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Eisschnelllauf an Olympia 2026: So funktionieren die Hightech-Anzüge

epa12731951 Francesca Lollobrigida of Italy competes in the Women's 5000m of the Speed Skating competitions at the Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games, in Milan, Italy, 12 February 2026. EPA ...
Doppel-Gold: Francesca Lollobrigida trägt den neuen Hybrid-Anzug.Bild: keystone

So funktionieren die neuen Hightech-Anzüge im Eisschnelllauf

Stillstand heisst Rückschritt. Neue Anzüge fürs Eisschnelllaufen versprechen jenen, die sie tragen, einen deutlichen Vorteil – auch wenn das Anziehen eine mühsame Prozedur ist.
13.02.2026, 12:0813.02.2026, 13:15

Nichts darf flattern. Der Anzug muss eine windschlüpfrige zweite Haut sein. In einer Sportart, in der in Hundertstelsekunden abgerechnet wird, zählt jedes Detail. Die Italienerin Francesca Lollobrigida feierte über 5000 m ihren zweiten Olympiasieg in Mailand – im neuen Anzug lag sie eine Zehntelsekunde vor der Zweitplatzierten.

Wo es so eng zu und her geht, kommt es einer Revolution gleich, wenn ein Hersteller verspricht, ein neuer Anzug sei wegen des geringeren Luftwiderstands acht Prozent schneller als herkömmliche Dresses. «Mit dem Anzug, in dem das niederländische Team in Mailand startet, beginnt eine neue Ära», kündigte Bert van der Tuuk im niederländischen Rundfunk NOS an.

Anna Boersma of the Netherlands talks with Bert van der Tuuk of the Netherlands and FILA Teamwear Training and Practice, Milano Cortina 2026 Winter Olympics: Day 5, Speed skating, Eisschnelllauf - Mil ...
Entwickler Bert van der Tuuk mit Anna Boersma.Bild: www.imago-images.de

Eisschnelllaufen ist in den Niederlanden sehr populär. Die «Schaatsers» sorgen seit Jahren dafür, dass sich die Flachland-Nation an Olympischen Winterspielen regelmässig weit vorne im Medaillenspiegel platzieren kann.

Ein Anzug wie ein Golfball

Der Hybrid-Anzug, der aus zwei Schichten besteht, hat allerdings seine Tücken. «Die innere Schicht wird so eng über den Körper gezogen, dass ein Athlet eine Viertelstunde braucht, um sie anzuziehen», sagte van der Tuuk, der Chef des Ausrüsters Sportconfex.

Auf dieser unteren Stoffschicht sind vertikale Rippen angebracht, in einem Abstand von einem Zentimeter. Darüber kommt eine zweite Lage, die diese Rippen wie eine zusätzliche Haut überzieht.

Hinter die Kulissen geschaut.Video: YouTube/RTV Drenthe

«Wenn ein Läufer in Bewegung kommt, beginnen diese Folien aufgrund des Luftwiderstands zu vibrieren», erklärt der Entwickler. «Dadurch entsteht ab 20 km/h eine Turbulenz um Arme und Beine. Die sorgt für einen geringeren Widerstand und damit für einen Vorteil.» Mit den kleinen Wirbeln verhält es sich ähnlich wie bei einem Golfball, bei dem die vielen Dellen dafür sorgen, dass er ruhiger durch die Luft fliegt.

Einsatz an der Nähmaschine

Vier Jahre lang wurde am Anzug getüftelt, rund 350'000 Euro steckten die Verbände der Niederlande, von Italien und Kanada in die Entwicklung. Ingenieure der Universitäten in Eindhoven und Ottawa waren beteiligt. Die Idee, die dem Radsport entliehen wurde, gab es schon vor den letzten Winterspielen, 2022 in Peking. Damals habe man aber den richtigen Stoff noch nicht gefunden.

Nun passt der Stoff – aber die Anzüge gehen oft kaputt. Van der Tuuk sitzt deshalb in den Katakomben der Eishalle häufig an seiner Nähmäschine, um Risse zu flicken. Der Designer spricht von einem schwierigen Balanceakt: «Der Anzug ist eng und leicht, aber dünner ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit stärker.»

Beide Arme hinter dem Rücken

Doch nicht nur der Anzug verändert sich – auch die Lauftechnik vieler Athleten. War es auf dem 400 Meter langen Oval bislang Usus, in den Kurven mit dem rechten Arm zu schwingen, sieht man immer mehr Läufer, die ständig beide Arme hinter dem Rücken haben.

So lief der Norweger Sander Eitrem kurz vor den Olympischen Spielen damit Weltrekord und in Mailand gewann er Gold über 5000 m. Der Grund für die Umstellung ist simpel: Der Körper bietet weniger Angriffsfläche. Da die Kufen beinahe ohne Widerstand übers Eis gleiten, heisst das: je weniger Luftwiderstand, desto schneller.

Gold medallist Sander Eitrem of Norway, right, and silver medallist Metodej Jilek of Czechia, compete in the men's 5,000 meters speedskating race at the 2026 Winter Olympics, in Milan, Italy, Sun ...
Sander Eitrem läuft alles mit den Armen hinter dem Rücken.Bild: keystone

«Läuft man eine ganze Runde mit beiden Händen auf dem Rücken statt mit einem freien Arm, macht das einen Unterschied von etwa vier Zehntelsekunden. Das ist ziemlich viel», sagte Wouter Terra, beim niederländischen Olympischen Komitee für Aerodynamik zuständig. Laut Erben Wennemars, einem mehrfachen Weltmeister, ist diese Technik «schneller, aerodynamischer und komfortabler» – auch wenn man sie neu erlernen muss.

Bei den letzten Olympischen Spielen in Peking war die Niederlande mit sechs Gold- und insgesamt zwölf Medaillen die mit Abstand erfolgreichste Eisschnelllauf-Nation. Diese Position wollen die «Oranje-Schaatsers» in Mailand halten – mit neuer Technologie am Körper und neuer Technik in den Kurven.

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quelle: keystone / anna szilagyi
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