Sport
Schweiz

SRG verschenkt VIP-Ticket zu Skirennen an Sportfunktionäre

SRG beschenkt Sportfunktionäre mit VIP-Tickets – ist das okay?

Beste Plätze für die Lauberhorn-Rennen, Einladungen für das Eidgenössische Schwingfest oder die im Mai stattfindende Eishockey-WM. Das Schweizer Fernsehen bietet einzelnen Vertragspartnern attraktive Präsente.
25.02.2026, 20:1025.02.2026, 20:10
Rainer Sommerhalder

Bis vor sechs Jahren erhielt ein führender Funktionär des Schweizer Fussballverbandes, der heute nicht mehr im Amt ist, jährlich eine höchst verlockende Einladung: VIP-Tickets für die Lauberhorn-Rennen inklusive Übernachtung. Absender war aber nicht der Gastgeber, sprich die Organisatoren des traditionellen Weltcup-Events, sondern die Business Unit Sport der SRG.

Eishockey-Genuss in der VIP-Zone. Hier beim Spiel Biel gegen ZSC Lions.
Eishockey-Genuss in der VIP-Zone. Hier beim Spiel Biel gegen ZSC Lions.Bild: Keystone

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall. Auch Funktionäre von anderen Sportverbänden erhalten immer wieder Einladungen zu Top-Events in der Schweiz. Beispielsweise fürs Eidgenössische Schwingfest oder aktuell für die im Mai stattfindende Eishockey-WM in Zürich und Freiburg.

Die einen monieren, dass die SRG damit in einen Graubereich in Sachen Compliance – Einhaltung von Richtlinien, Standards und ethischen Grundsätzen – vorstösst. Andere finden, die SRG müsse im hart umkämpften Markt der Sportrechte die Beziehungen zu den Vertragspartnern auch in diesem Rahmen pflegen dürfen.

VIP-Tickets haben einen Fantasiepreis

Unsereins erschrickt, wenn man die Preise für ein VIP-Ticket irgendeines Sport-Events studiert. 930 Franken kostet beispielsweise die teuerste Karte für das Lauberhorn. In der Szene spricht man aber von Fantasiepreisen, weil nur die wenigsten, die sich im VIP-Bereich aufhalten, den tatsächlichen Preis bezahlt haben.

Denn viele dieser Tickets sind ein Bestandteil von vertraglichen Abmachungen zwischen Organisatoren und Sponsoren oder Rechtepartnern. Sprich: Firma XY kriegt als Gegenleistung für das Sponsoring neben Werbefläche eine definierte Zahl an VIP-Tickets, die sie in der Regel an Mitarbeiter, Kunden und Partner verteilt.

VIPs sind also in der Regel geladene Gäste. Aber trotz sogenannten Fantasiepreisen haben VIP-Tickets ihren Wert, würden sie ausschliesslich auf dem freien Markt verkauft. Wenn auch nicht zu jenem Preis, der offiziell veranschlagt wird.

So rechtfertigt sich die SRG für ihre Ticketpolitik

Frage an die SRG: Warum laden Sie Sportfunktionäre an Events ein, die sie nicht selber organisieren?

Die Medienstelle der SRG schreibt auf Anfrage: «Die SRG pflegt einen regelmässigen Austausch mit ihren Anspruchsgruppen. Hierfür stehen der SRG auch Tickets für ausgewählte Sportevents in der Schweiz zur Verfügung, welche der SRG als Vertragsinhalt für ihre Leistungen als Host Broadcaster und damit wichtiger Partnerin von gewissen Sportevents in der Schweiz zur Verfügung gestellt werden. Diese Tickets beinhalten teilweise auch Zugang zum Hospitality-Bereich, welcher auch weiteren geladenen Gästen der Events offensteht. Die Einladungen erfolgen stets unter Einhaltung der entsprechenden SRG-Richtlinien.»

Roland Maegerle Leiter Business Unit Sport SRG SSR posiert auf dem roten Teppich an der Swiss-Ski Night am Freitag, 9. Mai 2025 in der Halle 622 in Zuerich. (KEYSTONE/Til Buergy)
Roland Mägerle, Leiter SRF Sport und Leiter Business Unit Sport SRG.Bild: keystone

Und weiter im Text: «Im Vordergrund dieser Besuche stehen die produktionellen und programmlichen Mitarbeitenden und die dazugehörige Infrastruktur. Für Einladungen entscheidend ist die Funktion einer Person, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sieht die SRG davon ab, konkrete Namen zu nennen.»

