Körperlich behinderte Sportlerinnen und Sportler messen sich in aller Regel im Anschluss an die Olympischen Spiele an den Paralympics. Nur sehr selten dürfen sie an beiden Anlässen teilnehmen.
Bekannt ist insbesondere der südafrikanische Sprinter (und später verurteilte Mörder) Oscar Pistorius. Eine andere solche Sportlerin ist Natalia Partyka, eine polnische Tischtennis-Spielerin, die 2008 und 2012 trotz fehlendem rechten Unterarm an beiden Spielen mitmachte (und an den Paralympics drei Goldmedaillen gewann).
Nun in Paris warb die Brasilianerin Bruna Alexandre für Inklusion. Die Vergangenheitsform ist bewusst gewählt, gestern Abend scheiterte ihre Auswahl in den Achtelfinals des Team-Events der Frauen mit 1:3 an Südkorea. Die 29-jährige Alexandre verlor dabei sowohl ihr Einzel wie auch bei ihrem Doppel-Einsatz.
Aber Resultate sind nicht immer das Wichtigste, und in diesem Fall gilt das besonders. «Ich bin sehr glücklich, dass ich hier alle Menschen mit Behinderungen repräsentieren und zeigen kann, dass alles möglich ist», sagte sie laut ARD vor dem Wettkampf. Ein Maskottchen war sie dabei überhaupt nicht: Sie belegt Rang 182 der «normalen» Weltrangliste.
Alexandre war zwei Monate alt, als ihr wegen einer Thrombose der rechte Arm amputiert werden musste. Sie kannte es nie anders und sagt deshalb, sie merke bei vielen Dingen gar nicht, dass sie ein Handicap habe. «Ich lebe mein Leben genau wie jeder andere mit zwei Armen. Ich bin nicht eingeschränkt, ich kann alles tun, was ich möchte.»
Und dazu gehört eben auch das Tischtennis. 2017 wurde sie Para-Weltmeisterin, an den Paralympics 2016 in Rio und 2021 in Tokio gewann sie eine Silber- und drei Bronzemedaillen. In Paris wird sie erstmals zuerst an den Olympischen Spielen antreten und danach auch an den Paralympics.
O esporte é maravilhoso!
— Emerson Damasceno (@EmersonAnomia) August 5, 2024
A Medalhista paralímpica, Bruna Alexandre fez hoje sua estreia nas Olimpíadas!
A Bruna é a nossa primeira atleta paralímpica brasileira a participar das Olimpíadas!
A Bruna já é também uma gigante na luta anticapacitista! #PARIS2024 #Paris2024 pic.twitter.com/1wBtHlXCsa
Das Fehlen eines Armes mache sich vor allem beim Gleichgewicht bemerkbar, erzählt sie. Mit Skateboardfahren und Futsal habe sie ihr Körpergefühl verbessert. «Heute habe ich keine Probleme mehr mit der Balance. Ich kann jeden Ball erreichen. Ich falle vielleicht hin – aber ich kann ihn erreichen.»
Man würde meinen, dass der Aufschlag ein Problem darstellt. Doch Bruna Alexandre winkt ab: «Ich kann wie Spieler mit zwei Armen aufschlagen, die Behinderung spielt keine Rolle, ich kann alles machen.» Wobei anzumerken ist, dass sie im Vergleich zu den anderen den Ball nicht mit der Hand in die Höhe wirft, sondern ihn auf dem Schläger platziert und ihn von dort nach oben spediert.