Nach der gemeinsamen Silbermedaille sind Odermatt und Meillard wieder Konkurrenten
Am Montag fieberte Odermatt im Zielraum von Bormio noch mit Meillard mit und hoffte, dieser möge möglichst schnell den Hang hinunterkommen. Am Samstag wird das anders sein. Nachdem sie in der Team-Kombination als «Schweiz 1» Silber gewonnen haben, stehen sie im Riesenslalom wieder als direkte Konkurrenten am Start.
2 Atle Lie McGrath NOR
3 Henrik Kristoffersen NOR
4 Marco Schwarz AUT
5 Marco Odermatt SUI
6 Loïc Meillard SUI
7 Stefan Brennsteiner AUT
8 Zan Kranjec SLO
9 Thomas Tumler SUI
14 Luca Aerni SUI
«Wir haben nach der Team-Kombi noch auf dem Podest zueinander gesagt, dass es schön wäre, im 'Riesen' wieder gemeinsam hier zu stehen», sagte Meillard am Medientreff im Teamhotel. Auf die Frage, in welcher Reihenfolge, liess sich der 29-Jährige aber nicht auf die Äste hinaus. Klar ist: In einem breiten Feld zählen beide nicht nur zu den Medaillen-, sondern auch zu den Sieganwärtern. Von sieben Weltcup-Riesenslaloms in dieser Saison gewann Odermatt drei, Meillard zwei.
Mit Selbstvertrauen angereist
Das letzte Rennen Ende Januar in Schladming entschied Meillard mit grossem Vorsprung für sich. Damit machte er im Disziplinenweltcup einen Sprung auf Rang 3. Vor ihm liegen noch der für Brasilien startende Lucas Pinheiro Braathen, der zuletzt dreimal in Folge Zweiter wurde, und Spitzenreiter Odermatt.
Die dahinter lauernden Stefan Brennsteiner und Marco Schwarz aus Österreich sowie die Norweger Henrik Kristoffersen und Atle Lie McGrath gehören in Bormio ebenfalls zu den Podestkandidaten. Die weiteren Schweizer Thomas Tumler und Luca Aerni haben eher Aussenseiterchancen.
Meillard jedenfalls reiste dank seines jüngsten Erfolgs selbstbewusst ins Veltlin. Auch wenn er sich zu Beginn des Winters noch konstantere Spitzenresultate erhofft hatte. Nach den Rängen 14 und 18 in den ersten beiden Riesenslaloms fuhr er fünfmal in die Top 10, darunter zweimal aufs Podest. Neben Schladming gewann er auch in Val d'Isère. Im Slalom stand der Romand dreimal auf dem Podium, ein Sieg fehlt dem Weltmeister in diesem Winter jedoch noch.
Hohe Erwartungen
Es sind fraglos gute Resultate, aber nicht ganz das, was man Meillard nach seiner starken zweiten Saisonhälfte im vergangenen Winter zugetraut hatte. Zum zweiten Mal in Folge sammelte er über 1000 Punkte im Gesamtweltcup, obwohl er nach einer leichten Verletzung zu Saisonbeginn zunächst das Vertrauen im Riesenslalom wiederfinden musste. Zudem erlebte er eine herausragende WM in Saalbach, von der er mit zwei Goldmedaillen (Slalom, Team-Kombination) und Bronze im Riesenslalom abreiste.
Entsprechend wurde der im Wallis wohnhafte Meillard zu Beginn der aktuellen Saison gefragt, ob nun der Zeitpunkt gekommen sei, den Gesamtweltcup ins Visier zu nehmen. «Dass das ein Traum von mir ist, habe ich schon mehrmals gesagt», erklärte er damals. Darauf fokussiert habe er sich jedoch nicht. «Wenn ich konstant gut Ski fahre, ist es eine Möglichkeit.» Bei noch zehn ausstehenden Rennen steht jedoch fest: In diesem Winter ist das nicht mehr realistisch, auf Odermatt fehlen ihm satte 700 Punkte.
Mehrere Faktoren entscheiden
Auch die Chancen auf seine erste kleine Kristallkugel – den Gewinn des aus nur zwei Rennen bestehenden Parallelweltcups 2020 ausgenommen – sind gering. Entsprechend richtet sich der Fokus nun ganz auf die Winterspiele. Es sind seine dritten nach Pyeongchang und Peking, wo er als Fünfter im Slalom eine Medaille knapp verpasste.
Das ersehnte Olympia-Edelmetall hat er dank der Team-Kombination zwar bereits gewonnen. Mit seinem Slalomlauf (Rang 15) zeigte sich Meillard jedoch unzufrieden. Daher hätte eine Einzelmedaille für ihn einen noch höheren Stellenwert, das verhehlt er nicht. Als erster Herausforderer Odermatts sieht er sich dennoch «nicht unbedingt», wie Meillard sagte. «Wir haben in dieser Saison gesehen, dass viele schnell fahren können.» Möglich, dass am Samstag Odermatt und Meillard wieder gemeinsam jubeln: Dieses Mal dürfte sich einer aber etwas mehr freuen als der andere. (riz/sda)
