
Michael Phelps während der Olympischen Spiele in Paris.Bild: keystone
Wie der 24-fache Olympiasieger Michael Phelps über die chinesischen Schwimmer denkt, was er von Léon Marchand hält und was er zu Gerüchten über ein Comeback sagt.
Simon Häring, Paris / ch media
Mit 28 Medaillen, 23 davon in Gold, ist der Amerikaner Michael Phelps mit grossem Abstand der erfolgreichste Olympionike der Geschichte. Erstmals nahm er im Alter von 15 Jahren an Olympischen Spielen teil, letztmals 2016 in Rio de Janeiro. Sein Meisterstück lieferte der heute 39-Jährige 2008 in Peking ab, als er sich gleich neun Mal die Goldmedaille umhängen liess.
Entsprechend gross ist der Andrang, als er am Montag bei einem Anlass seines langjährigen Partners, der Schweizer Uhrenmarke Omega, im Hotel de Poulpry in einem historischen Gebäude im siebten Arrondissement von Paris auftritt. Wie Phelps über den besten Schwimmer der Spiele, den Franzosen Léon Marchand, denkt, was er über Comeback-Gerüchte denkt und was er zu den Dopingenthüllungen zu chinesischen Schwimmern sagt.
Michael Phelps über …
… Dopingenthüllungen zu chinesischen Schwimmern im Vorfeld der Olympischen Spiele in Paris:
«Ich selbst wurde wohl so oft kontrolliert wie sonst kaum jemand und ich finde das richtig. Womit ich ein ernsthaftes Problem habe, ist, wenn nicht alle gleich behandelt werden. Denn dann ist nicht für Fairness und Gleichheit gesorgt. Ich glaube nicht, dass ich während meiner Karriere jemals in einem Feld geschwommen bin, in dem alle sauber gewesen sind. Bei einigen habe ich gedacht, dass sie betrügen. Und in einigen Fällen hat sich dieser Verdacht am Ende auch bewahrheitet.»
… den 20-jährigen Chinesen Pan Zhanle, der über 100 Meter Freistil einen neuen Weltrekord aufstellte und die Konkurrenz um mindestens 1,08 Sekunden und mehr distanzierte:
«Er ist eine unglaubliche Zeit geschwommen. Aber wissen Sie, solange wir die Fakten nicht kennen, können wir nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen und ihn unter Generalverdacht stellen. Es ist klar, dass alle ganz genau auf China schauen, weil einige von den Athleten bei den letzten Spielen positiv getestet worden sind.»
... das Strafmass bei Dopingvergehen:
«Es bricht mir das Herz, wenn ich Athleten sehe, die sich vier Jahre auf die Olympischen Spiele vorbereiten und dann von jemandem besiegt werden, der betrügt. Wenn jemand ein Mal positiv getestet wird, sollte er nie mehr an einem Wettkampf starten dürfen. Denn wenn du bereit bist, dieses Risiko auf dich zu nehmen, gehörst du nicht hierher.»

Ende Juni sprach Michael Phelps vor dem US-Repräsentantenhaus in Washington unter Eid.Bild: keystone
Dass sich die Fragen um dieses Thema drehen, hat einen Grund. Ende Juni hatte Michael Phelps bei einer Anhörung durch den US-Kongress schwere Anschuldigungen gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erhoben. Diese hatte im April bestätigt, dass vor den Spielen in Tokio 2021 fast zwei Dutzend chinesische Schwimmer positiv auf Trimetazidin getestet worden waren. Die verbotene Substanz kommt in Herzmedikamenten vor.
2008 hatte er sich selbst zur Verfügung gestellt, um wöchentlich Blut und Urin abzugeben. «Weshalb? Damit ich sagen kann, dass ich nicht betrüge und sauber bin. Dass ich auf diese Weise 23 Mal Olympia-Gold gewonnen habe.» Es sei möglich. «Jeder sollte die gleiche Einstellung haben.»
… seinen Kampf mit Depressionen und den offenen Umgang damit:
Während der Pandemie waren viele mit Einsamkeit konfrontiert und wir wissen, dass das die häufigste Ursache für Depressionen ist. Auch ich gehe noch immer durch Höhen und Tiefen, manchmal täglich. Mir hilft es, offen damit umzugehen, authentisch zu sein und darüber zu sprechen. Das ist der Schlüssel zu einem Leben mit Depressionen.

