Winter Olympics, Monday, Feb. 7, 2022, in Zhangjiakou, China. (AP Photo/Kirsty Wiggl ...
Mit vier Fehlschüssen war Häcki als 24. die beste Schweizerin.Bild: keystone

Gold-Märchen nach Krebserkranung

Es mutet wie ein Märchen an: Der kanadische Snowboarder Max Parrot gewinnt drei Jahre nach überstandener Krebserkrankung Olympia-Gold im Slopestyle. Einige Monate, nachdem er in Pyeongchang Silber gewonnen hatte, wurde bei Parrot Lymphknotenkrebs diagnostiziert. «Vor drei Jahren lag ich in einem Spitalbett und hatte keine Energie, keine Muskeln, kein Herz», erinnerte sich der 27-Jährige, der sich einer Chemotherapie unterziehen musste. «Drei Jahre später wieder hier an den Olympischen Spielen zu sein, meine Leidenschaft auszuleben, das beste Rennen zu fahren, das ich je gemacht habe, und Gold zu gewinnen – das ist verrückt», so Parrot.

15-jährige Valieva schreibt Geschichte

Der Kür-Auftritt der 15-jährigen Eiskunstläuferin Kamila Valieva beim Team-Event in Peking war historisch. Die junge Russin hat als erste Frau bei Olympischen Winterspielen einen erfolgreichen Vierfachsprung gezeigt – und das gleich zweimal. Beim Sieg mit der russischen Mannschaft stand der Teenager zu Maurice Ravels «Bolero» sowohl einen Toe-Loop als auch einen Salchow mit vier Umdrehungen.

Zwölfte Olympia-Medaille für Ireen Wüst

Ireen Wüst, die erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten, hat in Peking nochmals einen drauf gesetzt. Die Niederländerin gewann über 1500 m ihre sechste Goldmedaille an Winterspielen. Mit nunmehr zwölf Olympia-Medaillen ist die 35-Jährige hinter Norwegens Nordisch-Ikonen Marit Björgen, Ole Einar Björndalen und Björn Dählie neu die Nummer 4 in der ewigen Bestenliste.

Ireen Wust of the Netherlands reacts after finding out she won the gold medal in the women's speedskating 1,500-meter race at the 2022 Winter Olympics, Monday, Feb. 7, 2022, in Beijing. (AP Photo ...
Ireen Wüst konnte es selbst kaum glauben.Bild: keystone

Wüst auf den Fersen bleibt Arianna Fontana: Vier Jahre nach ihrem Olympiasieg in Pyeongchang gewann die italienische Eisschnellläuferin im Shorttrack über 500 m erneut Gold. Für die 31-Jährige, die in Peking bereits Silber mit der Mixed-Staffel gewonnen hatte, war es bereits die zehnte Medaille bei Winterspielen. Nun steht sie bei zwei goldenen, drei silbernen und fünf bronzenen Auszeichnungen.

Fünf Disqualifikationen im Mixed-Skispringen

Der olympische Mixed-Teamwettkampf im Skispringen verkam zur Farce. Gleich vier Athletinnen und ein Athlet von Teams mit Medaillenhoffnungen wurden disqualifiziert: Österreichs Routinière Daniela Iraschko-Stolz, die Japanerin Sara Takanashi und die Deutsche Katharina Althaus nahm der Kontrolleur im ersten Umgang aus der Wertung, weil etwas mit dem Anzug nicht stimmte. Im Finaldurchgang kamen eine Norwegerin und ein Norweger hinzu.

epa09735597 Sara Takanashi of Japan (L) with a teammember reacts after being disqualified during the Mixed Team Ski Jumping Normal Hill first round at the Zhangjiakou National Ski Jumping Centre at th ...
Die Konsternation bei Sara Takanashi war gross.Bild: keystone

Immerhin setzte sich mit Slowenien in der Besetzung Nika Kriznar, Timi Zajc, Ursa Bogataj und Peter Prevc die favorisierte Mannschaft durch – mit einem Vorsprung von 111 Punkten. Silber holte das aus Russland stammende Team ROC, Bronze ging an Kanada, das über keine grössere Schanzenanlage verfügt. Die Schweiz stellte mangels weltcuperprobter Skispringerinnen keine Mannschaft.

Die Frauen mit der weissen Maske

Erst mit einer Stunde Verspätung und schliesslich mit weissen Schutzmasken sind die Rekord-Olympiasiegerinnen aus Kanada zum Hockey-Vorrundenspiel gegen Russland angetreten. Zunächst wollten die Kanadierinnen das Spiel gar boykottieren. Der Grund: Die Russinnen hatte keine negativen Corona-Testergebnisse vorgelegt. Zuvor waren beim Team des Russischen Olympischen Komitees sechs Spielerinnen positiv getestet worden.

So kam es schliesslich zu kuriosen Szenen: Während das kanadische Team nicht aus der Kabine kam, fuhren die Russinnen rund eine halbe Stunde lang übers Eis, ehe auch sie sich wieder in die Katakomben zurückzogen. Losgehen konnte die Partie erst, als beide Mannschaften unter ihren Gittern Mund- und Nasenschutz angelegt hatten. Kanada gewann die kuriose Partie mit 6:1.

Den ersten Sieg beim Olympia-Turnier feierten unterdessen die Schweizerinnen. Das Team von Trainer Colin Muller setzte sich im vierten Vorrundenspiel gegen Finnland knapp mit 3:2 durch. Es war der erste Sieg seit zehn Jahren gegen die Skandinavierinnen. Im Viertelfinal heisst der Gegner der Schweizerinnen entweder erneut Finnland oder Russland.

Mixed-Curler enttäuschen auch zum Schluss

Jenny Perret und Martin Rios beenden das olympische Turnier im Mixed-Doppel mit drei Siegen und sechs Niederlagen im 7. Rang unter zehn Teams. Die Olympia-Zweiten von 2018 verloren die letzte Round-Robin-Partie gegen Norwegen 5:6.

Jenny Perret, of Switzerland, yells to her teammate during the mixed doubles curling match against Norway at the Beijing Winter Olympics Monday, Feb. 7, 2022, in Beijing. (AP Photo/Brynn Anderson)
Jen ...
Fast nichts lief wie gewünscht bei Jenny Perret.Bild: keystone

Das Leistungsniveau des Schweizer Duos lag weit unterhalb der Performance der besten Teams. In den neun Partien der Vorrunde brachten es Perret/Rios auf nur 72,7 Prozent an gelungenen Steinen. Dies ist im Curling auf Weltniveau ein (zu) niedriger Wert, mit dem man rund 10 Prozentpunkte auf die Besten einbüsste. (pre/sda)

Der Medaillenspiegel

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2022 in Peking
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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2022 in Peking
Zum Abschied gibt's wie immer ein riesiges Feuerwerk.
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«So macht es Spass» – bei der Nati überwiegt nach der Leistung gegen Deutschland der Stolz
Die Schweizer Nationalmannschaft zeigte gegen Deutschland eine starke Leistung und holte im letzten Gruppenspiel einen Punkt. Trotz des späten Ausgleichstreffers zeigen sich die Nati-Akteure zuversichtlich.

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