Roger Federer erreichte dank einem 4:6, 6:1, 6:2, 6:2 gegen Marton Fucsovics aus Ungarn seinen 15. Viertelfinal am Australian Open, womit er John Newcombe als Rekordhalter ablöste. Vollends zu überzeugen vermochte der Schweizer im bisherigen Turnierverlauf noch nicht.
Roger Federer hatte sich vor Beginn des Turniers selber aus dem Kreis der Titelfavoriten genommen. Er müsse sich im Gegensatz zu anderen erst beweisen, hatte der sechsfache Australian-Open-Sieger gesagt. Während Novak Djokovic und Rafael Nadal den ATP Cup bestritten hatten, war er ohne Matchpraxis nach Melbourne gereist. «In einer Woche sehen wir weiter.»
Tennis 1️⃣0️⃣1️⃣@rogerfederer gets back to basics to record his 101st #AusOpen win over Fucsovics.
— #AusOpen (@AustralianOpen) January 26, 2020
"I had to figure it out, finally found a way at the start of the second set and from there, things got a little bit easier.”
Match report ➡ https://t.co/Ob08w3E67F#AO2020 pic.twitter.com/VHdZmf7bg8
Acht Tage und vier Siege gegen die Nummern 75, 41, 47 und 67 der Welt später ranken sich um die Form des 38-jährigen Baselbieters weiter Fragezeichen. Auf die klaren Siege gegen Steve Johnson und Filip Krajinovic folgte der epische Fünfsatz-Thriller gegen John Millman, als Federer im Super-Tiebreak nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt war. Und auch gegen Marton Fucsovics vermochte er nicht restlos zu überzeugen.
Nach dem Ende des ersten Satzes gegen den Ungar herrschte eine merkwürdige Atmosphäre in der Rod Laver Arena. Die Luft hatte am späten Abend am sonnigen Australia Day in Melbourne merklich abgekühlt. Die Möwen kreisten und krächzten über der geöffneten Arena, in der die knapp 15'000 Zuschauer ein Déjà-Vu erlebten. Wie gegen Millman startete Federer flau in die Partie und verlor den ersten Satz 4:6.
Eine Leistungssteigerung und ein schnelles Break im zweiten Durchgang sorgten für die Wende und – aus Sicht Federers – zur Rückkehr zur Normalität. «Ansonsten hätte es kompliziert werden können», so der Schweizer, der dank neun von zehn gewonnenen Games die Partie drehte und diese nicht mehr aus der Hand gab.
«Es war der typische Match danach», sagte Federer. «Ich musste den Motor immer und immer wieder anwerfen.» Ein Fünfsatzmatch spüre man zwei Tage danach noch immer. «Mir kann niemand erzählen, dass nichts zurückbleibt, vor allem auch emotional.» Mit viel Schlaf, Massagen und Stretching erholte er sich vom aufwühlenden Thriller, der knapp 48 Stunden zuvor erst kurz vor 1.00 Uhr morgens zu Ende gegangen war. Auf Eisbäder verzichtete er.
«In Anbetracht meines Alters und allem, was ich in meiner Karriere durchgemacht habe, bin ich sehr zufrieden, wie ich mich fühle», sagte Federer. Wichtig sei, dass er keine Beschwerden davongetragen habe. Auch deshalb fällt seine Zwischenbilanz positiv aus. «Ich weiss aber, dass ich besser spielen kann. Noch mache ich zu viele Fehler.» An die Bedingungen im Melbourne Park konnte er sich gewöhnen, auch wenn er fast nur Indoor oder am Abend gespielt hat.
In seinem 57. Grand-Slam-Viertelfinal trifft Federer am Dienstag mit Tennys Sandgren noch einmal auf einen ungesetzten Spieler, nachdem der Amerikaner nach Matteo Berrettini auch Fabio Fognini eliminiert hat. Der 28-Jährige aus Tennessee, gegen den Federer noch nie gespielt hat, ist nur die Nummer 100 des Rankings, was auch den Schweizer verwundert.
"I've played a lot of tennis in my life but never against Tennys." 😂@rogerfederer previews (almost) his next match up with Tennys Sandgren. #AO2020 | #AusOpen pic.twitter.com/SNg43HP9EY
— #AusOpen (@AustralianOpen) January 26, 2020
Für den letzten verbliebenen Amerikaner im Turnier geht mit der Begegnung gegen den 20-fachen Grand-Slam-Sieger ein Traum in Erfüllung. «Es wird sehr, sehr speziell. Roger ist Roger», sagte der ehemalige College-Spieler, der nach einer Hüftoperation 2014 erst vor zwei Jahren so richtig Fuss auf der Tour gefasst hat. 2018 war Sandgren in Melbourne aus dem Nichts und Siegen gegen Stan Wawrinka und Dominic Thiem erstmals in die Viertelfinals vorgestossen.
Auch neben dem Platz hatte Sandgren damals für Schlagzeilen gesorgt. Seine früheren Aktivitäten in den sozialen Netzwerken deuteten auf Sympathien zu rechts-konservativen und rassistischen Kreisen in seiner Heimat hin, der sogenannten Alt-Right-Bewegung. Von deren Gedankengut distanzierte sich der Amerikaner aber, nachdem die internationalen Medien das Thema aufgegriffen hatten. (sda)