Michael Phelps setzt sich für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ein.Bild: EPA/EFE
... Léon Marchand, den vierfachen Olympiasieger von Paris, der 2023 über 400 Meter Lagen den letzten bestehenden Weltrekord von Phelps gebrochen hat und unter dessen Ex-Trainer Bob Bowman trainiert:
«Ich bin alles andere als überrascht. Er hat sich perfekt vorbereitet, auch auf den Druck, der hier in seiner Heimat auf ihm lastet. Ich habe zu Bob gesagt: ‹Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden.› Und es bestand auch nie ein Zweifel, dass Léon genau das tun würde. Immerhin blieb der Weltrekord dadurch in der Familie (lacht). Wenn Léon will, kann er womöglich meine 24 Goldmedaillen übertreffen.»

Mit vier Goldmedaillen und einmal Bronze in der Staffel ist Léon Marchand das Gesicht der Olympischen Spiele in Paris.Bild: keystone
… Gerüchte über eine mögliche Rückkehr:
Selbstverständlich vermisse ich den Wettkampf manchmal. Und was mir am meisten fehlt, ist es, ganz zuoberst auf dem Podest zu stehen. Dieses Gefühl ist unübertroffen. Aber ich habe kein Verlangen danach, zurückzukehren. Als wir kürzlich ein Rennen geschaut haben, hat mich mein 4-jähriger Sohn gefragt, ob ich immer noch mithalten könnte. Ich sagte zu ihm: Ich glaube, dass ich das noch immer könnte, wenn ich es wollen würde. Aber du würdest deinen Papa nicht mehr oft zu sehen bekommen, weil ich dauernd im Becken wäre. Ich könnte dich nicht von der Schule abholen und mit dir zu Nacht essen. Da sagte er: Nein, das will ich nicht. Also nein, ich komme nicht zurück.
… Wettkämpfe, bei denen elfjährige Kinder antreten:
«Es ist verrückt. Ich habe vier Kinder, mein ältester Sohn ist acht Jahre alt und ich weiss nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn er hier wäre. Es ist schwierig, zu sagen, ob das gut ist oder nicht. Aber diese Kinder haben Leidenschaft für das, was sie tun. Und wenn sie gut genug sind, um hier antreten zu können, weshalb nicht? Ich war bei meinen ersten Olympischen Spielen auch erst 15 Jahre alt. Ich war noch ein kleiner Junge und trat gegen Männer an und hatte keine Ahnung, was passiert. Aber es hat mich nicht gekümmert. Und es war eine Erfahrung, die mich für den Rest meines Lebens geprägt hat.»

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… seine Beziehung zu den Olympischen Spielen:
«Bei all meinen fünf Olympia-Teilnahmen war ich im Athletendorf, nie in einem Hotel. Ich war dort, weil ich Teil der Olympischen Spiele sein wollte. Es hat mich auch nicht gestört, dass meine Beine immer zu lang waren für die Betten. Es gibt nichts Besseres, als in einer kleinen Stadt zu sein, in der Sportler aus aller Welt leben. Deshalb habe ich auch sofort zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich bei der Eröffnungsfeier dabei sein wolle. Ich hatte diese Erfahrung zuvor nur einmal gemacht. Wenn ich daran denke, bekomme ich sofort wieder Gänsehaut. Das ist für mich die Magie der Olympischen Spiele.»
(aargauerzeitung.ch)
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