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Audrey Werro: Weshalb ihre Fabelzeit kaum hoch genug einzuschätzen ist

Switzerland's Audrey Werro celebrates after winning the 800m race during the Diamond League athletics meeting in Rabat, Morocco, Sunday, May 31, 2026. (AP Photo/Mosa'ab Elshamy)
audrey werro
Phänomenal: Audrey Werro pulverisiert den Schweizer Rekord mit einer der besten Leistungen über 800 Meter in der Leichtathletik-Geschichte.Bild: keystone

Phänomenale Audrey Werro: Weshalb ihre Fabelzeit kaum hoch genug einzuschätzen ist

Beim Diamond-League-Meeting in Stockholm gelingt der 22-jährigen Freiburgerin der erste Sieg gegen Olympiasiegerin Keely Hodgkinson und mit 1:53,98 eine absolute Fabelzeit: Sie ist jetzt die drittschnellste Frau der Geschichte über 800 Meter.
08.06.2026, 03:0008.06.2026, 03:08
Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder

Das Potenzial von Audrey Werro wird langsam unheimlich. Zweiter Sieg im zweiten Diamond-League-Rennen des Jahres nach Rabat vor Wochenfrist für das 22-jährige Freiburger Supertalent. Ihr Erfolg in Stockholm sorgte nicht nur bei Schweizer Leichtathletik-Fans aus mehreren Gründen für Gänsehaut.

Zum einen bezwang Werro erstmals überhaupt die Olympiasiegerin und Hallen-Weltmeisterin Keely Hodgkinson. Und das, obwohl die Britin in diesem epischen Duell nationalen Rekord lief. Zum anderen zeigte die Uhr nach 800 Metern eine Zeit an, die seit mehr als 40 Jahren nie mehr gelaufen wurde. Werros 1:53,98 bedeuten nicht nur Schweizer Rekord und Jahres-Weltbestleistung. Es ist die drittbeste Marke in der Geschichte der Leichtathletik.

Vor ihr steht in den Rekordbüchern jetzt nur noch ein Duo, das seinen Platz dort nicht verdient hat: Weltrekordhalterin Jarmila Kratochvilova aus der damaligen Tschechoslowakei stürmte 1983 in München mit 1:53,28 ins Ziel, die Russin Nadescha Olisarenko lief 1980 beim Olympiasieg in Moskau 1:53,43.

Kratochvilova verneint Doping zwar bis heute vehement. Doch ihre Leistung – sie hält den ältesten Weltrekord in der Geschichte der Sportart – stammt aus der Ära des Staatsdopings in den Ostblock-Nationen und ihre Überlegenheit gemeinsam mit Läuferinnen aus der Sowjetunion und der DDR war ebenso frappant wie unglaubwürdig. So siegte Olisarenko, die 2017 nach langer Krankheit starb, 1980 bei den Olympischen Sommerspielen über 800 m vor zwei Landsfrauen.

Jarmila Kratochvilova Mitte - Weltmeisterin �ber 400m bei der WM 1983 in Helsinki vor Tatana Kocembova beide CSSR, re. und Marija Kultschunowa Pinigina Sowjetunion
Jarmila Kratochvilova (vorne) bestreitet Doping bis heute – ihre Glaubwürdigkeit ist angesichts der damaligen Umstände aber angekratzt.Bild: www.imago-images.de

Zurück von der Vergangenheit in die Gegenwart zu jener Frau, der mit 22 Jahren die Zukunft gehört. Audrey Werro sagte nach ihrem Lauf in die Geschichtsbücher, das sei «crazy» und sie brauche jetzt wohl eine Woche, um ihre Leistung zu realisieren.

«Als ich Keely eingangs der Zielkurve wieder überholen konnte, gab mir die entscheidende Energie.»
epa13022752 Audrey Werro of Switzerland reacts after winning the women's 800m at the Diamond League athletics meeting in Stockholm, Sweden, 07 June 2026. EPA/Christine Olsson SWEDEN OUT
Die Olympiasiegerin hatte auf der Zielgerade keinen Stich gegen Werro.Bild: keystone

Zu den ersten Gratulantinnen von Werro gehörte die Tempomacherin. Mit Rachel Klopfenstein-Pellaud sorgte eine Schweizerin für eine sagenhafte Durchgangszeit von 55,54 Sekunden nach 400 Metern. Die 31-jährige Bielerin hat sich nicht zuletzt wegen der übermächtigen Mittelstrecken-Dominanz in der Schweiz in diesem Frühjahr entschieden, zukünftig für ihr Mutterland Mauritius an den Start zu gehen.

Mumenthaler mit Enttäuschung – Duplantis-Serie reiss

Für zwei Athleten war der Auftritt in Stockholm hingegen ein gebrauchter Tag. Der Schweizer 200-m-Europameister Timothé Mumenthaler, der als Ersatzläufer kurzfristig zu einem Auftritt in der Diamond League gelangte, wurde nach einem Fehlstart disqualifiziert. Zu seinem Auftritt passte, dass er auf der Startnummer als Timothé Murenthaler angeschrieben war.

Lokalmatador Armand Duplantis musste sich nach einer beinahe dreijährigen Ungeschlagenheit mit 40 Siegen in Folge im Stabhochsprung wieder einmal mit Platz 2 genügen. Seine überquerte Höhe von 5.80 m gehört für den Superstar der Leichtathletik üblicherweise noch zur Aufwärmphase. Vor einem Jahr war ihm an gleicher Stelle ein Weltrekord geglückt. Einen solchen wünschte er sich diesmal quasi als eigenes Hochzeitsgeschenk für die nächste Woche in Südfrankreich anstehende Vermählung. (aargauerzeitung.ch)

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