Etliche unserer Fragen bleiben indes unbeantwortet. Beispielsweise, wie viele Einladungen pro Jahr verschickt werden. Ob auch Politikerinnen und Politiker an Sportevents eingeladen werden. Ob die Rechte nicht günstiger eingekauft werden könnten, wenn die SRG auf Tickets als Teil des Gegengeschäfts verzichten würde. Oder was diese Einladungen konkret beinhalten.

Fussballer lehnen aus Gründen der Compliance ab

Wie erwähnt: Der hohe Funktionär des Fussballverbandes ist kein Einzelfall. Auch Leute von der Swiss Football League werden von der SRG an grosse Sport-Events eingeladen. Oder solche aus dem Radsport. Und aus der Leichtathletik. Beispielsweise Andreas Hediger, Co-CEO von Weltklasse Zürich. «Dies passiert maximal ein- bis zweimal im Jahr. Aber in einem Rahmen, der nichts mit VIP zu tun hat. Es beinhaltet ein ganz normales Gästeprogramm mit Ticket ohne Begleitung», wie er sagt. Auch unter den Veranstaltern selbst gebe es diese Form von Austausch.

Andreas Hediger CEO Welzklass Zürich
Co-Meetingdirektoren der Weltklasse Zürich Andreas Hediger.Bild: Screenshot / Weltklasse Zürich

Hediger begründet, es sei ein Teil der Leistungen in jeder Vereinbarung der Sportveranstalter mit der SRG, «dass ihr ein gewisses Kontigent an Tickets zur freien Verfügung gestellt wird». Deshalb falle es aus seiner Sicht unter den Begriff eines sinnvollen Networkings. Das nächste Mal im Mai an der Eishockey-WM in der Schweiz, zu der die SRG diverse Sportfunktionäre eingeladen hat.

Das sehen einige anders. Zumindest kann man es so interpretieren. Denn ausgerechnet einige Fussballfunktionäre, die wegen der Fifa, den astronomischen Summen und vielen anderen Geschichten nicht im Ruf stehen, im saubersten Teich des Sports zu schwimmen, nehmen die Einladungen nicht an. Nach unseren Informationen auch aus Gründen der Compliance. Woraus man schliessen könnte, dass die Bosse beim Fussballverband und der Liga höhere ethische Grundsätze verfolgen als unser öffentlich-rechtlicher Sender. (aargauerzeitung.ch)

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K. Sime
25.02.2026 20:58registriert Dezember 2023
CH Media sollte sich mal entscheiden, ob man als Medienhaus nun für oder gegen diese Initiative ist.
Immer wieder so gesuchte Geschichten um die SRG ein bizzeli anzugreifen, aber dann doch nicht den Mut, um klar Stellung zu beziehen. Man weiss aus professioneller Sicht, dass es nicht gut wäre für die Schweiz. Die Hosentasche sagt ja, der Kopf aber nein. Natürlich ist es Journalismus, die Fakten aufzudecken, aber diese lächerlichen Giftpfeile. Fakt ist, die privaten könnten niemals in die Bresche springen und wir würden sehr viel Programm verlieren. Bachelor ist für viele keine Alternative.
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Bruno Wüthrich
25.02.2026 21:10registriert August 2014
Mit der Ethik ist es so eine Sache. Natürlich kann man versuchen, überall eine allgemeingültige Ethik zu vermitteln. Trotzdem verfolgt jede Person, die sich eine zulegt, eine andere.

Dass die SRG bei ihren Verträgen Gesamtpakete einkauft, welche auch VIP-Tickets beinhalten, ist doch nicht unethisch. Jeder Veranstalter wird sich sein Angebot an die Kunden, Vertragspartner etc. ausdenken. Wenn die SRG einen Anlass sponsert, dann wird von ihrer Seite her wohl kaum Geld fliessen, sondern sie erbringt ihre Dienstleistungen entsprechend etwas günstiger.

Ich sehe darin rein gar nichts Unethisches.
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Ruudi65
25.02.2026 21:11registriert Februar 2022
Keine Sau zu klein um aktuell durch die Dörfer getrieben zu werden.

Die SRG übernimmt bei vielen Sportveranstaltungen die TV Übertragung. Ohne die TV Übertragung würde der Event nicht mehr stattfinden, denn gerade zB. das Lauberhorn ist ausser Stand, diese TV Abdeckung zu finanzieren.

Also werden der SRG gewisse Tickets zur Verfügung gestellt, quasi als "Gegenrechnen" der Produktions Kosten.

Ein völlig normaler Vorgang. Wäre es ungesetzlich, verwerflich, warum wohl stehen riesige VIP Zelte bei jedem Anlass. Weil etwa alle darin Gangster sind, die Compliance Regeln brechen?
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